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«Du musst jetzt zugeben, dass du verloren hast»

Obama persönlich soll Clinton in der Wahlnacht gedrängt haben, ihre Niederlage einzuräumen. Ein Enthüllungsbuch zeigt, was in der Kampagne noch alles schieflief.

Hat er sie zum Handeln gedrängt? Barack Obama und Hillary Clinton in einer älteren Aufnahme.
Hat er sie zum Handeln gedrängt? Barack Obama und Hillary Clinton in einer älteren Aufnahme.
Reuters

Diese Woche feiert der amerikanische Präsident Donald Trump seine ersten 100 Tage im Amt, und noch heute fragen sich viele, wie der Immobilienmogul die Wahl gegen die politisch erfahrene Hillary Clinton gewinnen konnte. Ein neues Enthüllungsbuch, das in den US-Medien derzeit für Schlagzeilen sorgt, zeichnet ein verheerendes Bild von Clintons Kampagne.

Die bekannten Politjournalisten Jonathan Allen und Amie Parnes verfolgen die Karriere der Demokratin seit langer Zeit. Für das Buch haben sie ihre Kampagne für die Präsidentschaftswahlen 2016 eineinhalb Jahre lang begleitet. Sie blickten hinter die Kulissen und sprachen mit Dutzenden Beteiligten. Herausgekommen ist das 480-seitige Protokoll eines programmierten Desasters.

«Das Kernproblem von Hillarys Kampagne – Hillary selbst.»

Jonathan Allen und Amie Parnes

Clintons Kampagne sei ein «heilloses Chaos» gewesen, schreiben die Autoren, inklusive unklarer Befehlshierarchien, Gehässigkeiten, falscher Prioritäten und keinen Gespürs für einen höheren Zweck. Niemand im Wahlkampfteam habe wirklich Verantwortung übernommen. Doch das «Kernproblem» der Kampagne sei Hillary selbst gewesen.

Warnungen ignoriert

So soll Clinton beratungsresistent gewesen sein und verschiedenste Warnungen nicht ernst genommen haben. Die Autoren rekonstruieren beispielsweise, wie sie aus ihrem schlechten Abschneiden bei den wichtigen Vorwahlen in Michigan kaum Konsequenzen zog – obwohl Mitarbeiter sie dazu drängten.

Laut dem Buch erhielt ihr Team nach Trumps Nominierung zum Spitzenkandidaten der Republikaner zudem ein Memo von einem langjährigen Clinton-Berater. Dieser warnte vor Trumps Fähigkeiten, Leute an die Urne zu locken, die normalerweise nicht wählen gehen. «Man sollte diese nicht unterschätzen, egal, was die Umfragen sagen», schrieb der Berater. Doch Clinton zog daraus nicht die richtigen Schlüsse und unterschätzte den Gegner.

Umstrittener Wahlkampfmanager

Clinton hielt an Kampagnenmanager Robby Mook fest, obwohl sich dieser einen strategischen Fehler nach dem nächsten leistete und mit fragwürdigen Umfragewerten hantierte. Aus Sicht der Autoren des Enthüllungsbuchs stützte sich Clintons Team ohnehin viel zu stark auf Wählerdaten, die sich im Nachhinein als sehr ungenau oder gar falsch herausstellten.

Laut Mitarbeitern litt Mook an Kontrollwahn und zettelte Streitigkeiten im Führungszirkel an. Unter anderem soll es mit Ehemann Bill Clinton zum Streit gekommen sein. Vertraute flehten Hillary vergeblich an, Mook zu entlassen.

So lässig meldet sich Obama zurück: Nach drei Monaten Pause ist Barack Obama an der University of Chicago aufgetreten. (Video: Tamedia)

Verstimmung im Team

Verschiedene Szenen im Buch zeigen die angespannte Stimmung innerhalb des Wahlkampfteams. Chefstratege Jake Sullivan kritisierte Clinton in einer Probe für eine Debatte mit den Worten: «Das war nicht gut.» Clinton entgegnete: «Wirklich? Dann mach es doch besser.»

Ausserdem soll Bill Clinton am Telefon Mitarbeiter beschimpft haben, weil aus der E-Mail-Affäre ein Dauerproblem wurde. Hillary fügte hinzu: «Ihr habt ihn gehört. Macht euren Job.» Von der Lungenentzündung der Präsidentschaftskandidatin sollen selbst enge Mitarbeiter erst aus den Medien erfahren haben.

Bei Obama entschuldigt

In der Wahlnacht war es laut dem Buch der damalige US-Präsident Barack Obama persönlich, der Clinton zu einem Einräumen ihrer Niederlage drängte. «Du musst jetzt zugeben, dass du verloren hast», riet er ihr. Wenig später entschuldigte sie sich bei ihm, weil sie glaubte, dass sie ihn enttäuscht hatte: «Mr President. I'm sorry.»

Die beiden Autoren kommen zum Schluss, dass Trumps Wahlsieg vermeidbar war und in erster Linie das Resultat von Fehltritten und versäumten Gelegenheiten auf der Gegenseite. Clintons Kampagne sei zum Scheitern verurteilt gewesen, glauben Allen und Parnes. In ihrem Enthüllungsbuch beschreiben sie eine Szene, als Hillary unterwegs im Flugzeug einen ihrer engsten Berater fragt, was denn gerade im Land passiere. Sie habe nicht wirklich verstanden, wie sich die amerikanische Politik verändert habe und was der Aufstieg des Populismus bedeute, schlussfolgern die Autoren.

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