«Hire and fire» unter Trump

Wer für den US-Präsidenten arbeitet, hat einen Risikojob. Die Liste der Geschassten und Gescheiterten wird immer länger.

Ein Präsident mit grossem Personalverschleiss: Donald Trump.

Ein Präsident mit grossem Personalverschleiss: Donald Trump.

(Bild: AFP)

Vincenzo Capodici@V_Capodici
Thorsten Denkler@thodenk

Nach 26 Monaten im Amt hat US-Präsident Donald Trump bereits sein halbes Kabinett ausgetauscht. Zuletzt wurde der Rücktritt von Heimatschutzministerin Kirstjen Nielsen bekannt. Die immigrationspolitische Hardlinerin, die für die innere Sicherheit zuständig war, ist dem Präsidenten offensichtlich nicht hart genug gewesen beim Grenzschutz. Trump soll die 46-jährige Ministerin zum Rücktritt gedrängt haben. Mit Nielsen macht auch ihre Stellvertreterin Claire Grady einen Abgang. Ausserdem räumt Randolph Alles seinen Posten. Alles war bisher Direktor des Secret Service, der Sicherheitsbehörde, die unter anderem auch für den Schutz des Präsidenten und seiner Familie zuständig ist.

Das jüngste Köpferollen in der Trump-Administration ist typisch für Trumps ruppige Regentschaft. Wer die Vorgaben des Präsidenten nicht befolgt, riskiert den Rauswurf – oder gerät derart unter Druck oder in einen Konflikt, dass am Ende nur der Rücktritt bleibt. Ende Februar warf Verteidigungsminister James Mattis das Handtuch. Zwei Monate zuvor war John Kelly, Stabschef des Weissen Hauses, entlassen worden. Einzig die Trennung von Nikki Haley, US-Botschafterin bei der UNO, verlief ohne Streitigkeiten.

Anthony Scaramucci schaffte nur zehn Tage

Bemerkenswert gross ist der Personalverschleiss auch bei den Mitarbeitern im Weissen Haus und den Beratern. Ein Teil des Personals wurde gefeuert, ein anderer Teil gab entnervt auf. Trumps Zorn trifft auch Spitzenbeamte von Bundesbehörden. Der gravierendste Fall war die Entlassung von FBI-Chef James Comey im Mai 2017.

Im noch relativ jungen dritten Amtsjahr des Präsidenten haben bisher gegen 50 hochrangige Personen, die für Trump arbeiteten, ihren Job nicht mehr. Manche Leute im Dienste des US-Präsidenten waren rasch wieder weg. Den Negativrekord hält Anthony Scaramucci. Im Juli 2017 konnte sich Scaramucci nur gerade zehn Tage als Kommunikationsdirektor des Weissen Hauses halten.

Die nachfolgende Auflistung zeigt, welche Minister und Amtsträger sowie Mitarbeiter und Berater der Trump-Administration zurücktraten oder entlassen wurden – und wie lange sie für den 45. Präsidenten der USA gearbeitet hatten. Die Liste der Geschassten und Gescheiterten unter Trump dürfte noch länger werden.

Ex-Minister der Trump-Regierung

  • Kirstjen Nielsen Heimatschutzministerin. Rücktritt. 488 Tage im Amt bis 7. April 2019.
  • Jim Mattis Verteidigungsminister. Rücktritt. 770 Tage im Amt bis 28. Februar 2019.
  • Nikki Haley US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen im Ministerrang. Rücktritt. 710 Tage im Amt bis 31. Dezember 2018.
  • John Kelly Stabschef des Weissen Hauses im Ministerrang. Gefeuert. 711 Tage im Amt bis 31. Dezember 2018.
  • Ryan Zinke Umweltminister. Gefeuert. 671 Tage im Amt bis 31. Dezember 2018.
  • Jeff Sessions Justizminister. Rücktritt. 637 Tage im Amt bis 7. November 2018.
  • Scott Pruitt Umweltminister. Rücktritt. 504 Tage im Amt bis 5. Juli 2018.
  • David Shulkin Veteranenminister. Gefeuert. 421 Tage im Amt bis 29. März 2018.
  • Rex Tillerson Aussenminister. Gefeuert. 405 Tage im Amt bis 13. März 2018.
  • Tom Price Gesundheitsminister. Rücktritt. 232 Tage im Amt bis 29. September 2017.
  • Reince Priebus Stabschef im Weissen Haus im Ministerrang. Rücktritt. 190 Tage im Amt bis 28. Juli 2017.

