Giftmüll-Lagerstätten in Houston überflutet

In Texas droht die Freisetzung von gefährlichen und potenziell giftigen Stoffen. Die zuständige US-Umweltschutzbehörde ist nicht vor Ort.

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Die Überbleibsel des Wirbelsturms «Harvey» stellen aus Sicht von US-Wetterexperten keine weitere Gefahr dar. Mit Überschwemmungen oder heftigen Regenfällen sei nicht mehr zu rechnen, sagte ein Meteorologe des nationalen Wetterdienstes am Samstag.

Zuvor sind bei den Überschwemmungen in Texas auch mehrere Giftmüll-Lagerstätten unter Wasser gesetzt worden. Die Nachrichtenagentur AP besuchte fünf der sogenannten Superfund-Lager im Grossraum Houston, viele von ihnen waren überflutet, es drohten gefährliche und potenziell giftige Stoffe freigesetzt zu werden.

Die für diese Lagerstätten zuständige Umweltschutzbehörde EPA war nicht vor Ort. Auf Anfrage der AP sagte eine Sprecherin, sie könne noch nicht sagen, wann dort erste Proben entnommen werden können. Man müsse erst darauf warten, dass das Wasser zurückgehe.

Trump will 7,9 Milliarden für Harvey-Opfer

US-Präsident Donald Trump hat vor seinem Besuch im hochwassergeplagten Houston beim Kongress eine erste Hilfszahlung in Höhe von 7,85 Milliarden Dollar beantragt. Das Geld sei für den Wiederaufbau nach Hurrikan Harvey gedacht, teilte das Weisse Haus am Freitag mit.

Der Sturm hat vor allem Texas schwer verwüstet. 7,4 Milliarden Dollar seien für einen Bundesfonds vorgesehen, der nach Katastrophen Gelder bereithält, 450 Millionen für Kredithilfen für kleinere Unternehmen.

Zuletzt war erwartet worden, dass Trump, der in vielen Themen mit dem Kongress überkreuz liegt, zunächst nur 5,95 Milliarden Dollar beantragen wird. Die Regierung will die Hilfen in mehreren Schritten fliessen lassen, weil die Schäden bislang nur grob abzuschätzen sind. Der Gouverneur von Texas, Greg Abbott, hat gesagt, allein sein Bundesstaat werde womöglich mehr als 125 Milliarden Dollar benötigen.

Die Finanzierung wird in Washington zwar allgemein unterstützt, ist aber dennoch problematisch, weil die USA voraussichtlich Ende September an die festgelegte Schuldenobergrenze stossen werden. Nur der Kongress kann das Limit anheben. Das Weisse Haus warnte bereits, sollte die Obergrenze nicht weiter nach oben gesetzt werden, könnte dies Hilfen für die Flutopfer erschweren.

Erneut Feuer in Chemiefabrik

In der überschwemmten Chemiefabrik in Texas ist erneut ein Feuer ausgebrochen. Auf Bildern örtlicher Fernsehsender waren am Freitagabend Flammen und eine dicke schwarze Rauchwolke zu sehen. «Mit dieser Reaktion haben wir gerechnet», sagte eine Mitarbeiterin der Fabrik der Nachrichtenagentur AFP. Die notwendigen Massnahmen seien bereits ergriffen worden, das Gebiet sei evakuiert worden und kein Mensch vor Ort.

In der Fabrik in Crosby nordöstlich von Houston war es am Donnerstag zu Explosionen gekommen, weil wegen der Überschwemmungen durch den Sturm Harvey das Kühlsystem ausgefallen war. Die Fabrik produziert organisches Peroxid, das unter anderem für die Herstellung von Plastik gebraucht wird und extrem leicht entflammbar ist. Laut der Betreiberfirma Arkema kann der Rauch Augen-, Haut- und Atemwegsreizungen verursachen.

Insgesamt befanden sich neun Container mit rund 225 Tonnen organischen Peroxids auf dem Fabrikgelände, von denen einer bereits am Donnerstag brannte. Hunderte Anwohner im Umkreis von 2,4 Kilometern mussten das Gebiet verlassen.

42 Tote

Indes stieg die Zahl der Todesopfer nach Harvey abermals an. 42 Menschen kamen offiziellen Angaben aus Texas zufolge im Zuge der Sturm- und Hochwasserkatastrophe ums Leben.

In Houston führte das Ablassen von Wasser aus zwei Reservoirs am Freitag dazu, dass westliche Teile der Stadt weiter überschwemmt blieben. Ziel war es, das Zentrum trocken zu halten, das von den Grossbehältern geschützt wird. Bürgermeister Sylvester Turner forderte mehr Fahrzeuge an, die bei hohen Pegelständen eingesetzt werden können. Zudem beantragte er mehr Rettungsausrüstung für Einsatzkräfte, die weiter nach Überlebenden und Toten suchten.

chk/sda/AFP/AP

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