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Krankenschwester stieg mit Fieber ins Flugzeug

Die zweite in den USA mit Ebola infizierte Frau meldete den Behörden laut CNN vor einem Inlandflug, dass sie erhöhte Temperatur habe. Und wurde trotzdem nicht aufgehalten. Nun werden 132 Passagiere gesucht.

Sind Ebola frei: Amber Vinson und...
Sind Ebola frei: Amber Vinson und...
Tami Chappell, Reuters
... Nina Pham (Mitte) wurden aus der Quarantäne entlassen. (24. Oktober 2014)
... Nina Pham (Mitte) wurden aus der Quarantäne entlassen. (24. Oktober 2014)
National Institutes of Health, Reuters
Der Hund von Nina Pham steht zur Zeit auch unter Quarantäne. Im Gegensatz zum Hund der spanischen Pflegerin, steht er unter Beobachtung und soll nicht sofort eingeschläfert werden. (14. Oktober 2014)
Der Hund von Nina Pham steht zur Zeit auch unter Quarantäne. Im Gegensatz zum Hund der spanischen Pflegerin, steht er unter Beobachtung und soll nicht sofort eingeschläfert werden. (14. Oktober 2014)
Dallas Animal Services and Adoption Center, Reuters
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Mit der Krankenschwester Amber Joy Vinson hat sich in den USA eine zweite Person in den USA infiziert. Die 29-jährige Vinson hatte wie die ebenfalls erkrankte Krankenschwester Nina Pham den Liberianer Thomas Eric Duncan versorgt, der das Virus aus Liberia eingeschleppt hatte und schliesslich in einem Krankenhaus in Dallas starb.

Nach Krankenakten legte sie Duncan unter anderem Katheter und nahm ihm Blut ab. Vinson kam am Mittwoch von Dallas ins Emory-Universitätskrankenhaus nach Atlanta, das mit einer speziellen Isolierstation ausgestattet ist.

Wenige Stunden vor den ersten Symptomen hatte die zweite Patientin einen Inlandflug von Cleveland nach Dallas absolviert. Sie war auf dem Rückweg von einer Familienfeier. Wie CNN berichtet, rief Vinson vor dem Flug die US-Seuchenbehörde CDC an und meldete erhöhte Temperatur. Niemand habe sie aber aufgefordert, nicht in das Flugzeug zu steigen.

CDC-Direktor Thomas Frieden widerspricht dieser Aussage laut Reuters. Vinson habe ihr Fieber nicht gemeldet. So oder so werden nun alle 132 Passagiere vorsichtshalber ausfindig gemacht.

Vinson nach Atlanta verlegt

Frieden bezeichnete den zweiten Ansteckungsfall in den USA als «sehr besorgniserregend». «Wir planen für die Möglichkeit weiterer Fälle in den kommenden Tagen.» Derzeit werden mehr als 120 Menschen überwacht, die vor der Einlieferung Thomas Eric Duncans oder später im Krankenhaus mit dem Patienten Kontakt gehabt haben könnten.

Frieden kritisierte, dass die zweite betroffene Krankenschwester am Tag vor ihrer Diagnose einen Inlandflug von Cleveland nach Dallas genommen habe. «Sie gehört zu einer Gruppe, die Ebola ausgesetzt war», sagte er. Das Risiko, dass sich Mitreisende angesteckt hätten, sei aber «äusserst gering».

Der Gesundheitszustand von Vinson ist nach Angaben der Behörden stabil. Noch am Mittwoch wurde die 29-Jährige in ein auf Ebola spezialisiertes Krankenhaus in Atlanta verlegt.

Wie sich die Krankenschwestern trotz Schutzkleidung und Sicherheitsvorkehrungen infizieren konnten, war am Mittwoch weiter unklar. Der Klinikbetreiber Texas Health wies ein «systematisches, institutionelles» Versagen zurück. Allerdings habe es irgendwann bei der Behandlung von Duncan einen Kontakt mit dem Erreger geben müssen, räumte Vorstandsmitglied Dan Varga ein.