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Ex-Mitarbeiter im Weissen Haus und Ex-Berater

  • H.R. McMaster Nationaler Sicherheitsberater. Gefeuert. 414 Tage im Amt bis 9. April 2018.
  • Thomas Bossert Berater für Heimatschutz. Rücktritt. 445 Tage im Amt bis 9. April 2018.
  • John McEntee Persönlicher Assistent des Präsidenten. Gefeuert. 433 Tage im Amt bis 13. März 2018.
  • Gary Cohn Oberster Wirtschaftsberater des Weissen Hauses. Rücktritt. 411 Tage im Amt bis 6. März 2018.
  • Hope Hicks Kommunikationsdirektorin im Weissen Haus. Rücktritt. 196 Tage im Amt bis 28. Februar 2018.
  • David Sorensen Redenschreiber. Rücktritt. 257 Tage im Amt bis 9. Februar 2018.
  • Rob Porter Sekretär des Stabschefs des Präsidenten. Rücktritt. 384 Tage im Amt bis 7. Februar 2018.
  • Taylor Weyeneth Mitarbeiter im Büro für Drogenkontrolle des Weissen Hauses. Rücktritt. 371 Tage bis 24. Januar 2018.
  • Omarosa Manigault Newman Leiterin der Verbindungsbüros zu gesellschaftlichen Gruppen im Weissen Haus. Rücktritt. 328 Tage im Amt bis 13. Dezember 2017.
  • Keith Schiller Leiter des Präsidentenbüros. Rücktritt. 244 Tage im Amt bis 20. September 2017.
  • Sebastian Gorka Mitarbeiter im Beraterteam für nationale Sicherheit. Rücktritt. 208 Tage im Amt bis 25. August 2017.
  • Carl Icahn Sonderberater des Präsidenten für Finanzderegulierung. Rücktritt. 211 Tage im Amt bis 18. August 2017.
  • Stephen Bannon Chefstratege im Weissen Haus. Im Einvernehmen entlassen. 211 Tage im Amt bis 18. August 2017.
  • Kenneth C. Frazier Mitglied im Wirtschaftsbeirat des Weissen Hauses. Rücktritt. 200 Tage im Amt bis 14. August 2017.
  • Anthony Scaramucci Kommunikationsdirektor im Weissen Haus. Gefeuert. 10 Tage im Amt bis 31. Juli 2017.
  • Sean Spicer Mediensprecher und Kommunikationsdirektor im Weissen Haus. Rücktritt. 183 Tage bis 21. Juli 2017.
  • Mike Dubke Kommunikationsdirektor im Weissen Haus. Rücktritt. 89 Tage im Amt bis 2. Juni 2017.
  • Robert Iger Mitglied im Wirtschaftsbeirat des Weissen Hauses. Rücktritt. 133 Tage im Amt bis 1. Juni 2017.
  • Elon Musk Mitglied im Wirtschaftsbeirat des Weissen Hauses. Rücktritt. 133 Tage im Amt bis 1. Juni 2017.
  • Kathleen T. McFarland Stellvertretende Nationale Sicherheitsberaterin. Versetzt. 120 Tage im Amt bis 19. Mai 2017.
  • Angella Reid Haushofmeisterin des Weissen Hauses. Gefeuert. 106 Tage im Amt bis 5. Mai 2017.
  • Katie Walsh Stellvertretende Stabschefin im Weissen Haus. Rücktritt. 70 Tage im Amt bis 30. März 2017.
  • Craig Deare Abteilungsleiter im Stab des Nationalen Sicherheitsrates. Gefeuert. 29 Tage im Amt bis 17. Februar 2017.
  • Michael Flynn Nationaler Sicherheitsberater. Rücktritt. 23 Tage im Amt bis 13. Februar 2017.
  • Travis Kalanick Mitglied im Wirtschaftsbeirat des Weissen Hauses. Rücktritt. 14 Tage im Amt bis 2. Februar 2017.

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Ex-Spitzenbeamte von Bundesbehörden

  • Randolph D. Alles Direktor des Secret Service des Präsidenten. Gefeuert. 438 Tage im Amt bis 8. April 2019.
  • Andrew McCabe Stellvertretender FBI-Chef. Gefeuert. 421 Tage im Amt bis 6. März 2018.
  • Rachel Brand Associate Attorney General (Nummer 3 im Justizministerium). Rücktritt. 264 Tage im Amt bis 9. Februar 2018.
  • Brenda Fitzgerald Direktorin der Bundesbehörde für Gesundheit und Prävention. Rücktritt. 208 Tage im Amt bis 31. Januar 2018.
  • Walter Shaub Direktor der Bundes-Ethikbehörde. Rücktritt. 181 Tage im Amt bis 19. Juli 2017.
  • James Comey FBI-Direktor. Gefeuert. 110 Tage im Amt bis 9. Mai 2017.
  • Sally Yates Geschäftsführende Justizministerin. Gefeuert. 11 Tage im Amt bis 30. Januar 2017.

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