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Journalist enthüllt Passwort für sensible Wikileaks-Dateien

Unredigierte US-Diplomatendepeschen auf Wikileaks sollen nicht mehr sicher sein. Die Betreiber der Enthüllungsplattform machen einen britischen Journalisten dafür verantwortlich.

Die Datensammlung gerät zusehends ausser Kontrolle: Enthüllungsplattform Wikileaks.
Die Datensammlung gerät zusehends ausser Kontrolle: Enthüllungsplattform Wikileaks.
Keystone

Wikileaks hat offenbar die Kontrolle über seine Daten verloren. Die im Archiv der Enthüllungsplattform gespeicherten US-Diplomaten-Depeschen seien nicht mehr sicher, teilten die Betreiber heute Morgen in einer 1600 Worte umfassenden, im Internet veröffentlichten Stellungnahme mit. Die Autoren machen den Reporter David Leigh von der britischen Zeitung «Guardian» dafür verantwortlich. Leigh sagte dagegen, dass die von ihm veröffentlichten Informationen veraltet und harmlos gewesen seien.

Schwere Datenpanne

Mehr als 100 Informanten der USA sind in Gefahr. Grund ist eine schwere Datenpanne bei der Enthüllungsplattform Wikileaks. Die Namen der Informanten tauchen in den Botschaftsdepeschen von Wikileaks auf, die jetzt auch in den Originaltexten frei im Internet kursieren.

Die betroffenen Informanten waren von US-Diplomaten für besonderen Schutz vorgesehen, wie die «New York Times» berichtete. Wikileaks hatte vor neun Monaten damit begonnen, die US- Botschaftsdepeschen in redigierter Form zu veröffentlichen.

Wikileaks hatte aber die Namen der Informanten geschwärzt. Im Internet sind inzwischen aber Depeschen zu finden, in denen Namen von Einzelpersonen und Firmen trotz des Vermerks «Protect source» (Quelle schützen) nicht unkenntlich gemacht wurden. Dabei geht es nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP um über 250'000 Depeschen.

Code im «Guardian»-Buch enthüllt

Wikileaks machte für das Leck einen Journalisten der britischen Zeitung «Guardian» verantwortlich. David Leigh habe in einem Buch Passwörter veröffentlicht, die einen Zugang zum Archiv mit allen unbearbeiteten Depeschen erlaubten, hiess es in einer in der Nacht zum Donnerstag veröffentlichten Erklärung.

Das Wissen um das durchgesickerte Passwort habe sich über Monate verbreitet. Nun sei Wikileaks gezwungen gewesen, eine Stellungnahme abzugeben, nachdem die Nachricht von der Sicherheitsverletzung in der Presse aufgetaucht sei.

Man stehe mit dem US-Aussenministerium deswegen in Kontakt. Dieses hatte hatte Wikileaks am Dienstag vorgeworfen, Menschenleben zu gefährden.

«Guardian» kritisiert Assange

Der «Guardian» wies die Vorwürfe zurück. «Es ist Unsinn zu behaupten, dass das Wikileaks-Buch des 'Guardian' in irgendeiner Weise die Sicherheit gefährdet hat», erklärte die Zeitung. Das Buch der Journalisten David Leigh und Luke Harding «Wikileaks: Inside Julian Assange's War on Secrecy» war im Februar erschienen.

Der Nachrichtenagentur AP sagte Leigh, Wikileaks-Gründer Julian Assange habe ihm im Juli 2010 ein Passwort gegeben, um auf einem Server Zugang zu den US-Depeschen zu erhalten. Assange habe ihm versichert, die Seite werde binnen Stunden wieder vom Netz genommen.

«Wir haben die Adresse, wo die Dateien lagen, nicht verraten und auf jeden Fall hat Assange uns gesagt, dass sie nicht länger existieren würde.» Der Wikileaks-Gründer habe die Datei wohl dort liegen lassen und nicht gelöscht, sagte Leigh.

In seiner Mitteilung erklärt Wikileaks nicht, wie es dazu kam, dass die Datei noch online war. Es ist bereits länger bekannt, dass Wikileaks die Kontrolle über seine Daten verloren hat, weil in den vergangenen Monaten mehrere Medien unbearbeiteten Dokumente erhielten.

Wikileaks prüft Klage gegen Zeitung ...

Die Enthüllungsplattform hatte bei der Veröffentlichung der Botschaftsdokumente zunächst mit dem «Guardian», der «New York Times» und dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» zusammengearbeitet.

Nun beschuldigt Wikileaks den «Guardian», mit dem Buch gegen eine Vertraulichkeitsabsprache verstossen und Menschen gefährdet zu haben. Man prüfe deshalb juristische Schritte «gegen den 'Guardian' und eine Person in Deutschland, die das Passwort zum persönlichen Nutzen weiter verteilt hat».

... und Wikileaks-Aussteiger

Dabei handelt es sich um eine Anspielung auf den deutschen Wikileaks-Aussteiger Daniel Domscheit-Berg, der eine alternative Enthüllungsplattform namens Openleaks gegründet hat.

Zu den Medienpartnern von Openleaks gehört die Wochenzeitung «Der Freitag», der vergangene Woche über die freie Verfügbarkeit der Botschaftsdepeschen berichtet hatte. Assange beschuldigt Domscheit- Berg, dieser habe Journalisten Hinweise zur Öffnung der verschlüsselten Dateien gegeben.

SDA/mrs/bru

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