«Es geht um Leben und Tod der Republikanischen Partei»

Mit den Äusserungen zu Charlottesville ist Trump sehr weit gegangen: Ranghohe Parteimitglieder greifen den US-Präsidenten jetzt offen an.

Sein Rückhalt in der Partei bröckelt: US-Präsident Donald Trump.

Sein Rückhalt in der Partei bröckelt: US-Präsident Donald Trump.

(Bild: Keystone)

Yannick Wiget@yannickw3

Die Liste der Republikaner, die sich öffentlich gegen ihren US-Präsidenten stellen, wird fast täglich länger. Mit seiner erneuten Verharmlosung des Neonazi-Aufmarsches in Charlottesville vom Wochenende ist Donald Trump auch in den Augen vieler ranghoher Parteimitglieder zu weit gegangen.

Mindestens zehn republikanische Senatoren und Mitglieder des Repräsentantenhauses kritisierten den Präsidenten namentlich, darunter Marco Rubio. Der Senator aus Florida, der Trump in der Vorauswahl des Präsidentschaftsrennens unterlegen war, schrieb auf Twitter: «Mr. President, Sie können den weissen Nationalisten nicht nur einen Teil der Schuld zugestehen. Diese unterstützen eine Anschauung, die der Nation und der Welt so viel Leid bereitet.»

Der einflussreiche republikanische Senator John McCain meinte: «Es gibt keine moralische Gleichwertigkeit zwischen Rassisten und Amerikanern, die Hass und Fanatismus die Stirn bieten. Der Präsident der Vereinigten Staaten sollte das so sagen.» Ähnlich äusserten sich auch die Senatoren aus Arizona und Kansas, Jeff Flake und Jerry Moran, sowie Ed Royce und Leonard Lance, beide Mitglieder des Repräsentantenhauses. «Mr. President, es gibt nur eine Sicht der Dinge», schrieb Letzterer.

Noch viel deutlicher wurde John Kasich, der Gouverneur von Ohio. Er bezeichnete Trumps Aussagen gegenüber dem Sender NBC als «erbärmlich». Es sei schrecklich, der Präsident müsse diese Hassgruppen komplett verurteilen. «Der Präsident liegt falsch», sagte auch Senator Cory Gardner. Aus Sicht von Will Hurd, der Texas im Repräsentantenhaus vertritt, sollte sich Trump gar für seine Äusserungen «entschuldigen».

«Ich fordere den Präsidenten auf, das Land zu vereinen, anstatt die Zuweisung der Gewalt für die Ereignisse in Charlottesville zu zerlegen», twitterte Jeb Bush. Der ehemalige Gouverneur von Florida ist ein bekannter Kritiker Trumps. In der Vorauswahl um die Präsidentschaftskandidatur hatte er sich mit dem damaligen Immobilienmogul eine hässliche verbale Schlammschlacht geliefert. Seine Kritik kommt also wenig überraschend.

Unerwartet haben sich aber auch sein Bruder und sein Vater, beide frühere US-Präsidenten, in die Diskussion eingeschaltet. George W. Bush und George H. W. Bush veröffentlichten nach Trumps umstrittener Reaktion auf die Gewalt von Charlottesville ein Statement, in dem sie eindringlich zu Widerstand gegen Hass und Fanatismus aufrufen.

Kritik an Trump: Die gemeinsame Erklärung der Bushs. (Screenshot: bushcenter.org)

«Amerika muss ethnischen, rassistischen Fanatismus, Antisemitismus und Hass immer und in jeder Form zurückweisen», heisst es in der Erklärung der beiden Republikaner. Charlottesville erinnere an die in der Unabhängigkeitserklärung verankerten Werte: die Gleichheit aller Menschen und die Unveräusserlichkeit ihrer Rechte. «Wir wissen, dass diese Wahrheiten ewig währen, weil wir den Anstand und die Grösse unseres Landes kennen gelernt haben», schrieben die Bushs, besorgt über Trumps Verhalten, das allem widerspricht, was die Republikaner mal ausgezeichnet hat.

Viele befürchten, dass die Grand Old Party an der gegenwärtigen Situation zerbrechen könnte. «Es geht um Leben und Tod der Republikanischen Partei», sagte Rick Tyler, Ex-Sprecher des Präsidentschaftskandidaten, Trump-Rivalen und Senators Ted Cruz dem Sender MSNBC. Und der ehemalige Parteichef Michael Steele fragte: «Kann er die Partei zerstören? Oder hat das bereits begonnen?» Laut Lindsey Graham gibt es viele Republikaner, die nicht länger mit ansehen wollen, wie der Ruf ihrer Partei in den Dreck gezogen wird. «Wir werden uns dagegen wehren», schrieb der Senator in einem Statement.

DerBund.ch/Newsnet

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