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Ein Schwermetaller für den Erzkonservativen

Dave Mustaine, der ehemalige Gitarrist von Metallica, sprach sich für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Rick Santorum aus – und machte prompt einen Rückzieher.

Ein ungleiches Paar: Dave Mustaine und Rick Santorum.
Ein ungleiches Paar: Dave Mustaine und Rick Santorum.
Keystone

Bisweilen ereignen sich Dinge in der Politik, die völlig rätselhaft sind und deshalb Verschwörungstheorien gebären. So erregte ein gewisser David Mustaine am Mittwoch einiges Aufsehen in den Vereinigten Staaten, weil er in einem Interview den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Rick Santorum unterstützte. Damit verhält es sich so, als ob sich der Papst für Hugh Hefner ausgesprochen hätte. Oder der Ayatollah Khamenei für Courtney Love.

Immerhin ist Mustaine kein Geringerer als der Gitarrist der Heavy-Metal-Combo Megadeth und ein Mann, der viele, viele Lebenserfahrungen gesammelt hat. Zum Beispiel Anfang der Achtzigerjahre bei Metallica, wo er so viel trank und drögelte, dass ihn die Band hinauswarf. Rick Santorum hingegen könnte kein Wässerchen trüben, ja es wäre sein politischer Tod, wenn er ein Wässerchen trübte. Denn Santorum ist der oberste Moralapostel im Viererfeld der republikanischen Präsidentschaftsbewerber, ein ausgewiesener Gegner der Schwulenehe und ausserdem jemand, der jegliche Form der Empfängnisverhütung ablehnt und insgesamt ein ablehnendes Verhältnis zu den sündigen Vergnügungen des Lebens pflegt.

«Töten ist mein Geschäft»

Eine Art republikanischer Savonarola ist dieser strenge Mann, dem im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur die Evangelikalen und alle jene Republikaner zueilen, denen der verlotterte Zeitgeist den Schlaf raubt. Und ausgerechnet diesen aufrechten Ritter wider das Amoralische schien David Mustaine auf den Schild zu heben, jener Mustaine, der siebzehnmal auf Entzug war und unsterbliche Scheiben wie «Töten ist mein Geschäft…und das Geschäft läuft gut!» aufnahm.

Mit Obama hat Mustaine nichts am Hut. «Jeder in der Musikindustrie sagt, ‹Oh, Obama macht gute Arbeit›, aber das sehe ich nicht so», distanzierte er sich vom demokratischen Präsidenten. Mustaine will stattdessen einen Republikaner im Weissen Haus, nicht aber Newt Gingrich («ein zorniger kleiner Mann») oder Mitt Romney («wo macht ein Typ so viel Geld?»), sondern eben Rick Santorum. Der habe, sagte der Schwermetaller, «präsidiale Qualitäten», weswegen er, Mustaine, hoffe, Santorum werde im Weissen Haus landen.

Man kann sich unschwer vorstellen, dass Rick Santorum nicht gerade begeistert war von seinem neuesten Fan. Der Ex-Senator aus Pennsylvania ist gewiss kein Heavy-Metal-Freak, schon eher ein Freund von Celine Dion und anderen leichten Klängen. Und die von ihm angepeilte moralische Runderneuerung Amerikas ist keinesfalls zu bewerkstelligen mit Leuten, die bereits vor dem Frühstück das erste Bier zischen.

«Tut mir leid»

Womöglich entsandte der Kandidat deshalb einen diskreten Boten zu Mustaine, um diesem nahezulegen, die unwillkommene Unterstützung zurückzuziehen. Oder Mustaines Freunde aus der Welt des Schwermetalls waren über das von ihrem Idol gesagte so baff und verstört und zutiefst verletzt, dass sie dem Gitarristen umgehend ein Dementi empfahlen. Gestern jedenfalls wollte Dave nichts mehr von seiner politischen Bombe wissen und erklärte in einem neuerlichen Interview, nein, so habe er es nicht gemeint, «Tschuldigung auch», tut mir leid.

«Im Gegensatz zu einigen Leuten, die meine Worte interpretiert haben», orakelte der Gründervater von Megadeth, «habe ich keinem Präsidentschaftskandidaten meine Unterstützung gegeben». Hmm… das am Vortag Gesagte war doch klipp und klar gewesen: Santorum fürs Weisse Haus! Wieso der hastige Rückzieher? Was geschah vom Mittwoch auf den Donnerstag? Wer ist dieser Mustaine? Fragen über Fragen, die unbeantwortet bleiben.

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