Gefährliche Realitätsverweigerung

Donald Trump will nicht wahrhaben, dass Russland versucht hat, die US-Wahlen zu beeinflussen. Damit spielt er Wladimir Putin in die Hände.

Der Präsident, der seinen eigenen Geheimdienst lächerlich macht: Donald Trump. Foto: Andrew Harnik (Keystone)

Der Präsident, der seinen eigenen Geheimdienst lächerlich macht: Donald Trump. Foto: Andrew Harnik (Keystone)

Hubert Wetzel@hubert_wetzel

Man muss das hier jetzt etwas vorsichtig formulieren, zu viel liegt noch im Dunklen. Aber nach allem, was man weiss, lässt sich dieses sagen: Russland hat ganz offensichtlich versucht, die amerikanische Präsidentenwahl zu beeinflussen. Moskaus Ziel war es, Donald Trump zum Sieg zu verhelfen. Hacker haben zu diesem Zweck Daten der Demokraten gestohlen und dann jenes Material veröffentlicht, das besonders schädlich zu sein schien. Das war, wenn auch nicht ein feindlicher, so doch ein feindseliger Akt eines Landes gegen ein anderes.

Die Tatsache, dass es eine russische Hilfsaktion für Trump gab, bedeutet allerdings nicht, dass Trump deshalb gewonnen hat. Auch dazu kann man sagen: Nach allem, was man weiss, war die Demokratin Hillary Clinton durchaus in der Lage, diese Wahl ohne fremde Hilfe zu verlieren. Alle Probleme, die wie Mühlsteine um ihren Hals hingen, hat sie selbst verursacht.

Der grosse Preis

Doch Zweifel an der Wirksamkeit machen die Moskauer Hackerattacke auf die US-Demokratie nicht weniger gefährlich. Man kennt das Muster inzwischen ja: Der russische Präsident Wladimir Putin versucht, in den westlichen Demokratien jene rechten, populistischen und nationalistischen Kräfte zu fördern, die – wie er – nicht das Geringste von den Grundwerten ebendieser westlichen Demokratien halten. Amerika, die Schutzmacht des Westens, ist in diesem verwerflichen Spiel der grosse Preis. Wer auf der Welt glaubt noch an Demokratie, wenn die Demokratie in Amerika wankt?

Deshalb war Trumps Antwort auf die neuen Enthüllungen über Russlands Einmischung auch so verheerend. Für den Egomanen Trump ging es, wie immer, nur um Trump. Wie ein trotziger Junge beharrte er darauf, die Wahl aber wirklich ganz allein gewonnen zu haben. Als ob das zur Debatte stünde. Kein Wort dazu, dass gerade der führende Geheimdienst des Landes eine veritable russische Sabotageaktion festgestellt hatte, die Trump helfen, aber vor allem Amerika schaden sollte. Doch Trump ist offenbar unfähig, diesen Unterschied zu begreifen. Für ihn ist alles nur eine Neidkampagne der Demokraten. Wer glaubt schon der CIA, «den Leuten, die behauptet haben, Saddam Hussein besitze Massenvernichtungswaffen», wie es aus dem Trump Tower am Wochenende hiess? Der künftige US-Präsident jedenfalls nicht. Die Hacker könnten auch in China oder in New Jersey sitzen, so Trump – sprachs und liess durchsickern, dass er einen Putin-Freund zum Aussenminister zu machen gedenke.

Der Kreml wird seine helle Freude daran gehabt haben. Ein US-Präsident, der die Integrität der wohl wichtigsten demokratischen Wahl der Welt nicht verteidigt, der dafür aber die Erkenntnisse seiner Geheimdienste als «lächerlich» abtut, ohne sie sich vorher überhaupt im Detail angehört zu haben – das gab es bisher noch nie.

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