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Die Leiden der Trump-Aufpasser

Wer Donald Trumps Lügen deckt, erleidet unweigerlich eine Rufschädigung. Neuestes Beispiel ist Stabschef John Kelly.

Stabchef John Kelly verteidigt in einer emotionalen Rede den Präsidenten. Video: Whitehouse/Tamedia

«Niemand verlässt die Präsidentschaft mit jener Reputation, die ihn in das Amt getragen hat», wusste bereits Thomas Jefferson. Gegenwärtig trifft die Klage des dritten amerikanischen Präsidenten nicht so sehr auf Donald Trump zu – er hatte keine sonderlich gute Reputation vor seinem Wahlsieg - , aber sie beschreibt treffend den Leidensweg von Trumps Mitarbeitern.

Denn wer im Orbit dieses Präsidenten landet, wird entweder zum Komplizen seiner Lügen oder er wird von Trump gedemütigt. Siehe etwa Trumps erster Pressesprecher Sean Spicer: Kaum war er berufen worden, musste der arme Spicer Trumps lachhafte Lüge über die ungeheuere Zahl der Besucher bei seiner Amtseinführung im Januar verteidigen. Spicer blamierte sich, sein Ruf war dahin.

Nun hat es auch Trumps Stabschef, den ehemaligen Ledernacken-General John Kelly, erwischt: Je mehr sich die Kontroverse um den Tod des Unteroffiziers La David Johnson, der mit drei weiteren US-Soldaten Anfang Oktober in Niger getötet worden war, ausweitete und US-Medien beherrschte, desto schlechter sah Kelly aus. Am vergangenen Donnerstag hatte der Ex-General Trump vor der Presse im Weissen Haus verteidigt, nachdem sich Familienangehörige des gefallenen Soldaten sowie die demokratische Kongressabgeordnete Frederica Wilson über Inhalt und Ton von Trumps Beileidstelefonat beklagt hatten.

«Er wusste, worauf er sich da einliess», soll Donald Trump vor der Sarg-Übergabe gesagt haben.
«Er wusste, worauf er sich da einliess», soll Donald Trump vor der Sarg-Übergabe gesagt haben.
Keystone
Anfang Oktober in Niger getötet: Sergeant David Johnson.
Anfang Oktober in Niger getötet: Sergeant David Johnson.
AFP
Sie habe das Gespräch mitgehört: Frederica Wilson, demokratische Abgeordnete aus Florida.
Sie habe das Gespräch mitgehört: Frederica Wilson, demokratische Abgeordnete aus Florida.
Jacquelyn Martin, Keystone
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Wilson war Zeuge des Anrufs geworden, weil sie als enge Freundin der Familie des Toten die Witwe und weitere Angehörige in einer Stretch-Limousine zum Abholen des Sargs begleitete. Über den Telefon-Lautsprecher des Wagens konnten alle Mitfahrenden Trumps Bemerkungen hören. Trump log danach über den Anruf, und Kelly griff die Kongressabgeordnete scharf an. Dabei sagte der Stabschef nachweislich die Unwahrheit, überhaupt führte er sich bei seiner Verteidigung Trumps auf, als ob nur Menschen in Uniform vollwertige Menschen seien.

Trumps dreiste Lügen

Mit seinem Auftritt erwies sich der Stabschef einen Bärendienst, denn wie vor ihm Sean Spicer beschmutzte auch er sich, um eine Lüge des Präsidenten aus der Welt zu schaffen. Weil Trump über Inhalt und Umstände seines Telefonats mit der Ehefrau des Gefallenen weiterhin dreist log und die Darstellung Wilsons als «totale Erfindung» bezeichnete, gab die Witwe am Montag ein TV-Interview: Trumps Worte seien exakt so gewesen, wie sie die Kongressabgeordnete Wilson beschrieben habe.

La David Johnson habe «gewusst, worauf er sich eingelassen hat, aber es tut trotzdem weh», habe der Präsident gesagt. Sein Tonfall sowie die Tatsache, dass Trump nicht einmal den Namen ihres verstorbenen Ehemanns erwähnt und diesen Namen wohl nicht einmal gekannt habe, hätten sie besonders verletzt. «Ich habe noch mehr geweint», sagte Myesha Johnson dem Fernsehsender ABC.

Die traurige Geschichte zeigt, wie Trump selbst geheiligte Traditionen vergiftet und lügt, wenn immer er sich angegriffen fühlt oder ihm widersprochen wird. Wer es ablehnt, Trumps Lügen zu sanktionieren, wird zur Strafe vom Präsidenten gedemütigt wie beispielsweise Aussenminister Rex Tillerson. Nachdem publik geworden war, dass Tillerson den Präsidenten im Juli vor Zeugen einen «fucking Schwachkopf» genannt hatte, musste der Aussenminister Donald Trump in einem hastig anberaumten Auftritt vor Journalisten Treue schwören.

Wann hat Tillerson genug?

Immerhin aber lehnte Tillerson danach mehrmals ab, seine kolportierte Beleidigung des Präsidenten als unwahr zurückzunehmen. Er liess sie stehen, weil er nicht lügen wollte wie Sean Spicer und andere Mitarbeiter Trumps. Mittlerweile pfeifen die Spatzen von Washingtons Dächern, dass Tillersons Tage gezählt sind: Spätestens nach Ablauf seines ersten Dienstjahres im Februar werde er zurücktreten und entweder von UN-Botschafterin Nikki Haley oder CIA-Direktor Mike Pompeo ersetzt werden.

Wie es in Donald Trumps Washington zugeht, beschrieb vergangene Woche eindrücklich Ex-Präsident George W. Bush: «Unser Diskurs ist durch beiläufige Gemeinheiten entwürdigt worden, unsere Argumente werden zu leicht zu Feindseligkeiten, und Meinungsverschiedenheiten eskalieren bis zur Entmenschlichung», sagte Bush in einer Rede. Trump nannte er nicht namentlich, doch wusste jeder, wen Bush meinte.

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