Ein steinreicher Wissenschaftler

Timothy Springer hat durch Firmenverkäufe mehrere Hundert Millionen verdient. Sein Hobby sind Steine.

Forscher und Millionär: Timothy Springer. Foto: PD

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Eine Villa am Meer? In den Hügeln von Hollywood? «Kein Bedarf», sagt ­Timothy Springer. Er habe doch bereits ein Haus im schicken Bostoner Vorort Chestnut Hill, dazu den herr­lichen Nutzgarten. Wozu also ein zweites? Und überhaupt: «Wenn wir den Sommer über weggehen, wer kümmert sich dann um die Gemüseernte?»

Dass Springer, Professor für Biochemie und Molekularpharmakologie an der Universität Harvard, überhaupt gefragt wird, warum er sich kein Anwesen auf Cape Cod oder keinen Ferrari kauft, hat seinen Grund: Der 71-Jährige ist in den USA nicht nur als Denker, Forscher und Träger vieler Preise bekannt, er hat seine Erkenntnisse über die Jahrzehnte auch immer wieder für Firmengründungen genutzt und so ein Vermögen gemacht. Mit Aktien im Wert von mehreren Hundert Millionen Dollar ist er einer der reichsten Wissenschaftler der Vereinigten Staaten.

Den Grundstein für seinen finanziellen Erfolg legte Springer mit der Analyse sogenannter Zelladhäsionsmoleküle und ihrer Wirkung im Immunsystem. Ziel war es, Arzneien oder Impfstoffe gegen einzelne Krebsarten, Autoimmunerkrankungen und zuletzt Malaria zu entwickeln.

Mit dem Velo zur Uni

Dass solche Forschung nicht nur wissenschaftlichen Ruhm, sondern auch Reichtum einbringen kann, erfuhr Springer 1999. Damals bot ihm ein Pharmakonzern an, seine Firma Leukosite zu kaufen, die an der Entwicklung von Medikamenten gegen Leukämie arbeitete. Über Nacht war der Wissenschaftler ein gemachter Mann: Er strich umgerechnet 100 Millionen Franken ein, die er jedoch nicht in Sportwagen und Landhäuser steckte, sondern in neue Unternehmen. Erst vor ein paar Wochen landete er den jüngsten Coup: Der Börsengang der Biotechfirma Moderna, die er einst mitgegründet hatte, spülte Aktien im Wert von 400 Millionen Franken in sein Depot.

Springer, der nach wie vor zur Universität radelt und Jeans trägt, sieht sich selbst immer noch als Wissenschaftler und nicht als Investor. Seine Freunde, sagt er, seien zumeist Akademiker – sollte er einmal abheben, würden die ihn schon auf den Boden zurückholen. Einen Teil seines Geldes spendet er für soziale Zwecke, zudem hat er mit 25 Millionen Franken das Institut für Protein-Innovation gegründet. Es betreibt Grundlagenforschung, die viele Pharmakonzerne mangels ­Rentabilität nicht finanzieren.

In Steine vertieft, Börsengang verpasst

Nur eine einzige kleine Extravaganz leistet sich der Multimillionär: Er sammelt die in China beliebten Gongshi-Steine, von der Natur bizarr geformte Felsblöcke, die ein paar Hundert Gramm oder Hunderte von Kilos schwer sein können. Diese «Gelehrtensteine» inspirieren seit Jahrhunderten Dichter und Künstler. Ihnen werden auch – und hier kommt der Biomediziner ins Spiel – heilsame Wirkungen nachgesagt.

Den Börsengang von Moderna bekam Springer kaum mit, weil er an einem Gongshi-Vortrag arbeitete. «Die Art und Weise, wie er sich für die Steine interessiert, ist die gleiche, mit der er an seine Arbeit herangeht», sagt die Gongshi-Expertin Kemin Hu. Wenn Springer etwas wirklich liebe, wolle er unbedingt auch etwas tun. «Das ist genau die Geisteshaltung, die du in der Wissenschaft brauchst.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.02.2019, 18:12 Uhr

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