Furcht im Weissen Haus

Watergate-Rechercheur Bob Woodward legt sein Enthüllungsbuch über Donald Trump vor.

Heiss erwartet: Bob Woodward hat ein Enthüllungsbuch über die Regierung Trump geschrieben.

Heiss erwartet: Bob Woodward hat ein Enthüllungsbuch über die Regierung Trump geschrieben.

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Die Zahl der Bücher über Donald Trumps Präsidentschaft wächst, fast ausnahmslos sind sie negativ gefärbt und berichten von den Verwerfungen einer Präsidentschaft, wie sie die Vereinigten Staaten noch nie erlebt haben. Da war Michael Wolffs Skandalbuch über die Zustände im Weissen Haus, da war die Insiderchronik des ehemaligen FBI-Direktors James Comey oder auch das kürzlich publizierte Buch des New Yorker Journalisten Craig Unger über Trumps lange Geschichte und Verwicklung mit Russland.

Nun meldet sich das journalistische Schwergewicht Bob Woodward mit einem Enthüllungsbuch über Trump zu Wort. Woodward, zusammen mit Carl Bernstein berühmt durch die Aufdeckung von Richard Nixons Watergate-Skandal, hat mehrere interessante Werke über amerikanische Präsidenten verfasst. Sein neues Buch, das übernächste Woche erscheint, ist sein 19. und könnte ein krönender Abschluss seiner illustren Karriere werden. Es fusst auf Hunderten von Interviews und beschreibt laut der Presseankündigung des Verlags Simon & Schuster die «erschütterndsten» Vorkommnisse in Trumps Weissem Haus.

«Fear – Trump in the White House» lautet der Titel. Er beruft sich auf ein Interview während des Präsidentschaftswahlkamps 2016, in dem Kandidat Trump sagte, Furcht schaffe «wahre Macht». Simon & Schusters Chef Jonathan Karp behauptet, Woodwards Werk sei «das akkurateste und durchdringendste Porträt eines amtierenden Präsidenten in seinem ersten Amtsjahr, das jemals veröffentlicht wurde».

Alles prallt an ihm ab

Mag sein. Wahrscheinlich wird auch Woodward, beileibe kein Liberaler oder gar Linker, nicht das Bild eines besonders sympathischen Präsidenten zeichnen. Aber auch der 75-jährige Altmeister dürfte kaum etwas daran ändern, dass sämtliche skandalösen Berichte aus dem Inneren seiner Präsidentschaft bislang an Trump mehr oder weniger abgeprallt sind. Wer ein Video politisch überlebt, in dem er sich rühmt, Frauen folgenlos an ihre Geschlechtsteile zu greifen, wird sich nur schwerlich durch die Aufdeckung illegaler Wahlkampfzuwendungen aus dem Tritt bringen lassen.

Damit hat sich bewahrheitet, womit Trump während des Wahlkampfs prahlte: Dass er eine Person mitten in New York erschiessen könnte, ohne dadurch Wähler zu verlieren. Trumps Anhängerschaft hat ihm jedenfalls trotz aller Enthüllungen die Treue gehalten, nichts und niemand konnte bisher seinen harten Kern von rund einem Drittel der amerikanischen Wählerschaft beeindrucken.

Trump arbeitet emsig daran, die Aussage seines Anwalts Rudy Giuliani umzusetzen, wonach «Wahrheit nicht Wahrheit» ist.

Wie felsenfest sie an ihren Präsidenten glauben, zeigt das Beispiel christlicher Evangelikaler: Trumps zusehends wahrscheinliche Beziehung zur Pornodarstellerin Stormy Daniels ist ihm bereits verziehen worden, neue Enthüllungen – etwa zur Russlandaffäre – verpufften ebenfalls, weil die Glaubwürdigkeit der Enthüller grundsätzlich bezweifelt wird.

«Die Leute wollen wissen, was passiert ist»

Was also sollen und können Enthüllungsbücher über diesen Präsidenten erreichen? Craig Unger, der Autor von «House of Trump, House of Putin», antwortet darauf, es sei ihm klar, dass er «nicht für jene schreibt, die ihre Nachrichten von Fox News beziehen». Der Rest aber bestehe darauf, «zu wissen, was passiert ist». Unger ist deshalb zuversichtlich, dass sein und andere Bücher über Trump der Leserschaft vermittelten, was ans Tageslicht befördert werden müsse – sei es durch Russland-Sonderermittler Robert Mueller oder durch diverse Staatsanwälte und den Kongress.

Trump arbeitet unterdessen emsig daran, die Aussage seines Anwalts Rudy Giuliani umzusetzen, wonach «Wahrheit nicht Wahrheit» ist: Am Donnerstag beschuldigte er den TV-Sender NBC, das Video seines Interviews mit NBC-Moderator Lester Holt «frisiert» zu haben. Darin hatte der Präsident im Mai 2017 zugegeben, den damaligen FBI-Direktor Comey wegen der Russland-Ermittlungen gefeuert zu haben – was ihm jetzt den Vorwurf der Justizbehinderung eintragen könnte. Sein Geständnis ist auf Band, gleichwohl soll es «frisiert» worden sein. Ob Enthüllungsbücher wie das von Bob Woodward gegen solche Dreistigkeit ankommen, ist fraglich. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.08.2018, 19:39 Uhr

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