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Indische Diplomatin aus New York abgereist

Indien spricht von «Erniedrigung», die betroffene Vizegeneralkonsulin dementiert, ihr Hausmädchen fühlt sich ausgebeutet: Gegen die 39-jährige Diplomatin Devyani Khobragade wurde in den USA Anklage erhoben.

Ist für die Verstimmungen zwischen Indien und den USA verantwortlich: Diplomatin Devyani Khobragade. (Archivbild)
Ist für die Verstimmungen zwischen Indien und den USA verantwortlich: Diplomatin Devyani Khobragade. (Archivbild)
Reuters

Nach der Anklage wegen Visa-Betrugs und Falschaussage hat eine indische Diplomatin die USA verlassen. Vizegeneralkonsulin Devyani Khobragade sei am Donnerstagabend vom New Yorker Kennedy Airport abgereist, erfuhr die Nachrichtenagentur Associated Press aus amerikanischen Regierungskreisen. Der Fall hatte internationales Aufsehen erregt und für Verstimmungen zwischen Indien und den USA gesorgt.

Khobragade wurde vorgeworfen, falsche Angaben zum Gehalt ihrer indischen Hausangestellten gemacht zu haben. Die New Yorker Polizei hatte sie deswegen vorübergehend festgenommen. Am Donnerstag erhob die Staatsanwaltschaft dann Anklage. Da die indischen Behörden sich weigerten, den diplomatischen Immunitätsstatus der Frau aufzuheben, wurde sie aufgefordert, das Land noch am selben Tag zu verlassen.

Ihr Anwalt Daniel Arshack erklärte, Khobragade sei erfreut, wieder in ihre Heimat zurückzukehren. «Sie weiss, dass sie nichts Falsches getan hat», sagte er.

Empörtes Indien

Die Festnahme hatte in Indien für Empörung gesorgt, weil die Vizegeneralkonsulin sich den üblichen Prozeduren unterziehen musste – darunter eine Leibesvisitation. In Indien sprachen Regierungsvertreter von einer internationalen Verschwörung, ein Offizieller verglich die Körperdurchsuchung mit Vergewaltigung, und auch die indischen Medien schäumten, nannten den Vorfall eine ungeheure Erniedrigung für das Land.

Die Diplomatin selbst weist die Vorwürfe der US-Justiz zurück, wonach sie im Zusammenhang mit einem Visaantrag falsche Angaben zum Gehalt ihrer indischen Hausangestellten gemacht haben soll. Danach soll sie vor US-Behörden erklärt haben, dem Dienstmädchen monatlich 4500 Dollar zu zahlen. Tatsächlich aber bekam die Angestellte eigenen Angaben zufolge einen Betrag, der deutlich unter dem US-Mindestlohn liegt.

«Ich hatte keine Zeit zum Essen»

Das Hausmädchen selbst äusserte sich am Donnerstag erstmals öffentlich zu dem Fall. Sie habe geplant, in den USA für einige Jahre zu arbeiten und ihre Familie in Indien zu unterstützen, erklärte Sangeeta Richard in einer Mitteilung der Menschenrechtsorganisation Safe Horizon.

«Ich hätte niemals erwartet, dass die Dinge hier so schlimm würden, dass ich so viel arbeiten muss und keine Zeit zum Essen oder für mich selbst habe», wird sie zitiert. Sie appellierte an andere Hausangestellte in ähnlicher Lage, sich zu wehren. «Ihr habt Rechte, lasst euch nicht ausbeuten», sagte Richard.

(AP)

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