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Die unbeliebte First Lady

Die Amerikaner mögen Melania Trump nicht. Sie selber sieht sich als Opfer der Medien.

Im Interview mit dem Fox-Moderator Sean Hannity beklagt sich die First Lady über «Opportunisten». Video: FOX, ABC, AFP

Einfach ist es nicht, First Lady der Vereinigten Staaten zu sein. Ein wenig sei es «wie ein Gefängnis, aber es ist ein wirklich schönes Gefängnis», beschrieb Michelle Obama das Leben an der Seite eines amerikanischen Präsidenten. Wohl niemals zuvor war diese Rolle so schwierig wie für Melania Trump.

Ihr Ehemann wird angefeindet, mehr als ein Dutzend Untersuchungen laufen gegen ihn. Unter dem wachsenden Druck reagiert der Präsident zusehends aggressiv: Am Sonntag twitterte Trump mal wieder gegen die Medien, insbesondere den TV-Sender NBC, dem er am liebsten die Sendelizenz entziehen möchte. «Die einseitige Berichterstattung», nicht Russland sei der «wahre Skandal», wetterte Trump.

Längst hat das gestörte Verhältnis des Gatten zu den Medien auf die First Lady abgefärbt, auch sie kommt unter Beschuss. In ungewöhnlich scharfer Form etwa sezierte am Samstag die Publizistin Kate Brower, Autorin eines Buchs über US-Amerikas First Ladys, auf dem Webportal von CNN ein Interview Melanias mit dem Fox-News-Talker Sean Hannity.

Melania: Medien schreiben Geschichte «falsch»

Am meisten am Leben im Weissen Haus störten sie «die Opportunisten, die meinen Namen benützen», sagte Trump in dem Interview. Und wie der Gatte hieb auch sie kräftig auf die Medien ein. Ihre «grösste Herausforderung» seien «Komiker, Journalisten, Darsteller und Buchautoren», beschied sie Hannity und beschuldigte ihre Kritiker, sie schrieben «Geschichte, und sie schreiben sie falsch».

Beliebtheitswerte im Sinkflug: Melania Trump bei einer Weihnachtsveranstaltung in Washington. Foto: Reuters
Beliebtheitswerte im Sinkflug: Melania Trump bei einer Weihnachtsveranstaltung in Washington. Foto: Reuters

Brower warf der First Lady daraufhin vor, sich vornehmlich um sich selbst zu kümmern, anstatt sich den Sorgen und Nöten der Amerikaner zu widmen: «Wirklich? Das Vermächtnis ihrer Familie ist die eine Sache, die ihr am meisten Sorge bereitet?» Es half nicht, dass sich Melania in einem früheren Interview als die «schikanierteste Person» der Welt bezeichnet hatte.

Die wachsenden Kontroversen um Ehemann Donald und ihre Weigerung, sich mehr in der Öffentlichkeit zu zeigen, bescheren der First Lady auch anderweitig Ärger: Glaubt man einer neuen CNN-Umfrage, sinkt ihre Beliebtheit rapide, kaum mehr als den Präsidenten mögen sie die Amerikaner. Nur noch 43 Prozent stehen ihr positiv gegenüber. Im April lagen ihre Beliebtheitswerte noch bei 54 Prozent. Gemäss dem Umfrageinstitut Gallup ist aber auch das ein historisch schlechter Wert: Sogar Hillary Clinton war im Durchschnitt beliebter.

Nur Stunden nach Browers Anwurf meldete sich Melania Trumps Sprecherin und Vertraute Stephanie Grisham zu Wort: Die Berichterstattung über die First Lady ziele «auf das Triviale und Oberflächliche, statt sich mit den wichtigen Dingen zu befassen, mit denen unser Land konfrontiert ist und um die sie sich unermüdlich kümmert», verteidigte Grisham die Chefin in einem Beitrag für CNN.

Ihr Image ist mit Donald Trump verbunden

Stets habe sich Melania bemüht, ihre «traditionelle Verantwortung» wahrzunehmen, sei es beim Staatsdinner für Emmanuel Macron im vergangenen April oder bei der Weihnachtsfeier im Weissen Haus.

Weihnachtsdekoration: So schmückten die First Ladys das Weisse Haus. (Video: Tamedia)

Mag sein, doch bleibt Melania Trump vielen Amerikanern ein Rätsel im Schatten eines Präsidenten, der tagein, tagaus poltert und polarisiert. Wie er hasst sie die Medien, wie bei ihm konstatieren Kritiker einen Mangel an Empathie inmitten grosser Ichbezogenheit. Ms. Trump verdiene eine «ehrliche Berichterstattung, die sich mit dem Kern ihrer Botschaft befasse: der Wichtigkeit, Kindern zu helfen, glücklich, gesund und sozial verantwortlich aufzuwachsen», fordert Grisham.

Erfolg dürfte der First Lady damit kaum beschieden sein: Untrennbar ist Melania Trumps Image inzwischen mit dem des Ehemanns verbunden.

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