«Der Trump Tower bot sehr gute Möglichkeiten, Geld zu waschen»

Bestsellerautor Craig Unger erzählt in seinem neuen Buch die Geschichte der russischen Mafia in New York. In einer Hauptrolle: Donald Trump.

«Es gab alle diese Russen, die bei Trump Immobilien erworben haben»: Blick in die Lobby des Trump Tower.

«Es gab alle diese Russen, die bei Trump Immobilien erworben haben»: Blick in die Lobby des Trump Tower. Bild: Carlo Allegri/Reuters

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Craig Unger, in Ihrem neuen Buch «Trump in Putins Hand» beschreiben Sie eine ziemlich schmutzige Angelegenheit, nämlich die Beziehungen Donald Trumps zu Russland. Das Buch ist ein Bestseller und liest sich stellenweise wie ein Krimi. Ist es wirklich so schlimm?
Ja, und es ist wahrscheinlich noch schlimmer, da ich ja lediglich die Spitze eines Eisbergs beschreibe. Trumps Verwicklungen mit Russland sind gleichermassen breit wie tief. Obendrein ist viel russisches Geld an Trump geflossen.

Wir haben eine Menge von Hinweisen und von Verdachtsmomenten, aber schlüssige Beweise, wonach Moskau den jetzigen Präsidenten in der Tasche hat, liefern auch Sie nicht. Sind es nicht vor allem Vermutungen, die über Trumps vermeintliche Abhängigkeit von Moskau geäussert werden?
Man muss sich die Verhaltensmuster anschauen und auch die Strukturen. Unter anderem habe ich untersucht, was im New Yorker Trump Tower so alles geschehen ist. Zum Beispiel habe ich die Verbindungen Trumps zu Leuten beleuchtet, die dem russischen Mafiaboss Semjon Mogilewitsch nahestehen. Das fing ja schon Mitte der Achtzigerjahre an, und in der Folge kauften Angehörige der Russen-Mafia in New York Apartments im Trump Tower. Über drei Jahrzehnte hinweg gab es kriminelle Aktivitäten im und um den Trump Tower.

Sie schreiben, dass die Trump-Organisation mit ihren Immobilien eine Art Waschmaschine für russisches Gangstergeld gewesen sei. Warum ist das FBI da nicht tätig geworden? Und sollte das nicht von Interesse für den Russland-Sonderermittler Robert Mueller sein?
Es gibt keinen Zweifel, dass das FBI dies beobachtete. Ich weiss das, weil ein Teil meines Quellenmaterials vom FBI stammt. Zumal das FBI eine Sonderkommission in den späten Neunzigern einrichtete, um Semjon Mogilewitsch auf die Schliche zu kommen. Vieles vom Treiben der Russen-Mafia ist ja schon bekannt, aber meine Recherche ergab, dass nichts zufällig ist und Zusammenhänge bestehen, die eben in die Welt Donald Trumps reichten und reichen.

«Die russische Mafia wie die Oligarchen sind Akteure des Staats.»

Was aber haben russische Mafiosi mit dem russischen Staat zu tun?
Genau das haben viele Amerikaner bisher nicht verstanden: Die russische Mafia wie die Oligarchen sind Akteure des Staats, sie operieren mit der Zustimmung und manchmal der Unterstützung des Kreml und Präsident Wladimir Putins. So hat mir zum Beispiel Oleg Kalugin, der ehemalige Spionageabwehrchef des KGB, gesagt, natürlich operiere die Mafia mit Unterstützung der Geheimdienste.

Eine der faszinierendsten Stellen des Buchs betrifft Ihre Überzeugung, Trump habe Moskau informiert, was Oligarchen und Mafia-Angehörige, die sich bei ihm eingekauft hatten, so trieben. Im Gegenzug habe Putin ihnen erlaubt, bei Trump Apartments zu kaufen.
Ja, und das ist bisher noch nie so richtig an die Oberfläche gekommen: Es gab alle diese Russen, die bei Trump Immobilien erworben haben, und viele von ihnen standen mit russischen Geheimdiensten in Verbindung. Das passierte in nächster Umgebung des jetzigen US-Präsidenten! Das allein ist eine massive Verletzung der Staatssicherheit. Wenn es in Washington jemanden gibt, der keinen Zugang zu Staatsgeheimnissen hätte erhalten sollen, dann ist es Donald Trump.

Beruht Ihre Einschätzung auf konkreten Zahlen? Wie viele Wohnungen hat Trump an Russen verkauft?
Wir haben eine ungefähre Idee. Die genaue Zahl ist sehr schwierig herauszufinden, da die Käufe meistens durch Strohfirmen getätigt wurden. Es ist ungeheuer schwierig, das zu durchdringen. Aber immerhin wissen wir, dass die Zahl der Verkäufe, die nach Geldwäsche riechen, seit 1984 enorm gewesen ist. Mindestens 1300 Apartments sind anonym und mithilfe von Strohfirmen erworben worden, oft in reinen Cash-Transaktionen. Das hätte bei den Behörden sämtliche Alarmglocken läuten lassen sollen. Die Strohfirmen sind überdies so verschachtelt, dass eine Aufklärung eigentlich nur mithilfe von gerichtlichen Zwangsvorladungen möglich ist.

«Es ist fast unmöglich, dass Trump nicht davon wusste.»

Aber wenn das so offensichtlich ist, warum sind US-Behörden dann nicht schon vor 20 oder noch mehr Jahren eingeschritten?
Es gibt tatsächlich viele unbeantwortete Fragen, warum das FBI der Sache nicht auf den Grund gegangen ist. Eine der Schlüsselpersonen dabei könnte der russische Immigrant Felix Sater sein, über den ich ausführlich schreibe. Er ist ein mysteriöser Typ, ganz in der Nähe Trumps, ein zweifach verurteilter Krimineller, zugleich aber ein Informant des FBI und der CIA. Er sass im Trump Tower als Direktor einer Firma namens Bayrock und war in Geldwäscherei involviert. Es ist fast unmöglich, dass Trump nicht davon wusste.

