Ein schwarzer Tag für Donald Trump

Cohens Geständnis, Manaforts Verurteilung: Welche Folgen die Gerichtsfälle für den US-Präsidenten haben könnten.

Hat sich schuldig bekannt: Trumps Ex-Anwalt Michael Cohen. (Video: Tamedia/AFP)
Martin Kilian@tagesanzeiger

Es war kein guter Tag für Donald Trump: Am späten Nachmittag sprach ein Geschworenengericht in Alexandria nahe Washington seinen ehemaligen Wahlkampfmanager Paul Manafort in acht von achtzehn Anklagepunkten wegen Steuer- und Bankbetrugs schuldig. Bei den restlichen Anklagepunkten konnte sich die Jury nicht einigen.

Schon zuvor wechselte Trumps früherer Anwalt Michael Cohen die Seiten. Gegen eine Minderung des Strafmasses legte er ein Schuldgeständnis ab. Es gilt als wahrscheinlich, dass Cohen mit der New Yorker Staatsanwaltschaft kooperieren wird.

Eine Anklage gegen Cohen wegen Steuer- und Bankenbetrugs sowie Vergehen gegen US-Wahlkampfgesetze war erwartet worden. Nun dürfte der Anwalt zu einem politischen wie rechtlichen Problem des Präsidenten werden: Über ein Jahrzehnt stand er Trump zur Seite, er weiss über dessen Geschäfte Bescheid und hatte Einblick in Trumps Privatleben.

Stets war Cohen zur Stelle gewesen, wenn es galt, Unliebsames zu beseitigen und Trump zu schützen. Einst hatte er behauptet, er würde für Trump durchs Feuer gehen. Eine Verurteilung aber hätte Cohen möglicherweise für Jahre ins Gefängnis gebracht. Seine Loyalität gelte vor allem seiner Familie, erklärte er vor Wochen – und liess Trump fallen.

Die Affäre Stormy Daniels in Bildern

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Als Gegenleistung für eine Strafminderung belastete Cohen den Präsidenten schon jetzt: Er erklärte, im Auftrag Trumps eine Schweigegeldzahlung an die Porno-Darstellerin Stormy Daniels vorgenommen zu haben. Dass der Präsident diesbezüglich gelogen hat, stand bereits fest. Cohen wird die Affäre nun weiter erhellen.

Eine potente Quelle für Mueller & Co.

Ausserdem dürfte der Anwalt sein Insider-Wissen nicht nur an New Yorker Staatsanwälte weitergeben. Auch Russland-Sonderermittler Robert Mueller wird Interesse zeigen. Schon vor Wochen hat Cohen verlauten lassen, dass Trump von dem Treffen seines Sohns und Schwiegersohns mit der russischen Anwältin Natalia Weselnizkaja im Juni 2016 wusste – was der Präsident bislang vehement abstreitet.

Bei dem Gespräch wollte Team Trump Schmutz über die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton einholen, auch das bestritt Trump, bis es unbestreitbar wurde und der Präsident den wahren Zweck des Treffens eingestand. Cohen könnte Trump nun schlaflose Nächte bereiten. Denn neben diversen Schweigegeldzahlungen an Frauen im Herbst 2016 dürfte der Anwalt den Staatsanwälten auch Interna aus Trumps Immobilien-Geschäften stecken.

Es war daher nicht weiter überraschend, dass der Präsident die Durchsuchung von Cohens Räumlichkeiten durch das FBI im April als «Angriff auf unser Land» bezeichnete und laut Mitarbeitern wutentbrannt reagierte. Trump muss sich bewusst sein, dass sein ehemaliger Mann fürs Grobe eine potente Quelle für Mueller wie auch die New Yorker Staatsanwaltschaft wäre.

Auch der Präsident kennt keine Loyalität

Falls sein einstiger enger Mitarbeiter am Ende keinerlei Loyalität zeigte, sollte dies den Präsidenten nicht weiter überraschen: Schon kurz nach der Durchsuchung von Cohens Räumen distanzierte sich Trump von ihm.

Neben Cohen könnte auch Paul Manafort zu einem Problem für Trump werden: Der Ex-Lobbyist steckt in finanziellen Schwierigkeiten und muss mit einer langen Gefängnisstrafe rechnen. Im September muss er sich zudem neuerlich vor einem Gericht verantworten.

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