Ein Anwalt der jüdischen Interessen

David Friedman, designierter US-Botschafter in Israel, gibt sich in der Palästina-Frage radikaler als der israelische Premier.

Luft nach rechts ist immer: Botschafter David Friedman. Foto: Keystone

Luft nach rechts ist immer: Botschafter David Friedman. Foto: Keystone

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Menschen, die den Blick aufs Meer verschmähen, sollte man wohl mit Skepsis begegnen. David Friedman also, der vom künftigen US-Präsidenten Donald Trump nun als Botschafter für Israel nominiert wurde, gibt zunächst einmal Anlass zur Sorge, weil er seinem neuen Amtssitz direkt an der Strandpromenade von Tel Aviv offenbar so gar nichts abgewinnen kann. Er freue sich darauf, seine Arbeit «von der US-Botschaft in Israels ewiger Hauptstadt Jerusalem aus zu tun», erklärte er.

Die Abkehr vom Meer, so ist zu befürchten, ist also erst der Anfang. Denn dieser Botschafter bringt eine alarmierende Botschaft: Washingtons Nahostpolitik steht vor einer radikalen Kehrtwende. Der angekündigte Umzug nach Jerusalem soll zeigen, dass die alten Regeln nichts mehr gelten. Dazu zählt auch der internationale Konsens darüber, die diplomatischen Vertretungen in Tel Aviv zu belassen, bis der Status der umkämpften Stadt in einem Friedensabkommen zwischen Israelis und Palästinensern geklärt ist.

Für Friedman aber gibt es nichts zu klären, und damit passt er bestens zur trumpschen Diplomatie nach Art der Abrissbirne. Friedman hält auch die israelischen Siedlungen im besetzten Westjordanland weder für illegal noch für ein Friedenshindernis. Von der Zweistaatenlösung hat er sich längst verabschiedet, aufgeschlossen zeigt er sich dagegen für israelische Annexionen im Westjordanland.

Diese Positionen, die der 58-Jährige in der Vergangenheit gern in rechtslastigen israelischen Medien ausbreitete, unterscheiden sich nicht nur fundamental von der bisherigen US-Politik. Sie sind auch radikaler als der Kurs von Benjamin Netanyahu. Anpassungsschwierigkeiten wird der israelische Premier dennoch kaum haben, Luft nach rechts ist immer. Friedmans Ernennung darf also als Washingtoner Bankrotterklärung für den Friedensprozess gelten.

Sohn eines Rabbiners

Passend erscheint es da, dass der Diplomatie-Novize seine bisherige Anwaltskarriere als Spezialist fürs Insolvenzrecht bestritt. So kam er vor 15 Jahren mit Trump ins Geschäft, damals ging es um dessen Kasinos in Atlantic City. Es entstand eine Freundschaft, die Friedman schliesslich als Israel-Berater ins Wahlkampfteam brachte und ihm nun das Ticket nach Jerusalem beschert.

Der Heiligen Stadt ist der Sohn eines prominenten Rabbiners aus Long Island seit frühester Jugend verbunden. Schon die Bar-Mizwa feierte er an der Klagemauer. Heute besitzt er ein Penthouse im noblen Stadtteil Talbieh, das er mit seiner Frau und dem Rest der Familie regelmässig im Sommer und an den jüdischen Feiertagen nutzt. Aktuell wartet zwar noch das Büro in Tel Aviv nebst strandnaher Residenz auf ihn. Doch wenn er demnächst wieder Gäste einlädt zum Pessach-Fest, dann wird kein Zweifel mehr daran bestehen, dass er den traditionellen Wunsch beim Sederabend als Auftrag versteht: «Nächstes Jahr in Jerusalem.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.12.2016, 21:40 Uhr

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