Ein Paradies verschenkt

Millionärin Kristine Tompkins will Patagonien retten.

Kristine Tompkins ist die ehemalige Chefin des Outdoor-Ausrüsters Patagonia und die Witwe von Douglas Tompkins, dem Gründer von The North Face und Esprit. Foto: PD

Kristine Tompkins ist die ehemalige Chefin des Outdoor-Ausrüsters Patagonia und die Witwe von Douglas Tompkins, dem Gründer von The North Face und Esprit. Foto: PD

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Kleine Geschenke, heisst es, seien oft die schönsten. Das Geschenk, das Kristine Tompkins gerade dem Staat Chile machte, ist vermutlich eines der grössten in der Geschichte der Menschheit. Und niemand kann sagen, dass es nicht schön wäre. Es enthält einige der spektakulärsten Vulkane Südamerikas, dazu tiefblaue Fjorde, rötliche Canyons, reissende Wildwasserbäche sowie schier endlose Urwälder mit bis zu 3000 Jahre alten Bäumen. Es geht um gut 400'000 Hektaren Land in Patagonien – um ein Gebiet, das mehr als doppelt so gross ist wie der Kanton Zürich. Tompkins stellte bei der tränenreichen Übergabe an Chiles Präsidentin Michelle Bachelet nur eine einzige Bedingung: Alles muss geschützter Nationalpark bleiben.

Die Präsidentin hat nicht nur diese Auflage akzeptiert, sondern gleich noch 4,5 Millionen Hektaren Schutzgebiet draufgelegt. Der Deal wird von Umweltaktivisten als weltweit vorbildlich gefeiert. Und Tompkins (67) darf sich bestätigt fühlen. Viele hatten bezweifelt, dass diese US-amerikanische Multimillionärin tatsächlich nur altruistische Ziele verfolgt.

Kristine Tompkins ist die ehemalige Chefin des Outdoor-Ausrüsters Patagonia und die Witwe von Douglas Tompkins, dem Gründer von The North Face und Esprit. Vor 25 Jahren gaben die beiden ein luxuriöses Leben in Kalifornien auf, um sich in einem Zweisiedlerhof im extremen Süden Chiles niederzulassen. Sie verkauften ihre Unternehmensanteile und erwarben riesige Ländereien in Patagonien. Sie sagten, sie wollten ein Stück dieser aus allen Fugen geratenen Welt retten. Inspiriert von der Deep-Ecology-Philosophie des Norwegers Arne Næss liessen sie ihre Wälder verwildern, um Pflanzen und Tiere zu schützen. Denn der Erde geht es demnach dort am besten, wo der Mensch sich raushält.

Allerdings wollten sich längst nicht alle Chilenen von diesen fremden Grossgrundbesitzern zum Raushalten zwingen lassen. Schon gar nicht die Arbeiter der einflussreichen Lachs­fischer- und Holzfällerindustrie. Auch die Schafzüchter beschwerten sich, weil ihre Tiere nun immer öfter von der wieder wachsenden Zahl an Pumas gerissen wurden. Bald machten allerlei Verschwörungstheorien die Runde. Mal hiess es, die CIA habe Agenten geschickt, um sich Süsswasserreserven zu sichern. Mal war von Geheimplänen für einen Nuklearpark die Rede.

Als Douglas Tompkins vor zwei Jahren bei einem Kajak-Unfall tödlich verunglückte, meinten selbst die Optimisten, das gesamte Projekt sei mit ihm gestorben. Stattdessen trieb es sein Witwe Kristine seither umso bedingungsloser voran. Ihr eben noch privates Naturparadies, das in Anlehnung an die Pumas Parque Pumalín heisst, hatte das schmale Land am Ende der Welt praktisch in zwei Teile zerschnitten. Jetzt ist Chile wieder vereint. Und der Erde geht es ein gar nicht mal so kleines Stückchen besser.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.03.2017, 23:29 Uhr

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