Energischeres Vorgehen

In den USA wächst die Kritik an den Vorbereitungen des Gesundheitssystems des Landes auf mögliche Ebola-Patienten. Hunderte Krankenschwestern und Pfleger hätten sich beschwert, dass ihre Spitäler nicht ausreichend auf Ebola vorbereitet seien, teilte der Krankenpflegerverband National Nurses United (NNU) mit.

Obamas Ankündigung (Video: Reuters)

US-Präsident Barack Obama hat ein gezieltes Vorgehen gegen das tödliche Virus in den USA versprochen. Sie würden nun «noch energischer» auf die Gefahr reagieren, sagte Obama am Mittwoch nach einem Krisentreffen im Weissen Haus. Die US-Seuchenkontrollbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) hatte sich zuvor beunruhigt gezeigt. Der US-Präsident sagte nach dem Treffen mit seinem Ebola-Krisenteam, die Teilnehmer hätten über schärfere Massnahmen zur gezielten Überwachung der Ebola-Gefahr beraten. Es werde sichergestellt, dass die Vorgaben «an Krankenhäuser im ganzen Land» weitergeleitet würden. Zugleich rief er die Bevölkerung zur Ruhe auf. Er sei überzeugt, dass eine weitere Ausbreitung des Virus in den USA verhindert werden könne. Am wichtigsten sei es, dass alle Vorsichtsmassnahmen eingehalten würden.

An den Flughäfen in Newark, Chicago, Atlanta und Dulles bei Washington wurden zusätzliche Kontrollen eingeführt. Mehrere republikanische Abgeordnete forderten gar ein zeitlich begrenztes Einreiseverbot für Menschen aus den westafrikanischen Staaten Liberia, Guinea und Sierra Leone, die am stärksten von der Epidemie betroffen sind.

In einer Video-Konferenz hatte Obama auch mit dem französischen Präsidenten François Hollande, der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel, dem britischen Premierminister David Cameron und dem italienischen Ministerpräsidenten Matteo Renzi über die Ebola-Krise beraten. Die Staats- und Regierungschefs sprachen sich dafür aus, die internationale Gemeinschaft bei der Unterstützung der betroffenen Länder zu mobilisieren.

EU berät über Massnahmen

Auch EU-Gesundheitskommissar Tonio Borg rief die Mitgliedstaaten der Europäischen Union auf, sich auf eine mögliche Ausbreitung des lebensgefährlichen Virus in Europa vorzubereiten. Unmittelbar vor dem Ebola-Sondertreffen der Gesundheitsminister der EU in Brüssel am Donnerstag unterstrich Borg, dass zu den Massnahmen auch Untersuchungen für Reisende gehören, die aus den Krisengebieten nach Europa kommen.

«Während der eigentliche Ebola-Krisenherd in Westafrika liegt, sollte es auch unsere Pflicht sein dafür zu sorgen, dass Europa darauf vorbereitet ist, richtig mit dem Virus umzugehen», sagte Borg der deutschen Zeitung «Die Welt». Ärzte und der öffentliche Gesundheitsdienst müssten in der Lage sein, zu reagieren, «um unsere Bürger schnell und effektiv zu schützen und die Verbreitung von Ebola zu stoppen, falls die Krankheit in Europa ankommen sollte».

Zuvor hatte bereits der UN-Sicherheitsrat die internationale Gemeinschaft zu einem grösseren Engagement im Kampf gegen Ebola aufgerufen. Die Welt müsse ihre Hilfen für Westafrika «beschleunigen und dramatisch ausweiten», hiess es in einer Erklärung. Die bisherige Antwort angesichts des «Ausmasses des Ausbruchs» sei ungenügend.

Durch die Ebola-Epidemie kamen nach neuen Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mindestens 4493 Menschen ums Leben. Insgesamt seien bislang 8997 Fälle in sieben Ländern festgestellt worden. Mehrere europäische Staaten verschärften inzwischen ihre Sicherheitsvorkehrungen. Die EU-Gesundheitsminister beraten am Donnerstag bei einem Sondertreffen in Brüssel über den Kampf gegen Ebola.

AP/sda/AFP/Reuters/chk/sam

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