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Die besten Antrittsreden von US-Präsidenten

Die Antrittsrede eines US-Präsidenten muss eine Vision auf den Punkt bringen und kurz sein. Ein Rückblick auf denkwürdige «Inaugural Addresses» mit berühmten Zitaten.

«Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann. Fragt, was ihr für euer Land tun könnt»: John F. Kennedy in seiner Ansprache am 20. Januar 1961.
«Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann. Fragt, was ihr für euer Land tun könnt»: John F. Kennedy in seiner Ansprache am 20. Januar 1961.
Keystone

Es ist der feierliche Auftakt zu einer Präsidentschaft vor dem Capitol in Washington: Donald Trump wird heute Freitag als 45. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. Die Amerikaner und die Welt warten mit Spannung auf die Ansprache, in der Trump seine Visionen als Präsident präsentieren wird. Die «Inaugural Address» am Tag der Vereidigung gehört zu den wichtigsten Reden eines US-Präsidenten. Denn sie soll über den Tag der Amtseinsetzung hinaus eine Wirkung auf die Bürger entfalten.

Die Kunst einer Antrittsrede besteht darin, einerseits zentrale Botschaften der neuen US-Regierung einprägsam auf den Punkt zu bringen und andererseits das Publikum emotional für sich gewinnen. Wenige amerikanische Präsidenten haben in ihren Antrittsreden Sätze gesagt oder Gedanken geäussert, die im kollektiven Gedächtnis hängen geblieben sind. Denkwürdige Reden hielten Präsidenten meistens in Zeiten von Krieg oder Krisen. Vor allem in solchen Zeiten kommt es auf die richtigen Worte an.

Welche «Inaugural Addresses» waren die besten? Abraham Lincoln, Franklin D. Roosevelt und John F. Kennedy hatten Antrittsreden gehalten, die in Erinnerung geblieben sind. Später waren es vor allem Ronald Reagan und Barack Obama.

Antrittsrede von Abraham Lincoln, 1865. Quelle: Youtube/TimelessReader1

Abraham Lincoln amtierte von 1861 bis 1865 als 16. Präsident der USA. Am 4. März 1865 – anlässlich seiner zweiten Vereidigung als Präsident – äusserte er seine berühmten Sätze: «Mit Groll gegen niemanden, mit Nächstenliebe für alle, verankert in der Gerechtigkeit, geleitet von Gott, müssen wir uns anstrengen, die begonnene Arbeit zu beenden, die Wunden unserer Nation zu heilen, für die zu sorgen, die die Schlacht geschlagen haben, für ihre Witwen und Waisen – wir sollten alles tun, um einen anhaltenden Frieden unter uns selbst und mit allen anderen Ländern zu erreichen.» Lincolns Rede war ein Appell an die Einheit der Nation und einen Neuanfang – sie fiel in die Endphase des Sezessionskrieges zwischen den Süd- und Nordstaaten. Am 15. April 1865, sechs Wochen nach seiner «Inaugural Address», starb Lincoln an den Folgen eines Attentats in Washington. Am 23. Juni 1865 endete der Bürgerkrieg, und am 18. Dezember 1865 wurde in den Vereinigten Staaten die Sklaverei verboten.

Antrittsrede von Franklin D. Roosevelt, 1933. Quelle: Youtube/Franklin D. Roosevelt Library and Museum

Franklin D. Roosevelt, US-Präsident von 1933 bis 1945, hielt am 4. März 1933 seine denkwürdige Antrittsrede. «Es ist mein fester Glaube, dass das Einzige, was wir zu fürchten haben, die Furcht an sich ist – namenlose, vernunftlose, ungerechtfertigte Furcht, die unser Bemühen lahmlegt, Rückschläge in Fortschritte umzuwandeln.» In seiner Rede weckte Roosevelt Zuversicht und Optimismus in der Bevölkerung – die USA steckten in der «Great Depression», die Roosevelt mit seiner Reformpolitik des «New Deal» bekämpfte. In der Rede von 1933 findet sich gewissermassen auch das Leitmotiv für den Ende 1941 erfolgten Kriegseintritt der USA und den Kampf gegen Nazi-Deutschland und Japan. Der berühmte Satz fand acht Jahre später auch Widerhall in der Rede über die vier Freiheiten, in der Roosevelt seine Vision einer Nachkriegsordnung präsentierte. Roosevelt, der insgesamt viermal eine «Inaugural Address» hielt, gilt als einer der grossen US-Präsidenten.

