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Duvalier inszeniert sich als Helfer in der Not

Der haitianische Ex-Diktator ist in der Nacht auf heute das erste Mal seit seiner Rückkehr aus dem Exil vor die Medien getreten. Er gibt an, seine Taten zu bereuen – und macht ein Versprechen.

Ist angeblich in Haiti, um «seine Solidarität zu bekunden»: Ex-Diktator Jean-Claude Duvalier am Freitag vor den Medien.
Ist angeblich in Haiti, um «seine Solidarität zu bekunden»: Ex-Diktator Jean-Claude Duvalier am Freitag vor den Medien.

Bei seiner ersten Pressekonferenz nach seiner Heimkehr hat Haitis Ex-Diktator Jean-Claude Duvalier sein Bedauern über die Opfer seines Regimes zum Ausdruck gebracht. Er wolle seine «tiefe Traurigkeit über die, die sich als Opfer unter (meiner) Regierung ansehen», ausdrücken.

Dies sagte Duvalier am Freitag während eines kurzen Auftritts vor der Presse in Port-au-Prince. Duvalier war am Sonntag überraschend aus dem französischen Exil zurückgekehrt, wo er seit seinem Sturz 1986 gelebt hatte. Er soll mit seinen Getreuen hunderte Millionen Dollar an Staatsgeldern veruntreut und bis zu 30'000 Regierungskritiker entführt, gefoltert und getötet haben.

Beobachter rätseln über den Grund für Duvaliers Rückkehr nach Haiti. Die «New York Times» hatte am Mittwoch geschrieben, der Ex-Diktator wolle an das Geld kommen, das gesperrt auf Schweizer Bankkonten liege. Dazu müsste er bewirken, dass die Verfahren gegen ihn aufgehoben werden.

Nur zehn Minuten auf dem Podium

Duvalier selber gab einen anderen Grund für seine Rückkehr an. «Ich bin hier, um meine Solidarität in dieser schwierigen Zeit zu bekunden», sagte er am Abend. Er sei «beeindruckt von dem Willkommen», das ihm insbesondere zahlreiche junge Menschen bereitet hätten, «die mich nicht kennen».

Bei seiner ersten Pressekonferenz seit seiner Ankunft in Haiti am Sonntag vergangener Woche verlas Duvalier mit leiser Stimme eine Erklärung auf Französisch und auf Kreolisch. Er verliess das Podium bereits nach etwa zehn Minuten, ohne Fragen zugelassen zu haben, und überliess seinen Anwälten das Wort.

«Baby Doc» hatte 1971 im Alter von 19 Jahren die Macht in Haiti von seinem Vater François «Papa Doc» Duvalier geerbt. Bis zu seinem Sturz 1986 soll er mit seinen Getreuen hunderte Millionen Dollar an Staatsgeldern veruntreut haben. Die dem Duvalier-Clan treu ergebene Geheimpolizei Tonton Macoutes soll bis zu 30'000 Regierungskritiker entführt, gefoltert und ermordet haben.

Politische Krise

Seit Dienstag laufen in Haiti Ermittlungen wegen Korruption und Veruntreuung gegen Duvalier. Am Mittwoch strengten vier Haitianer zudem ein Strafverfahren wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit an. Vorläufig darf der Ex-Diktator Haiti nicht verlassen.

Der verarmte Karibikstaat steckt zur Zeit in einer politischen Krise. Die offiziellen Ergebnisse der ersten Runde der Präsidentschaftswahl Ende November sind umstritten und hatten gewalttätige Proteste ausgelöst.

Die Stichwahl, die ursprünglich für den 16. Januar geplant war, wurde daher auf unbestimmte Zeit verschoben. Haiti hat ausserdem weiter unter den Folgen des verheerenden Erdbebens vor gut einem Jahr zu leiden.

(SDA)

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