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Hass gegen Latinos: Der Arizona-Effekt

In den USA nehmen Gewaltverbrechen gegen Lateinamerikaner zu. Seit Arizona neue Einwanderungsgesetze erlassen hat, sind extremistische «Hate Groups» im Aufwind.

Extremisten berufen sich jetzt in ihrem Ausländerhass auf das Gesetz: Befürworter des Einwanderungsgesetzes in Arizona.
Extremisten berufen sich jetzt in ihrem Ausländerhass auf das Gesetz: Befürworter des Einwanderungsgesetzes in Arizona.
Reuters

Die Zunahme von Gewalt gegen Hispanics in Gegenden, die nicht für solche Verbrechen bekannt sind, ist gemäss einem Bericht auf der Webseite von «ABC News» eine direkte Folge der neuen, kontroversen Einwanderungsgesetze, die der Bundesstaat Arizona im April erlassen hat und die morgen Donnerstag in Kraft treten.

Als Beispiel berichtet «ABC News» von einem Angriff auf einen US-Amerikaner mexikanischer Herkunft, der in Staten Island, einem Stadtteil von New York, von drei Männern krankenhausreif geprügelt wurde. Dass ein solcher Angriff ausgerechnet im sonst toleranten New York stattgefunden hat, ist für Interessenvertreter der lateinamerikanischen Amerikaner ganz klar auf die neue Gesetzgebung Arizonas zurückzuführen, durch die latenter Rassismus eine Legitimierung erfahren habe und jetzt ungehemmter hervorbreche.

Für die New Yorker Gemeinderätin Debi Rose etwa, sind die Hispanics im multikulturellen Stadtteil Staten Island zurzeit besonders gefährdet. Illegale Immigranten meldeten sich in der Regel aus Angst vor einer Ausschaffung nicht, wenn sie zur Zielscheibe von Gewalt oder Diskriminierung würden. Rose vermutet zudem, dass die mexikanischen Tagelöhner oft auch deshalb angegriffen würden, weil sie trotz allem Arbeit und daher auch Geld hätten. Für die Gemeinderätin sind die Überfälle daher oft auch dadurch motiviert, dass sich Verbrecher sicherer fühlten, weil sie nicht erwarten, dass die Latinos zur Polizei gehen.

Hate Groups

Auf der anderen Seite stehen extremistische Gruppierungen, in den USA auch «Hate Groups» genannt. Für sie sind die neuen Gesetze in Arizona eine Bestätigung ihrer ausländerfeindlichen, rassistischen Haltung. Dass sich ihr Hass jetzt ungehemmt gegen Lateinamerikaner richten könne, hänge jedoch nur teilweise mit neuen Einwanderungsgesetzen zusammen. Wenn, dann würden diese ihnen erlauben, das lauter zu formulieren, was sie seit jeher denken.

Gemäss «ABS News» ist neben Arizonas Gesetzen vor allem die Angst vor dem Verlust der weissen Bevölkerungsmehrheit ein wichtiger Faktor für den zunehmenden Hass gegen Latinos. Dies hätte vielen extremistischen Gruppen wie Neonazis und sogenannten «White Supremacists» in den vergangenen Jahren einen enormen Zuwachs beschert. Besonders als das US-Bevölkerungsamt vor einigen Jahren eine Prognose abgab, nach der die Weissen ihre Mehrheit in den USA im Jahr 2050 voraussichtlich verlieren würden und die Hispanics als die am schnellsten wachsende Minderheit bezeichnete.

Bereits zwischen 2003 und 2007 seien die Verbrechen gegen Latinos um 40 Prozent angestiegen. Viel mehr als etwa gegen Afro-Amerikaner oder andere Minderheiten. Im Jahr 2005 habe das US-Justizministerium durchschnittlich 191'000 «Hate Crimes» gegen Lateinamerikaner feststellen können. Über das letzte Jahr sei jedoch wieder eine klare Zunahme solcher Verbrechen feststellbar, besonders auch seit Arizona neue Einwanderungsgesetze erlassen habe.

Arizona ist ansteckend

«ABC News» stellt ebenfalls fest, dass bereits andere Bundesstaaten sich an Arizona ein Beispiel nehmen. In Utah etwa sei in der vergangenen Woche von einer Extremistengruppe eine Namensliste von 1300 illegalen Immigranten, samt Adresse und sogar voraussichtlichem Niederkunftsdatum von schwangeren Frauen veröffentlicht worden. Anhänger hätten eine sofortige Deportation verlangt. In Utah werde denn auch die Verabschiedung eines ähnlichen Einwanderungsgesetzes wie in Arizona vorbereitet. Auch Bundesstaaten wie South Carolina und Nebraska hätten bereits eigene restriktive Gesetze gegen Immigration erlassen.

Inzwischen nehme die Anti-Latino-Stimmung im Land teilweise auch absurde Ausmasse an. So hätte eine republikanische Gruppe in Bonner County, Idaho den Slogan «Fiesta at the Fair» für ein jährlich abgehaltenes, lokales Fest verhindert. English sei die Hauptsprache der USA und sie wollten keine «Fiesta» sondern eine «Celebration». Zudem wollten sie wissen, wo sie Arizona-Nummernschilder für ihre Autos erhalten könnten.

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