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Drogen sorgen für «schlimmste Krise der US-Geschichte»

Der aktuelle Heroin-Boom ist anders als die früheren Heroin- und Crack-Epidemien. Nicht nur in der Millionenmetropole New York ist die Zahl der Drogentoten dramatisch angestiegen.

Nicht mehr «nur» arme Schwarze betroffen: Ein Drogenabhängiger bereitet eine Heroinspritze vor im Bezirk Skid Row von Los Angeles. (6. Mai 2013)
Nicht mehr «nur» arme Schwarze betroffen: Ein Drogenabhängiger bereitet eine Heroinspritze vor im Bezirk Skid Row von Los Angeles. (6. Mai 2013)
Jae C. Hong, Keystone
Die aktuelle Krise habe noch einmal eine andere Dimension als die Heroin- und Crack-Epidemien der 70er und 80er-Jahren. Damals waren meist in Städten lebende Afro-Amerikaner aus armen Verhältnissen betroffen. Im Bild: Eine undatierte Aufnahme einer Drogensüchtigen in New York.
Die aktuelle Krise habe noch einmal eine andere Dimension als die Heroin- und Crack-Epidemien der 70er und 80er-Jahren. Damals waren meist in Städten lebende Afro-Amerikaner aus armen Verhältnissen betroffen. Im Bild: Eine undatierte Aufnahme einer Drogensüchtigen in New York.
Keystone
Die New Yorker Polizei führt ein Mittel mit sich, das bei Heroin-Überdosen helfen soll: Der New Yorker Genralstaatsanwalt Eric Schneiderman mit einer Naloxone-Spritze. (27. Mai 2014)
Die New Yorker Polizei führt ein Mittel mit sich, das bei Heroin-Überdosen helfen soll: Der New Yorker Genralstaatsanwalt Eric Schneiderman mit einer Naloxone-Spritze. (27. Mai 2014)
Andrew Burton, AFP
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In den USA hat sich das Drogenproblem mittlerweile zur «schlimmsten Krise der Geschichte» entwickelt. Zu dieser Einschätzung kommt die US-Gesundheitsbehörde CDC. Besonders die Lage in New York ist ernst. Die Zahl der Drogentoten in der Millionenmetropole ist zwischen 2010 und 2013 um 41 Prozent hochgeschnellt. Kürzlich meldete die städtische Gesundheitsbehörde für das vergangene Jahr 782 Fälle – statistisch gesehen sind das mehr als zwei pro Tag. Mit 77 Prozent sei der Grossteil der an einer Überdosis gestorbenen Menschen abhängig von Opioiden gewesen. Dazu zählen Schmerzmittel, Methadon und Heroin. Die «New York Times» schreibtvon einer «Heroin-Krise».

Der New Yorker Stadtteil Staten Island ist weiterhin am stärksten betroffen. Nach einer Anti-Drogen-Kampagne sank dort die Zahl der Toten durch Überdosis allerdings innerhalb der letzten beiden Jahre wieder um 32 Prozent. In mehr als der Hälfte aller Fälle spielte dem Bericht zufolge Heroin eine Rolle. Das Rauschgift scheint die Drogenszene wieder zu dominieren: Innerhalb der letzten drei Jahre hätten sich die Todesfälle nach Heroin-Konsum in der Stadt verdoppelt.

Landesweites Problem

«Da es als junger, eigentlich gesunder Mensch schwierig ist, die Mittel verschrieben zu bekommen, gehen die jungen Leute zum Schwarzmarkt», sagt Andrew Kolodny, medizinischer Leiter des «Phoenix House», einer landesweit agierenden Organisation zur Hilfe Suchtkranker.

Dort ist Heroin Schätzungen zufolge bereits für weniger als fünf Franken zu kriegen. Noch schlimmer als in New York sei es aber zum Beispiel in den südlicher gelegenen Bundesstaaten Tennessee, Kentucky, North und South Carolina. «Die Opioid-Krise ist ein US-weites Problem», sagte Kolodny.

Die aktuelle Krise habe noch einmal eine andere Dimension als die Heroin- und Crack-Epidemien der 70er und 80er-Jahre, die weltweit Schlagzeilen machten. Damals waren meist in Städten lebende Afro-Amerikaner aus armen Verhältnissen betroffen.

Abhängigkeit durch Schmerzmittel

Heute gebe es zwei neue Hauptgruppen von Abhängigen: 18 bis 35-Jährige, die für kurze Zeit Schmerzmittel verschrieben bekamen und deren Wirkung als Spassfaktor empfinden, und 40- bis 70-Jährige aus der oberen Mittelklasse. Sie alle sind meist weiss, gebildet, männlich und stammen aus ländlicheren Gegenden.

Die Gesundheitsbehörde CDC kritisiert vor allem die Ärzte. 259 Millionen Rezepte für Schmerzmittel stellten US-Ärzte 2012 aus – so viele, dass jeder Erwachsene statistisch gesehen eine Pillendose im Schrank haben könnte. Die langfristige Verschreibung von Opioiden fördere aber vor allem bei den 40 bis 70-Jährigen deren Abhängigkeit, warnt Experte Kolodny.

Einige Bundesstaaten sind inzwischen dazu übergegangen, Ärzte stärker zu kontrollieren, um die Verschreibungszahlen zu reduzieren und mehr Verantwortungsbewusstsein zu schaffen. Zudem gibt es zahlreiche Aufklärungsprogramme. Erste Erfolge sind bereits erkennbar. So sanken in Florida nach Angaben der CDC die Todesfälle durch das starke Schmerzmittel Oxycodon zwischen 2010 und 2012 um die Hälfte.

Ein Mittel für den Notfall

Auch in New York wird gehandelt. Seit Mai diesen Jahres führt die Polizei Nalaxonpräparate mit sich. Das Mittel gilt als sicher und kann im Falle einer Überdosis lebensrettend wirken.

«Der Einsatz ist eine gute Sache und ein erster Schritt aus der Krise», sagt Kolodny. Man müsse aber vor allem verhindern, dass Menschen abhängig werden und den leidenden Suchtkranken eine gute Behandlung ermöglichen. «Sonst wird es schlicht einen grösseren Schwarzmarkt mit mehr Heroin geben.»

SDA/rub

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