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Krimineller Luxus im Elendsviertel

Die brasilianische Polizei hat in einer Grossoffensive eine Drogenhochburg in Rio de Janeiro unter Kontrolle gebracht. Auf der Suche nach Bandenmitgliedern stiess sie auf ein luxuriöses Idyll.

Baden in der Favela: Kinder vergnügen sich im Swimmingpool eines Drogenhändlers.
Baden in der Favela: Kinder vergnügen sich im Swimmingpool eines Drogenhändlers.
Keystone
Erobert: Polizisten hissen im Elendsviertel Complexo do Alemão die brasilianische Flagge.
Erobert: Polizisten hissen im Elendsviertel Complexo do Alemão die brasilianische Flagge.
Keystone
... vor den Augen der verängstigten Bevölkerung.
... vor den Augen der verängstigten Bevölkerung.
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Nach einer Grossoffensive hat die brasilianische Polizei am Sonntag ihren Sieg über die Drogenbanden im Favela-Komplex Alemão in Rio de Janeiro erklärt. Die Armensiedlung war eine der Hochburgen der Drogengangs der Metropole. Auf der Suche nach Bandenmitgliedern im Favela-Komplex stiessen die Truppen im Quartier Morro da Mangueira auf die Villa des Drogenbarons Polegar. Er wird als mutmasslicher Drogenboss von Alemão gehandelt. Das luxuriöse Idyll, mit Jacuzzi und Swimmingpool ausgestattet, nutzte Polegar, um seine Geschäfte über die Bühne zu bringen, so die brasilianische Tageszeitung «O Globo». Im Pool mit Aussicht auf die Favela vergnügten sich Kinder, als die Polizei einmarschierte.

Polegar war nicht der Einzige, der sich einen üppigen Lebensstil leistete. So stiess die Polizei auf einen anderen luxuriösen Umschlagplatz des Drogenchefs Gão. Auch er besitzt einen Swimmingpool, dessen Boden mit einem G eingraviert ist. In einem weiteren Viertel entdeckte die Polizei ein kleines Drogen-Hotel für Kunden, das mit mehreren Zimmern ausgestattet ist. Neben Schlafräumen fand die Polizei einen Waffenraum und ein Drogenlabor. Das Drogen-Hotel hat ausserdem einen Fluchtweg, das zwei Quartiere von Alemão verbindet.

Panzerwagen und Helikopter

Zuvor hatten rund 2600 Polizisten mit Unterstützung des Militärs den Favela-Komplex Alemão mit 85'000 Einwohnern gestürmt. Die Sicherheitskräfte waren mit Panzerwagen in die verwinkelten Gassen des Slums vorgerückt. Helikopter kreisten über dem Komplex und suchten nach den Kämpfern der bewaffneten Banden. Waffen, Munition und Drogen konnten beschlagnahmt werden. Die Suche nach Bandenmitgliedern hält an. «Wir werden keinen Ort auslassen», sagte Duarte. «Wir vermuten, dass noch immer viele dort sind und versuchen wollen zu fliehen.»

Bevor die Sicherheitskräfte zum Sturm auf Alemão ansetzten, gab die Polizei den Mitgliedern der Drogengangs Gelegenheit, sich zu ergeben. Bis Samstagnachmittag hatten 16 Bandenmitglieder das Angebot der Polizei angenommen, darunter laut Behördenangaben auch ein Mann, der mutmasslich die rechte Hand von Polegar ist.

Verletzte und Verhaftete

Zwei Männer wurden angeschossen, als sie zu flüchten versuchten. Sechs Frauen oder Freundinnen von Drogenhändlern wurden festgenommen. Zehn Häftlinge, die verdächtigt werden, hinter den Raubüberfällen Anfang der Woche zu stecken und Autos in Brand gesetzt zu haben, wurden in Hochsicherheitsgefängnisse ausserhalb Rios gebracht. Mit den Gewaltakten sollten Bewohner in Angst und Schrecken versetzt und die Polizei abgehalten werden, sich einzumischen.

Der Chef der Militärpolizei des Staates Rio, Mario Sergio Duarte, erklärte, die Sicherheitskräfte seien auf unerwartet wenig Widerstand gestossen. «Wir haben gesiegt. Wir haben den Bewohnern von Alemão die Freiheit gebracht», sagte Duarte. Bei den Kämpfen sind nach Behördenangaben mindestens zwei Menschen verletzt worden. Ein mutmassliches Bandenmitglied sei in die Brust geschossen worden und ein Jugendlicher habe sich am Bein verletzt. «Als wir reingingen, war es ein kritischer Moment, aber jetzt haben wir das Gebiet unter Kontrolle. Es ist alles ruhig», sagte Polizeiinspektor Rodrigo Oliveira.

Die WM und die Olympischen Spiele im Hinterkopf

Der Einsatz der Sicherheitskräfte ist Teil der Regierungsbemühungen, Rio de Janeiro auch mit Blick auf die Fussball-WM 2014 und die Olympischen Spiele 2016 sicherer zu machen. Seit letzter Woche errichteten die Banden Strassenbarrikaden, raubten Autofahrer aus und zündeten über 100 Autos und Busse an. Seit Ausbruch der Gewalt sind nach Behördenangaben mindestens 35 Menschen ums Leben gekommen, die meisten davon sollen Bandenmitglieder gewesen sein. Das öffentliche Leben ist unterdessen fast vollständig zum Erliegen gekommen.

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