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Haiti wartet noch immer auf die versprochene Hilfe

Sechs Monate nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti hat sich die Lage der Menschen zwar stabilisiert, die Not ist aber geblieben. Von Wiederaufbau ist wenig zu sehen.

Die Hilfe erreicht die Betroffenen nicht: Einwohner von Port-au-Prince vor den Ruinen seines Hauses.
Die Hilfe erreicht die Betroffenen nicht: Einwohner von Port-au-Prince vor den Ruinen seines Hauses.
Reuters

Von über 1,6 Millionen Obdachlosen hausen die meisten noch immer in Zelten. «Erschütternd ist, dass es in Port-au-Prince praktisch nur Zeltstädte gibt, sonst sieht man nur Trümmer», sagt Caritas-Direktor Hugo Fasel am Telefon aus Port-au-Prince der Nachrichtenagentur SDA. «Die Menschen haben sonst nichts. Ich kann nur hoffen, dass nicht auch noch ein Hurrikan die Zelte wegfegt.»

Weitere 600'000 Menschen sind gemäss Hilfsorganisationen aus der Hauptstadtregion geflohen. Dort wurden sie jedoch nicht ausreichend versorgt, wie Guerty Aimé, Landeskoordinatorin von Terre des Hommes Schweiz, sagt. So hat TdH an 600 Bauern Samen und Hühner verteilt. «Ein Tropfen auf den heissen Stein», sagt Aimé. «Viele Menschen haben in ihrer Verzweiflung die Samen gegessen, die für die Aussaat reserviert waren.» Heute gibt es wieder lokale Lebensmittel zu kaufen, doch sie sind enorm teuer, wie wiederum Handicap International erklärte.

Von Wiederaufbau ist nichts zu sehen

Millionen Menschen bleiben auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Allein das UNO-Welternährungsprogramm WFP ernährt mit Hilfe eines Programms «Nahrung und Geld für Arbeit» die Familien von 35'000 Menschen. Ziel ist, 140'000 Menschen so zu unterstützen. Zudem werden hunderttausende Kinder, Schwangere und stillende Mütter mit Mahlzeiten versorgt.

Dagegen ist von einem Wiederaufbau nichts zu sehen. «In der Schweiz wären bereits überall Kräne und Baumaschinen an der Arbeit», sagt Caritas-Direktor Fasel. Auf Haiti versuchten die Menschen mit blossen Händen ihre Häuser aufzubauen. Glück habe, wer etwas Zement und eine Schaufel besitze.

«Das versprochene Geld wird Haiti nicht erreichen»

Das Problem, vor dem die Helfer stehen, ist die Armut. «Wie soll man einen Wiederaufbau betreiben, wenn vorher nichts da war», fragte Fasel. Im Zusammenhang mit Haiti von Wiederaufbau zu sprechen sei falsch. Nötig sei Entwicklung - jahrelang. Und der Vizechef der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza), Toni Frisch, geht davon aus, dass der Aufbau des Landes 20 Jahre dauern dürfte.

Caritas-Direktor Fasel ist pessimistisch: «Ich befürchte, dass das an den Geberkonferenzen gesprochene Geld Haiti nicht erreichen wird.» Die Gefahr sei gross, dass das Land vergessen werde. «Es gibt eine erschütternde Kluft zwischen dem Enthusiasmus und den Hilfsversprechen der ersten Wochen und der düsteren Realität ein halbes Jahr später», stellt auch der Landeskoordinator von Ärzte ohne Grenzen, Stefano Zannini, fest. «Die Frustration wächst.»

Haiti war schon vorher eins der ärmsten Länder der Welt

Anfang April wurden an einer UNO-Geberkonferenz in New York 9,8 Milliarden Dollar für Haiti versprochen. Wie viele Staaten ihre Versprechen halten werden, bleibt abzuwarten.

Haiti galt bereits vor dem Beben als ärmstes Land der westlichen Hemisphäre und lag auf dem Index des UNO-Entwicklungsprogramms UNDP für menschliche Entwicklung nur auf Rang 149. Inzwischen ist es gemäss Deza-Angaben auf Rang 153 abgerutscht. Gemäss CIA-Factbook gelten auf Haiti über die Hälfte der insgesamt 80 Prozent Armen als extrem arm. «Heute leben die Menschen in Armut minus; sie haben nichts», beschreibt Caritas-Direktor Fasel deren Lage.

UNO und Kirche ersetzen den Staat

Ohne die UNO würden sie kaum überleben, denn mit dem Beben brach auch der bereits geschwächte Staat zusammen. «Die UNO spielt bei der Stabilisierung und beim Wiederaufbau eine Schlüsselrolle», sagt Fasel dazu.

Eine wichtige Rolle spiele auch die katholische Kirche, die lokal gut verankert sei. Deshalb setze Caritas beim Wiederaufbau auch auf eine Zusammenarbeit mit dieser. Das katholische Hilfswerk will 1700 Häuser und 5 Schulen bauen.

(SDA)

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