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Ein Schweizer Abenteurer kämpft für Palin

Martin Buser lebt in Alaska, ist Rekordhalter des Iditarod-Hunderennens, Klima-Experte des WWF, und er unterstützt Kandidatin Sarah Palin. Das Porträt eines Unermüdlichen.

Iditarod-Sieger Martin Buser ist glücklich mit seinen Hunden in Alaska.
Iditarod-Sieger Martin Buser ist glücklich mit seinen Hunden in Alaska.
Keystone

Am Big Lake ist schon tiefer Herbst. Nach einem kurzen, verregneten Sommer liegt Schnee in der Luft. Im Hundezwinger «Happy Trails» gehts hoch zu und her. Eine Meute von 70 Hunden heult, springt auf die Holzunterstände und wieder herunter, zerrt an den Ketten. Der Meister streichelt sie, lobt sie, ist zufrieden. «Meine Hunde sind auf Höchstleistung getrimmt. Sie freuen sich bereits auf das nächste Rennen. Jetzt müssen sie einordnen lernen, gute Esser sein, Auslauf haben.» Martin Buser züchtet hier in der Tundra, anderthalb Fahrstunden nördlich von Anchorage, Alaskan Huskies für den mehr als 1600 Kilometer langen Iditarod quer durch Alaska. Der geborene Winterthurer ist auch politisch aktiv: Er unterstützt Gouverneurin Sarah Palin und hofft, dass sie die Wahl zur Vizepräsidentin schafft. «Sarah ist eine Macherin. Sie gehört zu den Alaskanern, die etwas bewirken und verändern wollen.»

«8 Tage, 22 Stunden, 42 Minuten und 2 Sekunden» – Buser kennt seine Rekordzeit am Iditarod auswendig. Seit 1980 hat er das Rennen mehr als 20-mal bestritten und 4-mal gewonnen. Sein Ruf in Alaska ist legendär. Buser vertrat den Staat bereits 1993 bei der Inaugurationsfeier für Präsident Bill Clinton in Washington und zählt auch die Familie der Gouverneurin zu seinen engeren Bekannten. «Sarah ist die ultimative Alaskanerin. Sie ist zupackend, direkt und ehrgeizig. Niemand, der sie kennt, zweifelt an ihrer Aufrichtigkeit.» Buser sieht die Politikerin, die sich aus den überschaubaren Verhältnissen Alaskas ins nationale Scheinwerferlicht stossen liess, als Abbild der Pioniermentalität des Bundesstaates.

Dem Charme Alaskas erlegen

Der Iditarod ist der klassische Wettkampf zwischen Mensch und Natur. Das Rennen geht zurück auf eine Rettungsaktion mit Hundeschlitten, die 1925 die hoch im Norden gelegene Stadt Nome mit Serum gegen eine verheerende Diphtherie-Epidemie versorgten. Heute ist das Rennen der grösste Sportanlass des Staates, mit Wettkämpfern aus über einem Dutzend Ländern. Buser ist bekannt für seine Begabung, ideal harmonierende Gespanne zu bilden. Teil des Erfolgs ist, wie er sagt, die Hunde von klein auf an Wettkampfbedingungen zu gewöhnen, ohne ihnen den Spieltrieb und ihre Geselligkeit zu nehmen. Buser spricht mit ihnen wie mit Kindern, er massiert ihre Pfoten, er singt ihnen Wiegenlieder vor, und dies selbst während des Rennens. Sohn Nikolai sagt, auch sein Vater habe seinen Spieltrieb nie verloren. «Im Herzen ist er ein Kind geblieben.»

Ein entscheidender Moment im Leben von Martin Buser war der 11. September 2001. Am Tag der Terroranschläge entschied er, einen lang gehegten Plan umzusetzen und amerikanischer Staatsbürger zu werden. «Jener Tag hat mir klar gemacht, dass ich Teil eines grösseren Ganzen bin. Nun wollte ich dies mit dem Pass zeigen.» Gouverneurin Palin liess es sich nicht nehmen, Buser willkommen zu heissen. «Martin ist ein Macher, er ist ein Leistungsträger. Ich bin glücklich, ihn als Amerikaner und als Alaskaner unter uns zu sehen», sagte sie. Auch Busers Frau, Kathy Chapoton, ist dem Charme des Bundesstaates erlegen. Sie stammt aus einer weit verzweigten Südstaatenfamilie und wuchs in New Orleans auf. Auch sie ist, wie ihr Mann, entgegen den ursprünglichen Plänen in Alaska hängen geblieben. Und wie er ist auch sie von den Fähigkeiten der Sarah Palin überzeugt. «Sie ist mutig, hat sich gegen die eigene Partei gestemmt und die Ölindustrie herausgefordert. Das beeindruckt mich.» Buser ist überzeugter Republikaner; seine Frau ebenso überzeugte Demokratin. Dennoch wollen im November beide das Ticket McCain/Palin wählen.

Das Beste und das Schlechteste

Alaska ist ein Land der Einwanderer. Fast 20 Prozent der Einwohner haben deutsche Wurzeln, ein Sechstel sind irischer Abstammung. Nur rund 250 Schweizer haben sich hier niedergelassen. Buser kam 1979 hierher, um seinem Hobby, der Hundezucht, zu frönen. Der geborene Winterthurer wuchs in Gockhausen auf, wo seine Mutter heute noch lebt. Buser begann mit Gelegenheitsjobs und baute eine eigene Zucht mit Alaskan Huskies auf; Hunden, die früher von Minenarbeitern verwendet und dann zu ultraschnellen Laufmaschinen hochgezüchtet wurden. «In Alaska muss alles mit harter Arbeit verdient werden. Was wie der schnelle Erfolg über Nacht aussieht, geht auf jahrelangen Einsatz zurück», sagt Buser. «Alaska bringt das Beste und bringt das Schlechteste aus den Menschen heraus.» Auf der einen Seite sind es die Macher vom Schlag eines Buser oder auch einer Palin; auf der anderen Seite die «End of the Roader», die Sonderlinge tief in den Wäldern draussen, die sich als Abenteurer sehen, aber letztlich nur dank den staatlichen Subventionen und Dividenden der Ölindustrie durchkommen.

Aushalten kann Alaska nur, wer viel Selbstsicherheit und Toleranz hat. Buser etwa lässt sich von WWF International als «Zeuge für den Klimawandel» sponsern, weil er die raschen Veränderungen seit Jahren hautnah miterlebt. Der Wettkampf musste schon verkürzt und umgeleitet werden, weil es zu wenig Schnee hatte. Wo es früher weit unter null Grad war, stechen nun im März bereits die Mücken. Die Hunde leiden und verlieren Haare. Gouverneurin Palin aber gibt sich skeptisch, wenn es um den Klimawandel geht. Diesen Widerspruch erklärt Buser damit, dass es ihr um die Eisbärenjagd gehe. Sie wolle kein Totalverbot, weil die Ureinwohner auf die Jagd angewiesen seien. «Die Menschen sind ihr eben wichtiger als die Bären.»

Ein Zurück in die Schweiz kommt für Buser nicht mehr in Frage: «Diese grosse Freiheit und diese Weite sind einmalig. Alaska ist mir ins Blut übergegangen.»

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