Der verseuchte Republikaner

Rick Snyder, Gouverneur von Michigan, hat sich mächtige Gegner eingehandelt.

Hat sich zu spät entschuldigt: Der republikanische Gouverneur Rick Snyder. Foto: Keystone

Hat sich zu spät entschuldigt: Der republikanische Gouverneur Rick Snyder. Foto: Keystone

Jean-Martin Büttner@Jemab

Die Entschuldigung kam zu spät, wie so oft in der Politik, dafür in aller Form: Anfang Woche hat sich Rick Snyder (57), republikanischer Gouverneur des Industriestaates Michigan, bei den Bewohnerinnen und Bewohnern der Stadt Flint entschuldigt – so deutlich wie nie zuvor. «Ich habe euch im Stich gelassen», sagte er vor dem Parlament in der Hauptstadt Lansing. «Es tut mir leid, und ich werde es flicken.» Es handle sich hier um eine Katastrophe, bei der alle Verantwortlichen versagt hätten. Dazu gehört auch Snyder selbst, der Anfang Januar den Notstand ausrief.

Das war viel zu spät. Bereits sind in der armen, gewaltgeplagten und mehrheitlich von Schwarzen bewohnten Stadt Flint (ca. 100'000 Einwohner) 77 Menschen erkrankt und 10 gestorben; die Spätfolgen für die Kinder der Stadt sind nicht abzusehen. Sie haben Wasser getrunken, von dem seit langem klar ist, dass es unklar ist: bleihaltig, mit Chemikalien und Bakterien versetzt, braun gefärbt, übel riechend. Um Geld zu sparen, hatte der Verwalter der bankrotten Stadt im April 2014 beschlossen, das Trinkwasser dem Flint River zu entnehmen.

Symptome banalisiert

Bald klagten Einwohner über Unwohlsein und Ausschläge. Wie der Mailverkehr belegt, den Snyder diese Woche auf Druck der «Detroit News» veröffentlichte, haben seine Leute Warnungen aus Flint missachtet, Appelle überhört, Symptome banalisiert und die Kritiker als politisch motivierte Aufreger schlechtgeredet. So etwas wäre einer reichen, weissen Stadt nie passiert, fand Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton und sprach von Rassismus. «Würde ich in dieser Stadt als Vater leben», sagte Präsident Barack Obama, «wäre ich ausser mir.»

Natürlich zielt die demokratische Kritik im Wahljahr auf die Republikanische Partei, die vom Umweltschutz nie viel gehalten hat. Da der Skandal die Partei mitverseuchen könnte, erhöht das den Rücktrittsdruck auf Snyder noch mehr.

Michael Moore gegen sich

Falls so etwas noch möglich ist. Denn als reichten die Verschmutzung, ihre Verdrängung und die Folgen nicht aus, hat sich der Gouverneur zwei der bekanntesten Kritiker des Landes eingehandelt, die ihn jetzt attackieren: Michael Moore und Erin Brockovich, der Filmemacher aus Michigan und die Aktivistin aus Kansas. Moore ist mit dem Dokumentarfilm «Roger and Me» berühmt geworden, der den wirtschaftlichen Niedergang seiner Heimatstadt Flint beschreibt. Und Brockovich hatte in den Neunzigern einen Umweltskandal aufgedeckt, den der Regisseur Steven Soderbergh im Jahr 2000 sorgfältig nachstellte; Julia Roberts erspielte sich mit ihrer herausragenden Darstellung einen Oscar.

Rick Snyder, im November 2014 als Gouverneur knapp bestätigt, begann seine Karriere als Investor und Wirtschaftsberater. Vor zwei Jahren entmachtete er die Verwaltung der bankrotten Stadt Detroit und übergab sie einem Noststands-Manager. Er fand die Behörden inkompetent.

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