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«Die Moral der IS-Kämpfer ist am Boden»

Die Peshmerga haben den bisher grössten Erfolg im Kampf gegen die IS-Miliz errungen. Diese sieht sich offenbar mit einer steigenden Zahl von Deserteuren konfrontiert – und reagiert mit Erschiessungen.

Nach raschen Erfolgen macht sich Frustration breit: IS-Kämpfer in der syrischen Stadt Raqqa.
Nach raschen Erfolgen macht sich Frustration breit: IS-Kämpfer in der syrischen Stadt Raqqa.
AP Photo/Militantenwebseite

Eine Weile lang schienen die Kämpfer der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) fast unaufhaltbar. Sie überrollten in den Sommer- und Herbstmonaten im Irak und in Syrien Dorf um Dorf, übernahmen zwischenzeitlich die Kontrolle über den gewaltigen Staudamm von Mossul und gelangten bis auf 50 Kilometer an die Kurdenhauptstadt Arbil heran. Im August trieben sie Tausende Angehörige der Volksgruppe der Jesiden zur Flucht ins karge Sindshar-Gebirge.

Nun haben die kurdischen Peshmerga-Kämpfer und die sie unterstützenden Luftwaffen der internationalen Militärallianz den bisher grössten Erfolg im Kampf gegen den IS verzeichnet. Es gelang ihnen, das Sindshar-Gebirge und die letzten sich dort noch aufhaltenden rund 9000 Zivilisten zu befreien. Nach eigenen Angaben entrissen die Peshmerga dem IS ein Territorium von insgesamt 700 Quadratkilometern.

Frustration nach schnellem Vormarsch

Zu den militärischen Erfolgsmeldungen der Koalition gegen den IS kommen Berichte über eine sinkende Moral unter den IS-Kämpfern. «Die Moral des Feindes ist am Boden», zitiert die britische Zeitung «The Telegraph» Masrour Barzani, den Chef des Sicherheitsrates der kurdischen Autonomieregion im Irak. «Nach unseren Informationen beginnen einige dieser Elemente zu fliehen.»

Zur selben Einschätzung kommen Reporter der «Financial Times». Sie berichten unter Berufung auf lokale Quellen, die Moral unter den IS-Kämpfern sei im Sinken begriffen. Nach einer Zeit der schnellen Erfolge macht sich demnach Frustration breit sowohl unter lokalen wie auch ausländischen Kämpfern, die sich dem IS unter dem Eindruck seines ungehinderten Vormarsches angeschlossen hatten.

Deserteure hingerichtet

Laut einem in dem Bericht nicht namentlich genannten syrischen Oppositionellen sollen die IS-Kämpfer mindestens 100 Deserteure aus ihren eigenen Reihen hingerichtet haben. Die ausländischen IS-Kämpfer wollten demnach aus der vom IS besetzten syrischen Stadt Raqqa fliehen.

«Die Moral sinkt nicht nur – sie ist am Boden», wird ein weiterer syrischer Oppositioneller zitiert. «Lokale Kämpfer sind frustriert – sie haben das Gefühl, dass sie den grössten Teil der Arbeit erledigen und dabei die meisten Toten zu verzeichnen haben. Ausländische Kämpfer, die sich in einem Abenteuer wähnten, sind nun erschöpft.»

Wie die «Financial Times» unter Berufung auf anonym bleiben wollende IS-Mitglieder in Raqqa berichtet, versuchen die dortigen IS-Befehlshaber gegen Jihad-müde Kämpfer mithilfe einer Art Militärpolizei und Ausweisen vorzugehen. Jeder Jihadist, der kontrolliert werde, müsse sich als Kämpfer ausweisen und belegen können, dass er sich in einer offiziellen Mission befinde. «In Raqqa haben sie 400 Mitglieder verhaftet», zitiert die Zeitung einen syrischen Aktivisten.

Auch Gegner des IS haben allerdings mit Absetzungsbewegungen zu kämpfen, wie die Nachrichtenagentur AP berichtet. Ein Vertreter der schiitischen Freiwilligen, die den Vormarsch des IS auf Bagdad gestoppt hatten, sagte, in den vergangenen zwei Monaten sei die Zahl der Freiwilligen zusehends geschrumpft. Mindestens 1000 seien desertiert – weil sie sich in einer wirtschaftlichen Notlage befunden hätten.

Kurden töten 33 Jihadisten im Kampf um Kobane

Nach dem strategisch wichtigen Sieg der Peshmerga im Nordirak haben auch kurdische Kämpfer im nordsyrischen Kobane neue Erfolge vermeldet. Die Kämpfer der kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) hätten einen seit Freitagabend andauernden Angriff des IS abgewehrt und 26 IS-Milizionäre getötet, berichtet die kurdische Nachrichtenseite Rudaw. Sieben weitere Jihadisten seien anschliessend bei einem Gegenangriff an der Ostfront der belagerten Stadt getötet worden.

(AP/sda)

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