Zum Hauptinhalt springen

Drohnenalarm über dem Weissen Haus

Nach einem Absturz beim Sitz des Präsidenten erhitzt sich in den USA die Debatte um die Regulierung des privaten Drohnenverkehrs.

Wie soll der Drohnenverkehr geregelt sein? Ein Drohnenabsturz beim Weissen Haus entfacht die Debatte in den USA. Foto: United States Secret Service
Wie soll der Drohnenverkehr geregelt sein? Ein Drohnenabsturz beim Weissen Haus entfacht die Debatte in den USA. Foto: United States Secret Service

In Washington spricht alles über Drohnen. Nicht über die unbemannten Kampfflieger der CIA, die diese Woche im fernen Jemen drei Terrorverdächtige abgeschossen haben. Sondern über den vierrotorigen Quadrokopter, der am selben Tag im Park des Weissen Hauses abgestürzt ist. Ein US-Geheimdienstler hatte das Ding in seiner Freizeit von seinem Hausdach aus durch die Nacht gesteuert und es dabei aus den Augen verloren. Offenbar hatte er ein Glas Wein zu viel getrunken. Nachdem er den Rausch ausgeschlafen hatte, meldete er sich reuevoll beim Secret Service, der Schutzpolizei des Präsidenten. Die Agenten wussten Bescheid: Sie hatten den Flieger aus den Rabatten gezogen und den Präsidentensitz kurzzeitig in den Katastrophenmodus versetzt. Die Obamas merkten nichts davon, sie waren in Indien.

Dennoch wirft der Zwischenfall Fragen auf. Soll der Drohnenpilot eine Busse wegen Fliegens in angetrunkenem Zustand erhalten? Weshalb hat die Leibwache des Präsidenten, die wegen ungebremster Zaunkletterer ohnehin in der Kritik steht, das Flugobjekt nicht auf dem Radar erkannt? Privater Luftverkehr über dem Weissen Haus ist verboten. Könnten bald auch Terroristen und Verwirrte Kleindrohnen entdecken und dem Präsidenten per Fernsteuerung zusetzen? Die Sorgen sind berechtigt. Günstigere Technik lässt die Zahl der Freizeitdrohnen steigen. Der vor dem Weissen Haus abgestürzte Flieger des Typs Phantom – etwa 60 Zentimeter lang und 900 Gramm schwer – ist bei Amazon ab 479 Dollar erhältlich. Präsident Obama hat sich diese Woche für eine Regulierung des kommerziellen und privaten Drohnenverkehrs über Amerika ausgesprochen. Die Bundesluftfahrtsbehörde FAA arbeitet seit 2012 an Richtlinien und kommt nicht voran.

Automatisch zurück zur Basis

Schneller handelt der chinesische Hersteller des abgestürzten Geräts. Er hat inzwischen versprochen, seine Phantomdrohnen über gewissen Gegenden der USA fluguntüchtig zu machen: «Phantompiloten werden in solchen Luftraum nicht länger eindringen oder darin abheben können», teilte ein Sprecher der Firma mit. Neben dem Weissen Haus sowie 25 Kilometern Umschwung sollen rund 10'000 US-Flughäfen gesperrt werden. Die entsprechende Blockierprogrammierung soll bald verfügbar, das Software-Update für bereits verkaufte Geräte obligatorisch sein. Einfach vom Himmel fallen werden die Spielzeuge dabei nicht: Kommen sie einer verbotenen Zone zu nahe, werden sie automatisch zurück zur Basis gelenkt.

Eine feine Idee: Geräte, die den Dienst verweigern, wenn man sie falsch nutzen will. Da kann der Drohnenpilot getrost die zweite Flasche Wein aufmachen. Vor ein paar Monaten gab es nach einem Hackerskandal um Prominentenfotos eine ähnliche Forderung: Mobiltelefone sollen dank Erkennungssoftware keine Nacktselfies mehr schiessen können. So würden Nutzer vor späteren Peinlichkeiten bewahrt. Die Idee fand einigen Beifall. Als Nächstes werden wohl Feuerwerkskörper kommen, die dank GPS-Selbstortung nur in Bundesstaaten zünden, die kein Knallverbot kennen.

In Sachen Drohnen steht die Debatte erst am Anfang. Diesen Monat hat die Luftfahrtsbehörde eine erste Genehmigung für die landwirtschaftliche Nutzung erteilt; eine Firma in Idaho wird mit Aufklärungsfliegern fortan Felder begutachten können. Der Nationale Bauernverband NFA misst den Drohnen grosse Bedeutung für die Zukunft bei: Viehherden zusammentreiben, Fische zählen, Pestizide versprühen oder sogar Fieber messen bei Tieren – das alles könnten Drohnen besorgen. Wenn die Behörden nur endlich Richtlinien erliessen und Genehmigungen erteilten.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch