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Ein alter Bekannter für Uruguay

Er tritt nie ohne Anzug auf, angelt für sein Leben gern und arbeitet als Onkologe: Tabaré Vázquez wird morgen wohl zum neuen Präsidenten Uruguays gewählt. Er tritt in grosse Fussstapfen.

Feiert seinen Wahlsieg in Montevideo: Tabaré Vázquez. (30. November 2014)
Feiert seinen Wahlsieg in Montevideo: Tabaré Vázquez. (30. November 2014)
Keystone
Führte bereits von 2005 bis 2010 die Regierungsgeschäfte des Landes: Tabare Vazquez. (27. November 2014)
Führte bereits von 2005 bis 2010 die Regierungsgeschäfte des Landes: Tabare Vazquez. (27. November 2014)
Keystone
Ist 74 Jahre alt: Tabare Vazquez in Montevideo. (7. November 2014)
Ist 74 Jahre alt: Tabare Vazquez in Montevideo. (7. November 2014)
Keystone
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Wenn es keine grosse Überraschung gibt, kehrt morgen ein alter Bekannter in Uruguays Präsidentenamt zurück: Tabaré Vázquez, erster linke Staatschef des südamerikanischen Landes, geht als Favorit in die Stichwahl gegen den konservativen Kandidaten Luis Lacalle Pou.

Der 74-jährige Vázquez führte bereits von 2005 bis 2010 die Regierungsgeschäfte des Landes und schied mit einem Beliebtheitswert von mehr als 60 Prozent aus dem Amt. Da eine direkte Wiederwahl durch die Verfassung verboten ist, musste Vázquez am Ende seinem nicht minder charismatischen Parteifreund José Mujica weichen. Nun aber will Vázquez die Zügel wieder selbst in die Hand nehmen.

«Ich komme aus einem bescheidenen Haushalt und konnte die öffentliche Schule und das öffentliche Gymnasium besuchen. Ich bin ein Produkt all dessen», sagt der Sohn einer Arbeiterfamilie. Vázquez ist ein Musterexemplar des sozialen Aufstiegs in den 50er und 60er Jahren. Das Bildungswesen steht wohl nicht zufällig im Mittelpunkt seines politischen Wirkens.

Kampf gegen den Krebs

Der grosse Mann mit dem weissen Haar, der nie ohne Anzug und Krawatte zu sehen ist, ist von Beruf Onkologe. Nie hat er aufgehört zu arbeiten, auch während seiner politischen Ämter kämpfte er weiter gegen den Krebs. Diesem Kampf hat er sich während seines Medizinstudiums verschrieben, das er 1969 abschloss. Mutter, Vater und Schwester von Vázquez sind an Krebs gestorben. Von ihm durchgesetzte Anti-Tabak-Gesetze bescherten dem Land eine Klage des Tabakkonzerns Philipp Morris.

Während der Jahre der Diktatur (1973 bis 1985) widmet sich Vázquez seinem Dasein als Arzt, Professor und Unternehmer. Zudem führt er zeitweise den kleinen Fussballverein Progreso. 1983 tritt er heimlich der sozialistischen Partei bei und wird sechs Jahre später erster linker Bürgermeister von Montevideo. In der Hauptstadt lebt gut die Hälfte der rund 3,4 Millionen Einwohner.

Tragbarer Computer für Schüler

Als er 2005 als erster linker Politiker an die Spitze des kleinen Landes zwischen den Grossmächten Argentinien und Brasilien gewählt wird, treibt Vázquez seinen Plan voran, jedem Schüler kostenlos einen tragbaren Computer zur Verfügung zu stellen. Ende 2009 ist das Ziel erreicht. Im gleichen Jahr gelingt es dem regierende Linksbündnis Frente Amplio, Uruguay als eines von wenigen Länder der Region aus der Rezession zu führen, nachdem Südamerika 2002 von einer Wirtschaftskrise erfasst worden war.

Die fast zehn Regierungsjahre der Frente Amplio seien «ein gewonnenes Jahrzehnt, mit einem jährlichen Wachstum von fünf Prozent», sagt Vázquez. Sein Wahlprogramm konzentriert sich auf Bildung, den Ausbau der Infrastruktur und die öffentliche Sicherheit. Nach dem Sieg des Linksbündnisses bei den Parlamentswahlen Anfang November könnte Vázquez weiter mit einer eigenen Mehrheit regieren.

Sollte der leidenschaftliche Angler morgen die Stichwahl gewinnen, tritt er in grosse Fussstapfen. Nicht nur in die eigenen, sondern auch in die seines Vorgängers Mujica. Der vom Volk nur «Pepe» gerufene Ex-Guerillero hat sich mit seiner demonstrativen Bescheidenheit weltweit Beliebtheit erworben. Er brachte zudem progressive Gesetze zur Legalisierung von Cannabis, gleichgeschlechtlichen Ehen und von Abtreibungen auf den Weg. Wie Mujica will auch Vázquez nicht mehr in den Präsidentenpalast einziehen, sondern in seinem Privathaus wohnen – und weiterhin als Arzt praktizieren.

(AFP)

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