Ein Gasangriff durchkreuzt Trumps Pläne

In Washington wird nach dem mutmasslichen Gasangriff ein Vergeltungsschlag auf syrische Einrichtungen erwartet. Eine Entscheidung dürfte bereits am Montag fallen.

Dutzende Tote bei mutmasslichem Giftgasangriff in Syrien. Video: Reuters

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Der mutmassliche Gasangriff auf einen Vorort von Damaskus könnte Präsident Trumps Pläne für einen Abzug der rund 2000 in Syrien stationierten US-Soldaten komplizieren. Nach den ersten Berichten aus Damaskus erklärte Trump, das syrische Regime werde einen «hohen Preis» für den Angriff auf die eigene Zivilbevölkerung in dem von Rebellen besetzten Vorort Douma bezahlen. Erstmals in seiner Präsidentschaft kritisierte Trump auch den russischen Präsidenten Wladimir Putin namentlich.

Während das Regime von Bashar al-Assad den Gaseinsatz dementierte und der Kreml von «Fake News» sprach, sind sich Experten in Washington nicht sicher, ob bei dem Angriff Nervengas oder Chlorgas eingesetzt wurde. Das Regime in Damaskus hat in der Vergangenheit immer wieder Chlorgas verwendet, ohne dass die Regierung Trump eingeschritten wäre.

Chlorgasangriff in Syrien

Die Schreckensbilder aus Syrien kamen für die Trump-Administration zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Der Präsident hatte in den vergangenen Tagen mehrfach erklärt, er wolle die US-Truppen in Syrien abziehen. Der republikanische Senator John McCain (Arizona) hatte den Präsidenten deshalb bezichtigt, das Assad-Regime mit seinen Ankündigungen zu dem Giftgasangriff «ermutigt» zu haben.

Bei einem Treffen des Nationalen Sicherheitsrats am vergangenen Dienstag waren die Meinungen über den Zeitpunkt eines US-Abzugs scharf aufeinandergeprallt: Während der Generalstab sowie Verteidigungsminister James Mattis für eine Fortdauer der US-Präsenz in Syrien bis zur endgültigen Niederlage des Islamischen Staats plädierten, verlangte Trump ursprünglich eine möglichst schnelle Heimkehr der US-Truppen.

«Sieben Billionen Dollar für nichts»

In einer Tirade vor seinen Beratern hatte der Präsident darauf verwiesen, dass die USA in den Krisengebieten des Nahen Ostens «sieben Billionen Dollar» für «nichts» ausgegeben hätten. Zwar stimmte Trump schliesslich einer Verlängerung der US-Präsenz um mehrere Monate zu, verlangte aber, dass der Zeitplan nicht publik werden dürfe.

Auch ein Anruf des israelischen Premiers Benjamin Netanyahu ebenfalls am Dienstag konnte den Präsidenten nicht umstimmen: Netanyahu setzte sich dafür ein, die US-Truppen auf unbestimmte Zeit in Syrien zu belassen, was Trump ablehnte.

Attacke der syrischen Luftwaffe?

Nach dem mutmasslichen Giftangriff verfügt der Präsident über mehrere Optionen. Er könnte wie nach einem Gasangriff vor einem Jahr einen beschränkten Angriff mit Marschflugkörpern auf syrische Einrichtungen anordnen, ohne allerdings ein klares Zeichen zu setzen. Der damalige Einsatz von 59 Marschflugkörpern verpuffte weitgehend, der angegriffene Militärflughafen war bereits nach einem Tag wieder einsatzfähig.

USA dementieren Angriff auf syrische Militärbasis

In Syrien ist laut staatlichen Medien eine Militärbasis in der Nähe der Stadt Homs angegriffen worden. Video: Reuters.

Als Alternative könnte die syrische Luftwaffe attackiert werden, was allerdings die Gefahr einer direkten Konfrontation mit dem Iran oder gar Russland erhöhte. Nichts zu tun sei jedoch nicht möglich, erklärten Berater Trumps am Montagmorgen.

Eine Entscheidung über die Art des amerikanischen Eingreifens wird im Verlauf des Montags bei einer eigens einberufenen Sitzung des Nationalen Sicherheitsrats in Washington gefällt werden. Erstmals wird das Gremium unter Leitung des neuen Sicherheitsberaters John Bolton zusammentreten. Bolton gilt als Hardliner hinsichtlich der US-Haltung gegenüber Damaskus und Teheran. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.04.2018, 15:36 Uhr

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