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«Der Wolf steht vor der Tür»

Wie lange wollen die USA im Irak die Islamisten bekämpfen? Auf die Antwort von Präsident Obama kommt prompt die «Blut»-Antwort des IS zurück.

Nach der strategisch wichtigen Rückeroberung des Mossul-Staudamms hat US-Präsident Barack Obama die Regierung in Bagdad im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat zur Eintracht aufgerufen. Es sei wichtig, dass die irakische Führung politisch rasch Fortschritte mache, mahnte Obama vor Reportern in Washington. «Sie müssen das schaffen, weil der Wolf vor der Tür steht», fügte er mit Blick auf die Kämpfer des Islamischen Staats hinzu.

Seit ihrem Vormarsch durch weite Teile des Westens und Nordens des Iraks musste die Extremistengruppe ihre bislang grösste Niederlage einstecken: Mit US-Luftwaffenunterstützung im Rücken erlangten irakische und kurdische Truppen gestern die Kontrolle über den strategisch wichtigen Mossul-Staudamm zurück, wie Obama und das örtliche Militär bestätigten. IS-Kämpfer hatten den Komplex am 7. August in ihre Gewalt gebracht und sich damit Zugang zu zu riesigen Strom- und Trinkwasserreserven gesichert.

Wäre es zu Sicherheitslücken am Damm am Tigris gekommen, hätte dies katastrophale Konsequenzen für Zivilisten und auch das Personal der US-Botschaft inBagdad gefährden können, erklärte Obama. Zudem sei die vollständige Rückeroberung ein «bedeutender Schritt vorwärts» im Kampf gegen die IS-Extremisten.

Ein «blosser Propagandakrieg»

Allerdings gab es zunächst widersprüchliche Angaben zum Verlauf der Gefechte um den Staudamm: Der kurdische Militärsprecher Halgurd Hekmat vermeldete die vollständige Rückeroberung des Damms und der Umgebung der Talsperre durch die Peschmerga-Streitkräfte. Vorausgegangen seien zwei Tage lange Kämpfe. Doch das irakische Verteidigungsministerium sprach zunächst nur von der «Befreiung eines grossen Teils» des Staudamms.

Die Extremisten selbst wiesen dies im Internet zurück und erklärten, der Staudamm werde weiterhin von ihnen kontrolliert. Bagdad führe einen «blossen Propagandakrieg».

Ein irakischer Heeressprecher, Generalleutnant Kassim al-Mussawi, sagte später, mindestens 170 Sprengsätze seien in der Gegend um den Damm entschärft worden, es gebe aber noch viele andere. Die irakische Flagge sei auf der Staumauer gehisst worden, die IS-Kämpfer selbst seien in Gebiete südlich des Areals geflohen.

Keine Ersatzluftwaffe

Obama zeigte sich zufrieden darüber, dass die USA den irakischen Sicherheitskräften und kurdischen Milizen im Mossul einen Schub verliehen hätten. Auch weiterhin werde Washington diese Truppen mit einer begrenzten Militärkampagne unterstützen, um US-Personal und amerikanische Einrichtungen zu schützen und von IS-Extremisten ausgelöste humanitäre Krisen zu lindern. Wie lange der Einsatz noch dauern soll, sagte Obama jedoch nicht.

Allein seit Samstag flogen die USA laut Pentagonsprecher John Kirby 35 Luftangriffe auf Ziele in der Umgebung des Mossul-Staudamms. Dabei seien über 90 Ziele zerstört worden, darunter Fahrzeuge, Ausrüstung und Stellungen von Kämpfern. Nachdem irakische Sicherheitskräfte den Damm geräumt hätten, arbeiteten die USA nun daran, ihr Kontrollgebiet in der Gegend auszuweiten.

Doch machte Obama zugleich klar, dass die USA keine Ersatzluftwaffe für Bagdad seien. Es sei an den Irakern, für dauerhaften Frieden zu sorgen. Vor diesem Hintergrund erwähnte Obama den jüngsten Rücktritt Nuri Al-Malikis vom Amt des Regierungschefs. Ihm war vorgeworfen worden, während seiner acht Jahre als Ministerpräsident eine rein proschiitische Agenda verfolgt, so die sunnitische Minderheit im Land verprellt und letztlich mit zum jüngsten Durchmarsch der sunnitischen IS-Terrormiliz beigetragen zu haben.

Die Regierung in Bagdad müsse nun eine vereinte Front bilden und den an den Rand gedrängten sunnitischen Stämmen Hoffnung geben, forderte Obama.

sda/AP/chk

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