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Ein Video erschüttert Kolumbien

Kolumbiens rechter Präsidentschaftskandidat Zuluaga hat mit einem Hacker zusammengearbeitet und die Öffentlichkeit belogen. Trotzdem gilt er bei den heute stattfindenden Wahlen als Favorit.

Óscar Iván Zuluaga hat gute Chancen, neuer kolumbianischer Präsident zu werden. Die meisten Umfragen sehen ihn beim heutigen ersten Wahlgang unter fünf Kandidaten auf Rang eins, und es sei ihm gar zuzutrauen, am 15. Juni beim Stichentscheid den wiederkandidierenden Präsidenten Juan Manuel Santos zu schlagen. Zuluaga gehört zur Partei Centro Democrático, gegründet vom ehemaligen Regierungschef Álvaro Uribe. Dieser hat sich mit seinem Nachfolger und früheren Verteidigungsminister derart zerstritten, dass in Kolumbien schon Bücher über die Dauerfehde erscheinen, etwa unter dem Titel: «Feinde: Warum sich Santos und Uribe so sehr hassen.»

Der 55-jährige Ökonom und einstige Wirtschaftsminister Zuluaga profitiert von Uribes anhaltend hoher Popularität, vom spröden Auftreten des amtierenden Präsidenten und vor allem von der weitverbreiteten Skepsis gegenüber den in Havanna stattfindenden Friedensverhandlungen zwischen der Regierung und der marxistischen Guerilla Farc. Zuluaga will die Gespräche nur fortsetzen, wenn die Farc einem einseitigen Waffenstillstand zustimmen. Da dies als ausgeschlossen gilt, würde sich die Regierung unter seiner Führung wohl vom Verhandlungstisch zurückziehen. Die Chance, einen seit fünfzig Jahren dauernden Konflikt zu beenden, bei dem fast eine Viertelmillion Menschen ums Leben gekommen sind, wäre vertan. Santos hat versprochen, einen allfälligen Friedensvertrag mit den Farc durch ein Referendum zu legitimieren.

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