Wollen Sie sagen, Saters enge Beziehung zum FBI habe verhindert, dass die Behörde den Spuren im Trump Tower nachging?
Ich weiss es nicht. Das ist jedoch eine der Fragen, die beantwortet werden müssen, um die Vorgänge im Trump Tower und in der Trump-Organisation aufzuklären.

Wäre es denn so überraschend, wenn Donald Trump Beziehungen zu Mitgliedern der Russen-Mafia gepflegt hätte? Immerhin hatte er in den Achtzigern und wohl auch danach Kontakte zu den New Yorker Mafia-Familien, die im Baugeschäft tätig waren.
Diese Beziehungen gab es nicht zuletzt wegen Trumps Anwalt und Mentor Roy Cohn, der immer wieder Mafia-Bosse vertrat. Sobald die Russen-Mafia in New York landete, entstanden Beziehungen zwischen ihr und der ursprünglichen Mafia Ende der Siebziger- und Anfang der Achtzigerjahre. Und der Trump Tower bot von Beginn an sehr gute Möglichkeiten, Geld zu waschen.

Könnte das Rätsel um Donald Trumps Finanzen und den möglichen Einfluss russischen Geldes gelöst werden, wenn seine Steuerbescheide offengelegt würden? Trump hat es bekanntlich als erster Präsident seit Richard Nixon abgelehnt, sie zu veröffentlichen.
Schon möglich. Zumindest gäbe es dann Hinweise, woher Trumps Geld kommt. Ich bin überzeugt, dass Allen Weisselberg, der Finanzvorstand der Trump-Organisation, dieses Rätsel lösen könnte. Weisselberg hat sich gegen die Gewährung von Immunität ja kürzlich zur Zusammenarbeit mit Mueller bereit erklärt.

Wer Ihr Buch liest, kommt zum Schluss, dass Russlands vermeintliche Einmischung in den US-Wahlkampf 2016 zugunsten Trumps eine logische Folge der Verbandelung Tumps mit Moskau war.
Das fing womöglich schon mit Trumps ersten Ehefrau Ivana an. Sie stammte aus der damaligen Tschechoslowakei. Wenn immer sie ihre Verwandten daheim besuchte, wurden ihre Eltern und Verwandten anschliessend von der Staatssicherheit über Donald Trump ausgefragt. Und 1986 hat sich der sowjetische Botschafter Juri Dubinin spontan bei Trump in New York gemeldet und ihn zu einem Besuch Russlands eingeladen. Selbstverständlich wurden Trumps Aufenthalte dort vom KGB und später vom FSB observiert. General Kalugin hat mir einiges darüber erzählt.

«US-Medien sind genauso polarisiert wie die Amerikaner.»

Mit all dem Wissen, das Sie sich über Trump und Russland erworben haben: Was halten Sie vom britischen Ex-MI6-Spion Christopher Steele und dessen umstrittenem Dossier über Donald Trump?
Ich habe im Zuge meiner Recherche mit einigen Leuten gesprochen, die Steele sehr gut kennen und mit ihm gearbeitet haben. Er geniesst eine exzellente Reputation. Manches in diesem Dossier ist bisher nicht bestätigt worden, andererseits gibt es kaum etwas, das klar als falsch kategorisiert werden konnte. Und Teile des Dossiers sind inzwischen durch andere Quellen verifiziert worden.

Machen Bücher wie das Ihre überhaupt einen Unterschied? Sie predigen doch vor allem denen, die von Donald Trumps angeblich verräterischer Russland-Rolle schon längst überzeugt sind. Wenn Sie dagegen bei Fox News auftreten, glaubt Ihnen niemand.
Unglücklicherweise sind die US-Medien genauso polarisiert wie die Amerikaner. Wenn Fox News mich einladen würde, käme ich sofort und würde mich freuen, den Zuschauern meine Recherchen vorzustellen. Ob ich damit etwas bewirken könnte, weiss ich nicht. Denn Fox News lebt in einem eigenen Ökosystem. Als sich Trumps Anwalt Michael Cohen kürzlich schuldig bekannte und Trumps Ex-Wahlkampfmanager Paul Manafort am gleichen Tag verurteilt wurde, habe ich Fox News eingeschaltet, um zu sehen, was sie damit anfangen. Sie beschäftigten sich mit der Frage, ob eine Giraffe wirklich ein mutiertes Pferd sei.

Wie, denken Sie, wird die Trump-Präsidentschaft enden?
Wir befinden uns auf einem Kollisionskurs. Entweder siegt die Herrschaft des Rechts und Donald Trump wird angeklagt oder er tritt zurück. Oder Trump nimmt zu verfassungswidrigen Mitteln Zuflucht, um sich an der Macht zu halten. Wir können nur hoffen, dass die Demokraten die Kongresswahlen im Herbst gewinnen. Aber auch da könnte Russland ja wieder insgeheim intervenieren. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 04.09.2018, 20:32 Uhr

Craig Unger

Amerikanischer Investigativ-Journalist und Bestsellerautor. Sein neues Buch «House of Trump, House of Putin» wird am 11. September im Econ-Verlag auf Deutsch erscheinen.

Buch

Craig Unger: Trump in Putins Hand. Die wahre Geschichte von Donald Trump und der russischen Mafia. Econ, 2018. 464 S., ca. 25 Fr.

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