Antrittsrede von John F. Kennedy, 1961. Quelle: Youtube/CBS

John F. Kennedy hatte in seiner kurzen Amtszeit einige denkwürdige Auftritte. Dabei profitierte er von Theodore Sorensen, der nicht nur einer seiner Berater, sondern vor allem ein begnadeter Redenschreiber war. Die «Inaugural Address» von JFK ist vor allem wegen eines Satzes in der kollektiven Erinnerung geblieben. «Meine amerikanischen Mitbürger, fragt nicht, was euer Land für euch tun kann. Fragt, was ihr für euer Land tun könnt», erklärte der jugendliche, charismatische Präsident am 20. Januar 1961. Und weiter sagte er: «Meine Mitbürger in der Welt, fragt nicht, was Amerika für euch tun kann, sondern was wir gemeinsam für die Freiheit der Menschheit tun können.» Kennedy kam am 22. November 1963 bei einem Attentat in Dallas ums Leben. Die Kubakrise, der Mauerbau in Berlin, der Beginn der bemannten Raumfahrt und die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung hatten die Kennedy-Jahre geprägt.

Antrittsrede von Ronald Reagan, 1981. Quelle: Youtube/Reagan Foundation

«In der gegenwärtigen Krise ist der Staat nicht die Lösung des Problems. Er ist das Problem. Wir, die amerikanischen Bürger, sind die Lösung.» In diesem Satz bei seiner Antrittsrede am 20. Januar 1981 brachte Ronald Reagan ein zentrales Credo seiner Politik auf den Punkt. Mit Reagan begann die Phase einer neoliberalen Wirtschaftspolitik mit Privatisierungen und Deregulierungen in den USA. Reagan versprach eine «Ära der Genesung» nach vier Jimmy-Carter-Jahren. Bei seiner Antrittsrede von 1983 landete Reagan auch einen Coup, als er bekannt gab, dass die amerikanischen Geiseln in Teheran befreit worden seien. Seinen berühmtesten Satz äusserte der grosse Kommunikator aber am 12. Juni 1987 in West-Berlin: «Mister Gorbatschow, reissen Sie diese Mauer nieder!» Am 9. November 1989 fiel die Mauer. Der aussenpolitische Hardliner amtierte von 1981 bis 1989 als 40. US-Präsident.

Antrittsrede von Barack Obama, 2009. Quelle: Youtube/C-SPAN

Der abtretende Präsident Barack Obama ist ein brillanter Redner. Das bewies er in seiner Abschiedsrede am 10. Januar 2017 ebenso wie in seiner ersten «Inaugural Address» am 20. Januar 2009. «Von heute an müssen wir uns aufraffen, uns den Staub abklopfen und wieder mit der Arbeit beginnen, Amerika zu erneuern», sagte der junge Präsident, der von seinen Anhängern fast wie ein Messias gefeiert worden war. «An diesem Tag sind wir hier, weil wir Hoffnung über Furcht gewählt haben» – eine Anspielung an die Roosevelt-Rede von 1933. Wie einst Roosevelt übernahm Obama die Aufgabe, die USA aus einer tiefen Wirtschaftskrise zu führen. Auch eine Anlehnung an JFK fehlte nicht: «Was jetzt von jedem einzelnen Bürger verlangt wird, ist eine neue Ära der Verantwortung.» Obamas «Inaugural Address» von 2009 gilt als denkwürdig – nicht zuletzt, weil es die erste Antrittsrede des ersten schwarzen US-Präsidenten war.

Eine Antrittsrede soll möglichst kurz sein: US-Präsident John F. Kennedy und Theodore Sorensen bei einer Besprechung. Foto: University of Nebraska History
Eine Antrittsrede soll möglichst kurz sein: US-Präsident John F. Kennedy und Theodore Sorensen bei einer Besprechung. Foto: University of Nebraska History

Die Antrittsrede eines US-Präsidenten orientiert sich nicht selten an gelungene Ansprachen seiner Vorgänger. «Inaugural Addresses» greifen auch zurück auf amerikanische Traditionen und Gründungsmythen der USA, und sie nehmen Bezug auf Gott und religiöse Formeln. Insbesondere beschwören sie die Grösse und die Stärke der USA, und sie betonen die Gestaltungskraft und Zukunftsfähigkeit des Landes. Unabhängig von der angemessenen Dosis an Pathos, der eine Antrittsrede trägt, muss es dem US-Präsidenten vor allem gelingen, die eigentliche Vision der neuen Regierung auf den Punkt zu bringen. Diesen Ratschlag äusserte Theodore Sorensen, der Redenschreiber von John F. Kennedy. Ausserdem, so Sorensen, soll eine Ansprache möglichst kurz sein. In der Regel dauern die Antrittsreden 15 bis 20 Minuten.

Schneller Tod nach Antrittsrede

Zweifelhafte Berühmtheit in der Geschichte der US-Präsidenten erlangte William H. Harrison. 1841 hielt er die längste Antrittsrede aller Zeiten. Knapp zwei Stunden dauerte die Ansprache, die Harrison trotz eisiger Temperaturen ohne Mantel und Hut gehalten hatte. Bei seinem Marathon-Auftritt holte sich Harrison eine schwere Lungenentzündung, an der er 30 Tage nach seinem Amtsantritt starb.

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