Der Schlossherr hat abgesagt

Donald Trump werde wegen des Shutdowns nicht nach Florida kommen, um in seinem «Traumschloss» Silvester zu feiern. Gäste blätterten bis zu 1270 Dollar für den Eintritt hin.

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Martin Kilian@tagesanzeiger

Wer den obersten Promi erleben will, muss kräftig hinblättern: 1000 Dollar plus 20 Prozent Trinkgeld sowie 70 Dollar Steuern werden Gästen abgeknöpft, die mit Donald Trump ins neue Jahr rutschen wollen. Wie immer am Silvesterabend versammelt sich auch heute Abend die Bourgeoisie in Palm Beach in Trumps floridianischem «Traumschloss» Mar-a-Lago, auf dass die Genialität des Gastgebers – «ich bin ein stabiles Genie», sagt er – auf sie abfärbe und seine ausgewiesene Fabulierkunst sie glänzend unterhalte.

Diesmal aber wird es in Trumps persönlichem Neuschwanstein wahrscheinlich lange Gesichter geben: Der Präsident feiert diskret im Weissen Haus, die Sause in Florida geht ohne ihn vonstatten. 1270 Dollar für die Katz und vorbei die Gelegenheit, mit Trump zu plaudern und vielleicht das eine oder andere Geschäft anzukurbeln.

Er werde «wegen des Shutdowns nicht nach Florida kommen», twitterte Trump. Sein amtierender Stabschef Mick Mulvaney bestätigte die triste Nachricht am Freitag: Der König von Mar-a-Lago «verbringt Neujahr in Washington». Es zieme sich nicht, wenn Trump in Mar-a-Lago ein rauschendes Fest gebe, derweil den Angestellten seiner Regierung wegen des Shutdowns die Lebensmittel ausgehen. Oben Schampus, unten Brause, oben Hummer, unten Ramen-Suppe für 15 Cent die Packung.

Trumps Behauptung, statt zu feiern, führe er harte Verhandlungen mit den Demokraten, um die Regierung wieder flottzumachen, stimmt natürlich nicht: Der Kongress ist ausgeflogen, Washington leer.

Die Partygäste drunten in Florida sind nicht erbaut über das Fernbleiben des grossen Zampanos. «Die Leute steigen aus, ohne eine Celebrity ist das eine Menge Geld», zitiert die Lokalzeitung in Palm Beach einen enttäuschten Trump-Bewunderer. Wie wahr: Fast 2600 Dollar pro Paar ist eine Menge Geld, um die Trumps am letzten Tag des Jahres hautnah erleben zu dürfen. Andererseits hätte so mancher in Washington vielleicht noch mehr hingeblättert, um Trump wenigstens für ein paar Tage loszuwerden.

Besonders schlimm trifft es jene, die Clubmitglieder in Mar-a-Lago sind: Sie entrichteten 200’000 Dollar Gebühr, um den Barden der Kurznachricht gelegentlich bestaunen zu dürfen. Allerdings erhalten sie einen Discount auf die Eintrittskarten zum Silvesterball: Statt 1000 Dollar bezahlen sie lediglich 650, ein Schnäppchen also, das ihnen im Vorjahr erlaubte, sich am Silvesterabend ab 21.30 Uhr im Lichte der Trumps zu sonnen.

Anstatt in Florida zu orakeln, wird er die Nation zum Jahresende gewiss mit einer elegant formulierten Kurznachricht beglücken.

Melania, wie immer in einem «hautengen» Kleid, war damals eine Treppe heruntergeschwebt, indes sich Trump von einem Kronleuchter in den Ballsaal abseilte. Nicht wirklich, aber beinahe. Es gab Lobster-Ravioli und Boeuf und Seebarsch und schmissige Musik sowie eine gesalzene Rechnung für uns, die amerikanischen Steuerzahler, wegen diverser «Sicherheitsvorkehrungen».

Trump tat am Silvesterabend 2017 einen gewagten Blick ins neue Jahr, welches ihm zu Folge «fantastisch» ausfallen werde. Unter anderem werde der Aktienmarkt «weiterhin zulegen», prophezeite der Präsident.

Die geprellten Gäste müssen darauf hoffen, dass sich Trump in letzter Minute zum Flug in sein «Traumschloss» entschliesst.

Anstatt in Florida zu orakeln, wird er die Nation an diesem Jahresende gewiss mit einer elegant formulierten Kurznachricht beglücken. Die geprellten Gäste müssen unterdessen darauf hoffen, dass sich Trump in letzter Minute zum Flug in sein «Traumschloss» entschliesst. Falls nicht, bleibt ihnen nur die Hoffnung, ihre Eintrittskarten in einer dunklen Gasse in Palm Beach zum Discountpreis an einen russischen Oligarchen zu verscherbeln.

Denn ohne den Baron ist die Party bei Münchhausens eben nichts wert. Nichts gewesen ausser Spesen, wie man so sagt.

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