Diese 28-Jährige besiegte den mächtigen Demokraten

Die junge puertoricanische New Yorkerin Alexandria Ocasio-Cortez sorgt für eine Sensation in den Vorwahlen. Ihr Sieg ist ein Triumph des linken Flügels der Partei.

Krachende Niederlage für die demokratische Parteiführung: Alexandria Ocasio-Cortez setzte sich gegen Joe Crowley, einen der ranghöchsten Demokraten, durch. Bild: Keystone

Krachende Niederlage für die demokratische Parteiführung: Alexandria Ocasio-Cortez setzte sich gegen Joe Crowley, einen der ranghöchsten Demokraten, durch. Bild: Keystone

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Auf den Bildern von Dienstagnacht sieht man sie inmitten ihrer Anhänger, die Hand vor dem offenen Mund, die Augen weit aufgerissen. Alexandria Ocasio-Cortez schien selbst nicht zu glauben, was sie da gerade auf dem Bildschirm sah: Sie hatte gewonnen. Die 28-jährige Aktivistin, die bis vor kurzem noch in einem Restaurant in Manhattan Tacos und Tequila servierte, hatte über Joe Crowley gesiegt, einen der ranghöchsten Demokraten im US-Repräsentantenhaus. Es ist die bisher grösste Überraschung in den Vorwahlen, die darüber entscheiden, mit welchen Kandidaten die Demokraten im Herbst die Mehrheit im Kongress erobern wollen.

Dass sich Ocasio-Cortez durchgesetzt hat, ist eine krachende Niederlage für die Führung der Partei, zu der Crowley zählte – und es ist ein Triumph für den linken Flügel. Abgespielt hat er sich im 14. Wahlkreis von New York, der sich von der Bronx bis nach Queens zieht. In der Bronx ist Ocasio-Cortez aufgewachsen, als Tochter von Eltern, die aus Puerto Rico stammen. In die Bronx kehrte sie nach ihrem Studium in Boston zurück, um nach dem frühen Krebstod ihres Vaters für die Familie zu sorgen. Sie unterrichtete Migranten, arbeitete daneben als Kellnerin, war als Freiwillige für die Präsidentschaftskampagne von Bernie Sanders unterwegs. «Frauen wie ich sind eigentlich nicht dafür vorgesehen, selber für ein Amt anzutreten», sagte sie in ihrem Wahlkampfvideo. Sie tat es trotzdem.

«Meine eigene Mutter kann sich das Leben in der Bronx nicht mehr leisten.»

In ihrer Kampagne warb Ocasio-Cortez für einen dreifachen Wandel. Ihre Botschaft: Die Demokraten brauchen mehr Frauen und junge Menschen. Sie brauchen mehr Leute, die selber zu den Minderheiten gehören, die in ihren Wahlkreisen leben. Und sie brauchen mehr Vertreter, die eine konsequent linke Politik verfolgen. Die demokratische Parteiführung halte die Unterstützung der Arbeiter, der Schwarzen und Latinos für selbstverständlich: «Sie gehen einfach davon aus, dass diese Leute sowieso für sie an die Urne gehen, egal, wie halbgar ihre Ideen sind», sagte sie in einem Interview mit der «New York Times».

Für ihre eigenen Ideen kämpfte Ocasio-Cortez im Wahlkampf energisch und aggressiv. New York sei für normale Leute unerschwinglich geworden. «Meine eigene Mutter kann sich das Leben in der Bronx nicht mehr leisten», sagte sie. Wie viele Leute in ihrem Alter ist Ocasio-Cortez selber noch daran, die Kredite abzustottern, die sie für ihr Studium aufnehmen musste. Damit sich das ändere, forderte sie auf zweisprachigen Postern einen Mindestlohn von 15 Dollar, eine Einheitskrankenkasse und staatlich garantierte Jobs für Personen, die keine reguläre Arbeit finden. Die umstrittene Abschiebebehörde ICE will sie abschaffen; neulich fuhr sie an die Grenze und stritt dort mit Polizisten in einem Sammelzentrum für Kinder.

All dies brachte Ocasio-Cortez, die der Splittergruppe der Demokratischen Sozialisten von Amerika angehört, viel Unterstützung in ihrem Wahlkreis ein. Latinos, Schwarze und Asiaten machen dort fast 80 Prozent der Einwohner aus. Zehnmal in Folge hatten die Wähler Joe Crowley als Kongressabgeordneten bestätigt, und auch diesmal schien sich der 56-Jährige aus Queens sicher, die Wahl zu gewinnen – nicht zuletzt, weil er ein Vielfaches an Spenden gesammelt hatte. In den vergangenen Wochen brachte er sich bereits in Stellung, um Nancy Pelosi, die unbeliebte Fraktionschefin der Demokraten im Repräsentantenhaus, zu beerben.

Viele sehen in Crowleys Fall denn auch eine Parallele zu Eric Cantor, dem republikanischen Mehrheitsführer des Repräsentantenhauses, der 2014 sein Amt an einen Herausforderer der Tea Party verlor. Tatsächlich zeigt sich der Kampf zwischen Establishment und radikaler Basis, den die Republikaner zuletzt durchmachten, jetzt auch bei den Demokraten immer deutlicher. So sieht das auch Alexandria Ocasio-Cortez. «Dies ist nicht das Ende», sagte sie in der Wahlnacht, «dies ist erst der Anfang.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.06.2018, 17:20 Uhr

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