«Leitet sie das Bildungsministerium oder die NRA?»

Trumps Bildungschefin Betsy DeVos plant, für die Bewaffnung von Lehrern zu bezahlen – mit staatlichen Sozialgeldern. Idiotisch, sagen die Demokraten.

Möchte für die Bewaffnung von Lehrern Geld aus einem Topf für die soziale Unterstützung von Schülern abzweigen: Betsy DeVos.

Möchte für die Bewaffnung von Lehrern Geld aus einem Topf für die soziale Unterstützung von Schülern abzweigen: Betsy DeVos. Bild: Reuters

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Die Regierung Trump möchte Lehrer an US-Schulen offenbar auf Kosten des Staats mit Schusswaffen ausrüsten. Am Mittwoch berichtete die «New York Times», Trumps umstrittene Bildungsministerin Betsy DeVos wolle die dafür notwendigen Gelder aus einem Regierungsprogramm zur sozialen Unterstützung von Schülern abzweigen.

Am Donnerstag hiess es aus dem Ministerium, ein entsprechender Vorschlag sei nicht intern ausgearbeitet, sondern nach einer Anfrage texanischer Behörden erwogen worden. Massaker und Amokläufe an US-Schulen haben in den vergangenen Jahren Dutzende Schüler getötet und verletzt. Die Diskussion über die Sicherheit an den Schulen war nach zwei Schiessereien im Februar in Parkland in Florida sowie im Mai in Santa Fe in Texas neuerlich entbrannt. Bei den Massakern waren 17 Schüler und Lehrer ermordet worden.

«Wenn Lehrer bewaffnet sind, können sie sehr schnell angreifen.»US-Präsident Donald Trump

Die Trump-Regierung hat im Einklang mit der US-Waffenlobby NRA schärfere Kontrollen von Schusswaffen bisher strikt abgelehnt. Als Antwort auf die Massaker an US-Schulen schlug Präsident Trump die Bewaffnung von Lehrkräften sowie weniger Ein- und Ausgänge an Schulen vor. Es sei «gefährlich», Schulen zu «schusswaffenfreien Zonen» zu erklären, sagte Trump. Wenn Lehrer bewaffnet seien, «könnten sie sehr schnell angreifen», so der Präsident weiter.

US-Lehrer bezahlen Schulutensilien selbst

Bildungsministerin DeVos lehnte es daraufhin als Vorsitzende einer nach den Massakern von Parkland und Santa Fe berufenen Kommission zur Verbesserung der Schulsicherheit ab, die Rolle von Schusswaffen bei der Gewaltwelle an US-Schulen in die Beratungen einzubeziehen. Die Gelder zur Bewaffnung von Lehrern würden aus einem Etatposten des Ministeriums kommen, der für die psychologische Beratung von Schülern eingerichtet wurde und vorzeitige Schulabgänge verhindern soll.

Kritiker einer solchen Zweckentfremdung wiesen am Donnerstag darauf hin, dass 94 Prozent amerikanischer Lehrer Schulutensilien aus eigener Tasche bezahlen und drei Viertel aller US-Schuldistrikte Kinder und Jugendliche unterrichten, die das Mittagessen an den Schulen nicht bezahlen können und deshalb bei den Schulbehörden verschuldet sind.

«Unqualifiziert»: Betsy DeVos steht seit Beginn ihrer Amtszeit unter starker Kritik. Video: AFP.

Zwar hat der Kongress die Bereitstellung staatlicher Mittel für die Bewaffnung von Lehrern bislang abgelehnt, der jetzt ins Auge gefasste Etatposten aber würde DeVos ein Hintertürchen bieten, da er Ausgaben für Schusswaffen nicht ausdrücklich verbietet.

«Ihr idiotischer Plan»

Es sei nicht mehr klar, «ob Betsy DeVos das Bildungsministerium leitet oder die NRA», reagierte der demokratische Kongressabgeordnete Dan Kildee gestern auf den Bericht in der «New York Times». Der demokratische Senator Chris Murphy (Connecticut) brachte umgehend einen Gesetzesentwurf ein, der dem Bildungsministerium kategorisch untersagen würde, Gelder für Schusswaffen auszugeben.

«DeVos, nachdem meine Tochter ermordet wurde, haben Sie lauthals verkündet, wir sollten nicht über Schusswaffen, sondern über psychische Gesundheit reden – jetzt würde ihr idiotischer Plan genau dort Gelder abziehen», twitterte Fred Guttenberg am Donnerstag. Seine Tochter Jaime war bei dem Massaker in Parkland ermordet worden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 24.08.2018, 19:10 Uhr

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