Lügen, falsche Vorwürfe und ein paar Halbwahrheiten

Selten wurde an einem US-Parteitag so viel gelogen wie beim Treffen der Republikaner. Wir haben die grössten Unwahrheiten zusammengetragen.

Trägt seinen Teil zum «Festival der Lügen» bei: Donald Trump.

Trägt seinen Teil zum «Festival der Lügen» bei: Donald Trump. Bild: Keystone

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Der Skandal um die allem Anschein nach geklaute Rede von Melania ist nur die Spitze des Eisbergs: Der Ehefrau des als Präsidentschaftskandidat nominierten Donald Trump wird vorgeworfen, ganze Passagen bei Michelle Obama abgekupfert zu haben. Die Aufregung darüber wäre wohl schnell wieder abgeflacht, würde Trumps Wahlkampfteam das Plagiat nicht weiterhin strikt dementieren – ein Verhalten, das zum Treffen der Republikaner in Cleveland passt.

«Willkommen beim
Festival der Lügen.»
Der «Spiegel» über den Parteitag der Republikaner

Von US-Parteitagen ist man einiges gewohnt. Sie sind eine Mischung aus Show, Werbung und Politik. Die Trennung von Fakten, Übertreibungen und Erfindungen ist oft schwierig. Doch selten wurden so viele Unwahrheiten erzählt wie beim jetzigen Treffen der Republikaner, meinen viele Beobachter und Medien. Der «Spiegel» spricht gar von einem «Festival der Lügen».

Es sei schon am Montag losgegangen, schreibt das Magazin. Zwei Ex-Marineinfanteristen beschuldigen die damalige Aussenministerin Hillary Clinton, sie 2012 während des Terroranschlags von Benghazi eiskalt im Stich gelassen zu haben – obwohl dieses Szenario längst widerlegt ist. Andere Redner behaupten, unter Präsident Barack Obama seien Amerikas Städte viel unsicherer geworden, sei die Arbeitslosenquote gestiegen und seien die Löhne gesunken. Bei allen drei Punkten ist das Gegenteil der Fall.

Zeigt, wie Trump als Lügner aufflog: Video der Plattform «Wochit» (Quelle: Youtube/wochit News)

Auch «Politifact» – eine Website, die politische Aussagen einem Faktencheck unterzieht – deckt viele Lügen auf. So behauptet Donald Trump beispielsweise, dass er den Bundesstaat Ohio (in dem Cleveland liegt) als Veranstaltungsort vorgeschlagen habe, obwohl dessen Wahl schon beschlossen war, lange bevor er überhaupt seine Kandidatur bekannt gegeben hatte. Rudy Giuliani, berühmter Ex-Bürgermeister New Yorks, warnt davor, dass Clinton offene Grenzen wolle. Ebenfalls falsch, urteilt «Politifact».

Lobt seinen Vater, nimmt es mit der Wahrheit aber nicht so genau: Donald Trump junior. (Video: Youtube/CNN)

Am zweiten Tag des republikanischen Parteitages in Cleveland geht es so weiter: Rednerinnen und Redner übergeben sich auf dem Podium das Mikrofon und schrecken nicht vor Unwahrheiten zurück. New Jerseys Gouverneur Chris Christie zum Beispiel verstrickt sich laut CNN gleich in mehrere Lügen. Er wirft Clinton fälschlicherweise vor, die Aufnahme der nigerianischen Terrormiliz Boko Haram in die Beobachtungsliste verhindert zu haben. Und auch seine Behauptung, die damalige Aussenministerin habe den Umsturz Ghadhafis geleitet, entpuppt sich als falsch.

Donald Trump junior lügt, als es um die Kampagnenfinanzierung seines Vaters geht. «Alles aus eigener Tasche bezahlt», behauptet sein Sohn. Stimmt nicht, meint CNN mit Verweis auf die Millionen, die der Nominierte von Spendern erhalten hat. Clinton wolle das Gesundheitssystem Medicare zerstören, behauptet Trump junior. Die Demokratin aber kündigte an, das System im Gegenteil ausbauen zu wollen.

Hillary Clinton indes nimmt die vielen, meist falschen Anschuldigungen gelassen. In einem Tweet erinnert sie sich ironisch an eine positive Aussage von Ben Carson, der am republikanischen Treffen ebenfalls über sie lästerte. Und Donald Trump selbst? Der schaltete sich nach der Bekanntgabe seiner Nomination per Videobotschaft zu: «Wir haben mit den meisten Stimmen in der Geschichte der Republikaner Historisches geschafft.» Das sei wahr, aber irreführend, meint CNN. Denn die hohe Zahl von Stimmen widerspiegle nicht die Uneinigkeit innerhalb der Partei über seine Kandidatur. Eine wahre, aber irreführende Aussage also – immerhin. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.07.2016, 12:24 Uhr

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