Die Transfrau, die US-Geschichte schreibt

Die Transgender-Demokratin Danica Roem sitzt neu im Abgeordnetenhaus des US-Bundesstaates Virginia – und das nach einem Sieg gegen einen LGBT-Hasser.

Wahlsieg mit Signalwirkung für die ganzen USA: Danica Roem, Neu-Parlamentarierin in Virginia.

Wahlsieg mit Signalwirkung für die ganzen USA: Danica Roem, Neu-Parlamentarierin in Virginia. Bild: Reuters

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Mit Danica Roem ist in Virginia eine offen als Transgender lebende Person in das Parlament eines US-Bundesstaats gewählt worden. Es war eine historische Wahl, obwohl es nicht ganz stimmt, wie die meisten Medien berichten, dass die 33-jährige Ex-Journalistin als erste Transfrau den Einzug in ein Abgeordnetenhaus in den USA geschafft hat. Denn vor fünf Jahren hatte in New Hampshire bereits Stacie Laughton einen Abgeordnetensitz gewonnen. Die bekennende Transfrau verzichtete aber auf das Mandat, nachdem bekannt geworden war, dass sie eine Verurteilung wegen eines Betrugsdelikts verschwiegen hatte, was eine Welle des Protestes ausgelöst hatte.

Anders liegt der Fall von Althea Garrison, die 1992 in das Abgeordnetenhaus des Bundesstaates Massachusetts gewählt worden war. Garrison outete sich aber erst nach dem Wahlerfolg als Transgender, wie die «New York Times» berichtet. Bei späteren Wahlen holte Garrison keine Mandate mehr. Als Transgender werden Menschen bezeichnet, die sich nicht – oder nicht nur – mit dem Geschlecht identifizieren, das bei ihrer Geburt notiert worden war.

Jobs, Schulen und Verkehr

Danica Roem, die mit der Wahl ins Parlament von Virgina nun US-Geschichte schreibt, hat sich 2013 als Transsexuelle geoutet. Roem war als Knabe geboren worden, begann aber in ihren 20ern als Frau zu leben. Im erfolgreichen Wahlkampf in Virgina hatte sie offen über ihre Geschlechtsidentität gesprochen, aber diese nicht in den Vordergrund ihrer Kampagne gestellt. Die 33-Jährige hatte stets betont, dass sie nicht als Symbol der Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen (LGBT) kandidiere, sondern um ihre Erfahrungen als frühere Lokalreporterin in die Politik einzubringen. Ihren Wahlkampf bestritt sie weitgehend mit den Themen Jobs, Schulen und Verkehr. Das sind auch ihre Themen als künftige Abgeordnete, wie sie dem Magazin «Time» nach der Wahl sagte. «Das ganze Land soll sehen, dass auch Transgender-Personen sehr gute Parlamentsarbeit leisten können.»

Die Wahl von Roem ins Parlament ist umso bemerkenswerter, als sie im 13. Distrikt des Bundesstaats Virginia gegen den 73-jährigen Amtsinhaber Bob Marshall gewann. Marshall war seit 1992 Abgeordneter und galt als einer der konservativsten Vertreter seiner Partei in Virigina. Marschall war für seine LGBT-feindliche Haltung bekannt. Unter anderem hatte er ein Gesetz («Bathroom Bill») vorgeschlagen, um Transgendern die freie Wahl zu nehmen, ob sie nun öffentliche Herren- oder Damentoiletten benutzen. Auch gegen die gleichgeschlechtliche Ehe hatte er sich starkgemacht. Marshall hatte sich einst als Virginias «Obersten Schwulenhasser» bezeichnet. Im Wahlkampf begegnete Marshall seiner demokratischen Gegnerin Roem feindselig. Er sprach immer von «ihm» und nicht von «ihr», wenn es um die Transfrau ging.

Die Lobbygruppe Gay & Lesbian Victory Fund lobte die Entscheidung der Wähler von Virgina, «eine kluge, lösungsorientierte Trans-Führerin einem spaltenden Anti-LGBT Demagogen» vorgezogen zu haben. Dies sei eine «starke Botschaft an Anti-Trans-Gesetzgeber im ganzen Land». Die Wahl Roems ist nicht zuletzt eine Botschaft an US-Präsident Donald Trump, der Transgender-Personen vom Militärdienst ausschliessen will. Eine entsprechende Anordnung Trumps ist Ende Oktober von US-Bundesgerichten gestoppt worden, nachdem Beschwerden eingegangen waren.

In der LGBT-Community der USA hat der Wahlerfolg von Danica Roem in Virginia grosse Freude ausgelöst. «Für die Trans-Jugend im ganzen Land ist das nicht nur etwas Historisches», meinte Sarah McBride, Transfrau und Sprecherin der Human Rights Campaign. «Das ist Hoffnung. Hoffnung für ein besseres Morgen.» Auch Joe Biden, US-Vizepräsident unter Barack Obama, freute sich mit den Transgendern.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.11.2017, 18:59 Uhr

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