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Ivanka Trump kritisiert öffentlich die Politik ihres Vaters

Die US-Präsidententochter geht auf deutliche Distanz zur Politik von Donald Trump. Dieser interpretiert ihre Aussagen jedoch leicht anders.

Die US-Präsidententochter geht auf deutliche Distanz zur Politik von Donald Trump. (Video: AFP/Tamedia)

Bei einer Veranstaltung in Washington übte US-Präsidententochter Ivanka Trump am Donnerstag deutliche Kritik an den Trennungen von Migrantenfamilien an der Grenze, die sie als «Tiefpunkt» bezeichnete. Auch distanzierte sie sich von den harten Medienattacken ihres Vaters.

Beschreibt sich selbst als «Tochter einer Immigrantin»: US-Präsidententochter Ivanka Trump.
Beschreibt sich selbst als «Tochter einer Immigrantin»: US-Präsidententochter Ivanka Trump.
AP Photo/Andrew Harnik, Keystone
Melania Trump stammt aus Slowenien und arbeitete ab 1995 als Model in New York. Erfolg erlangte sie erst an der Seite von Donald Trump.
Melania Trump stammt aus Slowenien und arbeitete ab 1995 als Model in New York. Erfolg erlangte sie erst an der Seite von Donald Trump.
AP Photo/ Evan Vucci
Die Oppositionsführerin im US-Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, nannte die Vorgehensweise «beschämend».
Die Oppositionsführerin im US-Repräsentantenhaus, Nancy Pelosi, nannte die Vorgehensweise «beschämend».
AP Photo/John Minchillo, Keystone
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Sie sei «sehr entschieden» gegen die Trennung von Eltern und Kindern, sagte die 36-Jährige bei der Konferenz des Nachrichtenportals «Axios». Auch beschrieb sie sich selbst als «Tochter einer Immigrantin» - ihre Mutter Ivana Trump stammt aus der früheren Tschechoslowakei.

«Tochter einer Immigrantin»: Die US-Präsidententochter geht auf deutliche Distanz zur Politik von Donald Trump. (Video: Tamedia/AFP)

Medien seien nicht «Feinde des Volkes»

Die US-Behörden hatten im Zuge einer «Null Toleranz»-Politik gegenüber der illegalen Zuwanderung rund 2500 Kinder an der Grenze ihren Eltern weggenommen. Die Eltern wurden als Straftäter behandelt und inhaftiert, die Kinder auf Heime im ganzen Land verteilt. Erst nach einem Aufschrei der Empörung in der US-Öffentlichkeit stoppte Präsident Donald Trump im Juni diese harsche Praxis. Hunderte Migrantenfamilien wurden von den Behörden aber immer noch nicht wieder zusammengeführt.

Ivanka Trump, die einen offiziellen Beraterposten im Weissen Haus hat, sagte ferner: «Nein, ich empfinde die Medien nicht als Feinde des Volkes». Diese Äusserung machte sie allerdings erst auf energische Nachfrage. Sie wisse zwar aus eigener Erfahrung, wie es sich anfühle, wenn man Opfer falscher Berichterstattung wird. Ihr Vater denunziert Medien, die kritisch über ihn berichten, regelmässig als «Feinde des Volkes».

Fake News als Problem

Trump reagierte direkt auf die Äusserungen seiner Tochter am Donnerstag mit einer Twitter-Nachricht: «Sie haben meine Tochter Ivanka gefragt, ob die Medien die Feinde des Volkes sind. Sie hat korrekterweise nein gesagt. Es sind die FAKE NEWS, welche ein grosser Teil der Medien sind, welche die Feinde des Volkes sind.» Der US-Präsident wirft Medien regelmässig vor, Verschwörungstheorien zu verbreiten und der Demokratie zu schaden.

Trump nutzte seine Rede in Pennsylvania dazu, um zu einem neuen Rundumschlag gegen Medien auszuholen. «Was ist aus der freien Presse geworden? Was ist aus ehrlicher Berichterstattung geworden», fragte er am Donnerstag (Ortszeit).

Trump beklagte sich darüber, dass Medien seine Erfolge nicht würdigten. Stattdessen würden sie Geschichten über ihn erfinden. Die Berichterstattung über ihn sei zudem «nur negativ». Als Beispiele dafür nannte er seine Treffen mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un.

Anstieg von Drohungen

Trumps Sprecherin Sarah Sanders wurde bei einer Pressekonferenz im Weissen Hauses zur Aussage von Ivanka Trump gefragt, ob sie deren Einschätzung teile. Sanders vermied es, dazu Stellung zu nehmen und die Medien von dem Vorwurf freizusprechen. Sanders verwies darauf, dass sie für den Präsidenten spreche und dass Trump seine Meinung in der Frage klargemacht habe.

Auch international gerät Trump für seine Angriffe auf Medien in die Kritik. «Seine Attacken sind strategisch, sollen das Vertrauen in die Berichterstattung untergraben und Zweifel an überprüfbaren Fakten schüren», schrieben die Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen und der Interamerikanischen Menschenrechtskommission, David Kaye und Edison Lanza, am Donnerstag. «Wir sind besonders besorgt, dass diese Angriffe das Risiko erhöhen, dass Journalisten Gewalt ausgesetzt werden.» Trump habe zudem nie den Beweis erbracht, dass Medien aus unlauteren Motiven falsch berichtet hätten.

Auch der Herausgeber der «New York Times», A. G. Sulzberger, hatte kürzlich kritisiert, mit seinen verbalen Angriffen gefährde Trump die Sicherheit von Journalisten. Er habe den Präsidenten bei einem Treffen im Weissen Haus im vergangenen Monat gewarnt, dass diese aufrührerische Rhetorik «zu einem Anstieg von Drohungen gegen Journalisten beiträgt und zur Gewalt führen wird».

Die Faktenprüfer der «Washington Post» hatten am Mittwoch berichtet, dass Trump in den 558 Tagen seit Amtsantritt 4229 falsche oder irreführende Angaben gemacht hat - das seien 7,6 Behauptungen pro Tag. Das Blatt gehört gemeinsam mit der «New York Times» und dem US-Sender CNN zu den bevorzugten Zielscheiben von Trump.

Beschimpfungen gegen CNN-Reporter

Bei Trump-Veranstaltungen werden Reporter immer wieder wüst beschimpft. Dies widerfuhr zuletzt dem CNN-Journalisten Jim Acosta bei einem Auftritt des Präsidenten am Dienstag in Tampa im US-Bundesstaat Florida. Trump-Fans zeigten ihm den Stinkefinger und grölten «CNN ist beschissen!»

Der Präsident verbreitete danach im Kurzmitteilungsdienst Twitter eine Botschaft seines Sohnes Eric weiter, in dem die Szene aus Tampa mit den Beschimpfungen von CNN gezeigt wird. Eric Trump setzte dazu das Schlagwort «#Truth» (Wahrheit). Trumps Weiterverbreitung der Botschaft wurde vielfach so gedeutet, dass er das Verhalten der gezeigten Fans gutheisst.

AFP/scl

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