Die Ängste der Latinos in den USA wachsen

Der Attentäter von El Paso ging offenbar gezielt gegen «Hispanics» vor. Sie fürchten, dass es erst der Anfang gewesen sein könnte.

Mehrheitlich Latinos: Menschen gedenken gemeinsam der Opfer des Massakers in El Paso. Foto: Reuters

Mehrheitlich Latinos: Menschen gedenken gemeinsam der Opfer des Massakers in El Paso. Foto: Reuters

Unter den Latinos in den USA haben seit dem Anschlag von El Paso die Sorgen und Ängste dramatisch zugenommen. Die hispanische Minderheit sieht sich unter Präsident Donald Trump bereits konstant übler Diffamierung ausgesetzt, viele der Migranten aus Lateinamerika leben zudem in permanenter Furcht vor der Abschiebung. Nun aber breitet sich auch die Furcht aus, dass sie zunehmend zur Zielscheibe rechtsextremer Gewalttäter werden könnten.

Denn der 21-jährige Patrick C., der am Samstag in einem Walmart-Kaufhaus nahe der mexikanischen Grenze um sich schoss, hatte es offenbar gezielt auf Latinos abgesehen. In der texanischen Grossstadt El Paso sind mehr als 80 Prozent der Bevölkerung lateinamerikanischer Herkunft, zudem ist der Walmart im Stadtzentrum ein beliebtes Shopping-Ziel von Menschen aus Ciudad Juárez auf der anderen Seite der Grenze. Mindestens sieben der 22 Todesopfer waren nach US-Polizeiangaben mexikanische Staatsbürger.

Die Furcht vor weiteren Gewalttaten verbindet sich bei vielen Latinos mit Wut auf Donald Trump.

Pablo Alvarado, Exekutivdirektor eines landesweiten Netzwerks von Arbeitern mit Tagelohntätigkeiten, bezeichnet die Bluttat gar als «Kriegserklärung» gegen die «Hispanics» in den USA. Die Menschen lateinamerikanischer Herkunft seien inzwischen nicht mehr bloss «Sündenböcke» für Probleme der USA, sondern Zielscheiben «rassistischer Gewalt».

Der kurz nach dem Verbrechen festgenommene C. war 1050 Kilometer aus seiner Heimatstadt Allen in Nordtexas angereist, um den Anschlag zu verüben – auch dies spricht dafür, dass er gezielt Menschen lateinamerikanischer Herkunft töten wollte.

Die Furcht vor weiteren Gewalttaten verbindet sich bei vielen Latinos mit Wut auf Donald Trump. Denn der Täter von El Paso fühlte sich vermutlich vom US-Präsidenten angespornt. In einem C. zugeschriebenen Manifest, das kurz vor dem Anschlag im Internet veröffentlicht wurde, wird unter anderem eine «hispanische Invasion» angeprangert – ein Terminus, den Trump häufig verwendet, um die illegale Einwanderung aus Lateinamerika anzuprangern.

Die Flucht zentralamerikanischer Migranten in die USA bezeichnete Trump als «Angriff auf unser Land». 

Der Präsident verurteilte zwar als Reaktion auf die Blutbäder in El Paso und Dayton in Ohio, wo neun Menschen starben, «Hass», «Rassismus» und die Ideologie der «weissen Vorherrschaft». Doch die Worte klingen für viele Latinos hohl.

Denn seit dem vergangenen Präsidentschaftswahlkampf setzt Trump auf aggressive Rhetorik gegen Hispanics, die er pauschal als Gangmitglieder, Drogenhändler und Vergewaltiger verunglimpfte. Die Märsche zentralamerikanischer Migranten, die vor Armut und Gewalt in ihren Heimatländern in Richtung US-Grenze fliehen, bezeichnete er gar in martialischer Rhetorik als «Angriff auf unser Land».

Viele Vertreter der Latino-Gemeinde weisen Trump deshalb eine Mitschuld an dem Anschlag von El Paso zu. Der Präsident habe den weissen Extremisten «grünes Licht gegeben, ihren Hass in die Tat umzusetzen», sagt etwa Luz Gallegos vom Todec Legal Center, einem in Südkalifornien ansässigen Beratungszentrum für Immigrantenrechte. «Worte haben Konsequenzen», sagt auch die Oppositionspolitikerin Verónica Escobar, die den Wahlkreis von El Paso im US-Kongress vertritt, zur Rhetorik des Präsidenten.

Das Blutbad von El Paso belastet im Übrigen auch die ohnehin stark angespannten Beziehungen zwischen den USA und Mexiko. Der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador kritisierte in ungewöhnlichen Kommentaren zur US-Innenpolitik die laxen Waffengesetze in den USA. Und er hat angekündigt, dass seine Regierung womöglich einen Auslieferungsantrag stellen werde, um Patrick C. in Mexiko vor Gericht zu stellen – wegen «Terrorismus».

amc/AFP

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