Die Russland-Affäre setzt Trump zu

Ein geheimer Kanal und heikle Kontakte: Fast täglich kommen neue Details zur Russland-Connection an die Öffentlichkeit. Im Weissen Haus steigt das Misstrauen.

Informationen dringen täglich an die Öffentlichkeit: Donald Trump soll seinen Mitarbeitenden misstrauen. Foto: Keystone

Informationen dringen täglich an die Öffentlichkeit: Donald Trump soll seinen Mitarbeitenden misstrauen. Foto: Keystone

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Die Ermittlungen von FBI und Kongress in der Russland-Affäre rücken immer näher an Donald Trump heran. Neue Enthüllungen des TV-Nachrichtensenders CNN und der «Washington Post» stärken den Verdacht, dass die Kontakte zwischen Trump-Mitarbeitern und Repräsentanten des Kremls während des Wahlkampfs 2016 sowie im November nach Trumps Wahlsieg weit weniger unschuldig gewesen seien als vom Weissen Haus bislang behauptet.

Am Dienstag berichtete CNN unter Berufung auf mehrere anonyme Quellen, russische Offizielle hätten 2016 debattiert, wie «potenziell belastende» Informationen über Trump und seine Mitarbeiter zur Beeinflussung des republikanischen Präsidentschaftskandidaten verwendet werden könnten. CNN zufolge wurden diese Gespräche von einem amerikanischen Nachrichtendienst, wahrscheinlich der NSA, abgefangen. Die «belastenden» Informationen seien finanzieller Art gewesen, so CNN.

Die Quellen des TV-Senders wollten nicht ausschliessen, dass die russischen Gesprächsteilnehmer ihr Wissen «übertrieben» hätten oder sogar Falschmeldungen streuen wollten. Das Weisse Haus reagierte umgehend auf den CNN-Bericht und verurteilte ihn als Teil einer «Schmierkampagne». Auch im umstrittenen, weil in weiten Teilen bisher nicht verifizierbaren Dossier des ehemaligen britischen MI6-Russlandexperten Christopher Steele war behauptet worden, Trump sei erpressbar, weil Moskau kompromittierende Erkenntnisse über ihn besitze.

Problematischer Report

Für den Präsidenten noch problematischer dürfte ein Report in der «Washington Post» am Wochenende sein. Demzufolge habe sein Schwiegersohn und enger Berater Jared Kushner einen verdeckten Kommunikationskanal mit Moskau aufbauen wollen. Dieser habe bei einer Unterredung Anfang Dezember 2016 mit dem russischen Botschafter in Washington, Sergei Kisljak, sowie Trumps späterem Sicherheitsberater Michael Flynn im Trump Tower in New York vorgeschlagen, dabei auf abhörsichere Kommunikationskanäle in Moskaus Botschaft in Washington und dem russischen Konsulat in New York auszuweichen.

Offenbar hatte die Spionageabwehrabteilung des FBI einen anschliessenden Bericht von Botschafter Kisljak an Regierungsstellen in Moskau abgefangen. Am Wochenende verteidigten mehrere Mitglieder der Trump-Administration, darunter Heimatschutzminister John Kelly, die Einrichtung eines derartigen «Backchannels» mit dem Kreml als völlig normal. Das Weisse Haus hatte bereits zuvor behauptet, ein solcher Kommunikationskanal habe einzig dem Zweck gedient, sich mit Moskau über eine Lösung des Konflikts in Syrien auszutauschen – eine kaum glaubhafte Behauptung.
Stattdessen wird in Washington vermutet, der geheime Kanal habe mehreren und zum Teil noch unbekannten Zwecken dienen sollen. Zumal Kushners Vorschlag, russische Kommunikationsmöglichkeiten zu nutzen, äusserst ungewöhnlich ist und offenbar zum Ziel hatte, die Kontakte zwischen Trumps Team und dem Kreml der Überwachung durch amerikanische Geheimdienste zu entziehen.

Misstrauen im Weissen Haus

Bei dem Gespräch zwischen Kisljak, Kushner und Flynn war überdies vereinbart worden, ein Gespräch zwischen einem Vertreter Trumps und einem Abgesandten des Kremls in einem «dritten Land» zu organisieren. Wahrscheinlich fand diese Begegnung am 11. Januar 2017, neun Tage vor Trumps Vereidigung, auf den Seychellen statt, wo der gelegentliche Trump-Berater Erik Prince unter mysteriösen Umständen mit einer unbekannten russischen Kontaktperson zusammentraf.

Prince geriet als Gründer des privaten Sicherheitsdiensts Blackwater während des Irakkriegs in die Schlagzeilen und ist der Bruder von Trumps Bildungsministerin Betsy DeVos. Ebenfalls am Dienstag wurde in Washington bekannt, dass die Geheimdienstausschüsse im Kongress im Zuge ihrer Ermittlungen in der Russland-Affäre relevante Dokumente von Trumps langjährigem persönlichem Anwalt Michael Cohen angefordert haben. Cohen lehnte das Ansinnen der Ausschüsse ab.

Unterdessen berichtete die CNN-Kommentatorin Gloria Borger unter Berufung auf eine Quelle im Weissen Haus, dass der Präsident seinen Mitarbeitern nicht mehr traue. Trump ziehe sich «emotional zurück» und fühle sich im Stich gelassen, sagte Borger. Auch andere US-Medien beschreiben eine wachsende Krisenstimmung im Weissen Haus, die zunehmend die Regierungsgeschäfte beeinträchtige.
(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 31.05.2017, 12:12 Uhr

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