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Ein Sheriff hilft Chicagos Mietern

Mieter sind oftmals ahnungslose Opfer der amerikanischen Hypothekenkrise. Nun weigert sich Chicagos Sheriff, sie auf die Strasse zu setzen.

Sheriff Tom Dart (r.).
Sheriff Tom Dart (r.).

Es ist in amerikanischen Städten ein zusehends vertrauter Anblick: Das gesamte Hab und Gut eines Mieters oder Wohnungseigentümers lagert auf dem Trottoir, und Passanten bedienen sich. Im Gefolge von Hypotheken- und Finanzkrise hat die Zahl von Zwangsräumungen und Enteignungen in den Vereinigten Staaten stark zugenommen, besonders hart betroffen aber sind Mieter: Sie entrichten ihren Mietzins und haben oftmals keine Ahnung, dass die Bank gegen ihren säumigen Vermieter eine Enteignung erwirkt hat – und der Mieter dabei zwangsgeräumt wird.

Zumindest in Chicago haben die Mieter nun einen Fürsprecher: Seit gestern weigert sich Sheriff Tom Dart, nichts ahnende Mieter im Kreis Cook, zu dem die Stadt Chicago gehört, auf die Strasse zu setzen. Sichtbar verärgert kündigte Cooks oberster Polizist auf einer Pressekonferenz am Mittwoch an, dass seine Untergebenen künftig «keine unschuldigen Mieter» vor die Tür setzen werden. Die Banken beschuldigte der Sheriff, ein Demokrat, sie würden «nur ein Stück Papier sehen, nicht Menschen, und es ist ihnen egal, wer sich in dem Gebäude aufhält». Seit gestern gilt in Chicago, dass des Sheriffs Mannen nur dann einen Mieter zwangsräumen, wenn die Banken diesen Mieter mindestens 120 Tage zuvor von der Zwangsräumung unterrichtet haben – was bisher oft versäumt wurde. Chicago rechnet dieses Jahr mit 4500 bis 5000 Zwangsräumungen. Etwa ein Drittel der Hinauswürfe betrifft Mieter, die nicht wissen, dass ihr Vermieter mit den Zahlungen im Rückstand ist. Die etwa zehntausend Mieter, die 2008 in Chicago hinausgeworfen werden, weil sie ihren Mietzins nicht bezahlt haben, dürfen vom Sheriff aber kein Mitleid erwarten: Wie bisher werden sie zwangsgeräumt.

Besonders in Rage brachte Dart, dass die Banken die Namen der Mieter auf die Vollstreckungsurkunde setzen, wenn sie entdecken, dass nicht der Eigentümer, sondern ein Mieter in der fraglichen Immobilie lebt. «Wir werden nicht länger etwas mitmachen, das so ungerecht ist», versprach der Sheriff am Mittwoch. Oftmals kämen die zwangsgeräumten Mieter nach der Arbeit nach Hause und entdeckten, dass «ihr bescheidener Besitz weg ist», so Dart. Diane Lima von einem Nachbarschaftsrat der Stadt beklagte, dass bei Zwangsräumungen nicht selten Einwanderer auf die Strasse gesetzt würden, die ihre Miete bezahlt hätten.

«Ich bin kein hirnloser Bürokrat, der an einem Tisch steht und sagt, das ist das Problem von jemand anderem», begründete Dart seinen Widerstand. Betroffene Banken haben bereits gegen seine Anordnungen protestiert.

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