Die Kampagne gegen Trumps «Volksfeinde»

Die Verbündeten des US-Präsidenten wollen gegen kritische Journalisten vorgehen. Über sie sollen brisante Informationen gesammelt werden.

Politische Gesinnungsgenossen: Rush Limbaugh (l.) und Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung in Cape Girardeau im US-Bundesstaat Missouri. (Reuters/Carlos Barria/5. November 2018)

Politische Gesinnungsgenossen: Rush Limbaugh (l.) und Donald Trump bei einer Wahlkampfveranstaltung in Cape Girardeau im US-Bundesstaat Missouri. (Reuters/Carlos Barria/5. November 2018)

Martin Kilian@tagesanzeiger

Mehrmals bezeichnete Donald Trump Journalisten als «Volksfeinde», er sucht den Kampf gegen liberale und linke Medien in den Vereinigten Staaten. Kürzlich twitterte der Präsident, Journalismus sei «lediglich eine Propaganda-Maschine für die Demokratische Partei».

Nun möchte ein Netz von Freunden und Sympathisanten des Präsidenten eine neue Front gegen Kritiker eröffnen: Laut amerikanischen Medienberichten sollen Soziale Medien wie Twitter, Facebook und Instagram durchforstet werden, um kontroverse Einträge von Journalisten, ihren Familienmitgliedern sowie linken Aktivisten zu finden. Die Ergebnisse sollen dann von konservativen Medien wie Breitbart News sowie von rechten Radiotalkern wie Rush Limbaugh verbreitet werden.

Als Initiant der Kampagne gilt der New Yorker PR-Berater und republikanische Stratege Arthur Schwartz, ein Vertrauter von Trumps ältestem Sohn Donald junior. Als die «New York Times» vorletzte Woche ein wenig schmeichelhaftes Porträt der Präsidenten-Sprecherin Stephanie Grisham veröffentlichte, reagierten Schwartz und seine Verbündeten mit einer Enthüllung über Tom Wright-Piersanti, der im Ressort Politik der «New York Times» arbeitet.

Der Journalist hatte als Student rassistische und antisemitische Bemerkungen auf Twitter gepostet, jetzt musste er sich für seine Entgleisungen öffentlich entschuldigen. Aus Kreisen um Schwartz und Breitbart News verlautete später, man habe bereits ähnliche Informationen über hunderte von liberalen Journalisten gesammelt. Laut einem dreiseitigen Vorschlag zur weiteren Finanzierung des Projekts, der dem US-Webportal Axios vorliegt, sollen «Produzenten von Nachrichten» Zielscheibe der Initiative sein.

Auch Facebook und Twitter im Blickfeld

«CNN, MSNBC, die TV-Sender ABC, NBC und CBS, die «New York Times», «Washington Post», BuzzFeed, «Huffington Post» und andere, die routinemässig Vorurteile und Falschinformationen in ihre Berichterstattung einbauen», müssten durchleuchtet und ihre Journalisten blossgestellt werden, heisst es in dem Papier. Dafür würden zwei Millionen Dollar benötigt.

Gleichzeitig möchte Präsident Trumps Wahlkampfstab gegen Facebook und Twitter vorgehen, weil die Plattformen gegenüber Konservativen voreingenommen seien. Trump hatte mehrmals geklagt, soziale Medien diskriminierten ihn und seine Anhänger und bevorzugten linke und Mainstream-Medien.

Kampagnen gegen Mainstream-Medien sowie Facebook und Twitter könnten nach Ansicht republikanischer Strategen die Basis der Partei im kommenden Wahlkampf mobilisieren. Auf die Attacken gegen kritische Journalisten angesprochen, erklärte Donald Trumps Ex-Stratege Steve Bannon, ein Kulturkrieg sei ein «Krieg». Und in einem Krieg gebe es eben «Opfer», so Bannon zur «New York Times».


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