Minderheiten, Frauen und Junge – diesem Bündnis gehört die Zukunft

Die US-Zwischenwahlen werden eine neue demokratische Wählerkoalition gebären. Ihr gehört die Zukunft – und nicht dem weissen Nationalismus Donald Trumps.

Demokratische Supporter in Gary (Indiana): Die Hoffnung stirbt zuletzt. (4. November 2018)

Demokratische Supporter in Gary (Indiana): Die Hoffnung stirbt zuletzt. (4. November 2018) Bild: Nam Y. Huh (AP)/Keystone

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Den Wahlen in den USA wird zu Recht weltweite Beachtung zuteil: Sie werden markieren, wo die amerikanische Nation nach fast zwei Amtsjahren Donald Trumps steht, und sie werden abgehalten nach einem aussergewöhnlich hässlichen Wahlkampf. Der Präsident und manche republikanische Kandidaten für den Kongresss sowie die Gouverneursresidenzen dämonisierten dabei Migranten und Minderheiten, eine Atmosphäre geschürter Ressentiments vergiftete den Wahlkampf.

Demokratie in einer Nation von 300 Millionen könne «laut und chaotisch und kompliziert sein», sagte Barack Obama 2012. Die Wahl am Dienstag aber ist mehr als das, sie wird anzeigen, welche Identität das künftige US-Amerika haben wird. Doch gleichgültig vom Ausgang dieser Wahl wird bei diesem Urnengang die schmerzhafte Geburt einer neuen demokratischen Wählerkoalition aus Frauen, vor allem Frauen mit College-Abschluss, aus Minderheiten und aus jungen Amerikanern sichtbar.

Video: Obama wirft Trump Politik des Zorns und der Angstmache vor

Der frühere US-Präsident sagt seinem Amtsnachfolger vor den Zwischenwahlen die Meinung. (Video: Reuters)

Sowohl Millennials als auch die ihnen nachfolgende Generation Z – übrigens die zahlenmässig stärksten Generationen der amerikanischen Geschichte – wählen mehrheitlich demokratisch, weil sie sich in Trumps Amerika nicht wiedererkennen. Dieser Koalition gegenüber steht eine republikanische Basis zumeist älterer, überwiegend männlicher und weisser Wähler. Zu ihr zählen eine weisse Mehrheit in den Staaten der alten Konföderation sowie christliche Evangelikale.

Der Zugang zur Urne wird erschwert

Die Zukunft gehört ihnen nicht: Die Zahl der Evangelikalen nimmt ab, schon jetzt bilden nicht-weisse Kinder eine Mehrheit an den öffentlichen Schulen. Um ihre wachsenden demografischen Nachteile auszugleichen, nimmt die Republikanische Partei zusehends Zuflucht zu antidemokratischen Mitteln: Republikanisch regierte Staatsparlamente schränken das Wahlrecht ein, der Zugang zur Urne wird erschwert.

Auf Dauer wird dies der Partei nicht helfen. Nur hinauszögern kann sie dadurch den Moment, an dem auch sie den demografischen Umständen Rechnung tragen und sich endlich und verspätet zu einer Partei für alle US-Amerikaner wandeln muss.

«Vergesst niemals, dass wir alle die Nachfahren von Einwanderern und Revolutionären sind», erinnerte Franklin Roosevelt die Nation in den dreissiger Jahren des 20. Jahrhunderts an ihre Ursprünge. Roosevelts demokratische Wählerkoalition bildete das Fundament der grossen Sozialreformen, die den amerikanischen Kapitalismus retteten. Sie zerbrach gegen Ende der sechziger Jahre, nun aber kündigt sich eine Nachfolgerin an, die nicht gewillt ist, Ton wie Substanz von Trumps Präsidentschaft hinzunehmen.

Die Worte von Ronald Reagan

Trumps Anheizen rassistischer Ressentiments und seine permanente Entwürdigung des Amts sind ihr ebenso ein Gräuel wie seine Beschwörung eines weissen Nationalismus, an dessen Rändern die Gewaltbereitschaft zunimmt. Der Frauenverachtung des Präsidenten und die frauenfeindliche Haltung mancher republikanischer Kongressmitglieder stärken die demokratische Koalition geradeso wie die republikanischen Attacken auf Migranten und Minderheiten.

Die Demokratische Partei wiederum täte gut daran, um parteilose Wähler in der Mitte zu werben, die den Wandel der amerikanischen Gesellschaft mit Sorge betrachten, ihm jedoch offen gegenüberstehen. Als «leuchtende Stadt auf dem Hügel» bezeichnete Ronald Reagan das Land in seiner Abschiedsrede 1989, als eine Stadt auch, «wo alle möglichen Menschen in Harmonie und Frieden zusammenleben».

Wenn es denn Mauern um diese Stadt bräuchte, «so hätten diese Mauern Türen, und diese Türen wären offen für jeden mit dem Willen und dem Herzen, hierherzukommen», sagte Reagan. Das grosse amerikanische Projekt der Selbstverbesserung ist unter Donald Trump ins Stottern geraten. Es wird sich trotz ihm jedoch weiterbewegen.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 05.11.2018, 22:00 Uhr

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