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Der richtige Mann in der falschen Partei

Jon Huntsman kandidiert offiziell fürs US-Präsidentschaftsamt. Obwohl der Republikaner scheinbar alle Qualitäten mitbringt, um Obama herauszufordern, wird er wohl an seiner eigenen Partei scheitern.

«Ich heisse Jon Huntsman und bewerbe mich offiziell fürs US-Präsidentenamt»: Der Republikaner bei seiner Rede vor der Freiheitsstatue.
«Ich heisse Jon Huntsman und bewerbe mich offiziell fürs US-Präsidentenamt»: Der Republikaner bei seiner Rede vor der Freiheitsstatue.
Keystone

Das Bewerberfeld der US-Republikaner um die Präsidentschaftskandidatur wächst weiter: Jon Huntsman, früherer Gouverneur des Bundesstaats Utah und Ex-Botschafter in China, stieg heute offiziell in das Rennen ein: «Ich heisse Jon Huntsman und bewerbe mich offiziell fürs US-Präsidentenamt.»

Vor dem Hintergrund der New Yorker Freiheitsstatue und der Skyline von Manhattan warnte Huntsman in seiner Rede in einem Park in New Jersey vor einem Niedergang der USA im 21. Jahrhundert. «Wir können und werden das nicht akzeptieren», sagte der 51-Jährige.

Botschafter in Peking

Huntsman, den Obama als Botschafter nach Peking entsandt hatte, kritisierte die Wirtschaftspolitik seines früheren Chefs scharf. «Wir brauchen mehr als nur Hoffnung», sagte er in Anspielung auf Obamas Wahlkampfslogan vor vier Jahren. Huntsman forderte eine Steuerreform und einen Abbau von Regulierungen, um die Schaffung von Arbeitsplätzen zu beschleunigen.

Huntsman gilt als Moderat und hatte sich im Jahr 2007 gar für eine allgemeine obligatorische Krankenkasse ausgesprochen. Die Tatsache, dass er Mormone ist, dürfte es zusätzlich erschweren, die konservativen republikanischen Kräfte der Tea Party für sich zu gewinnen. Nichtsdestotrotz gilt er als smart und als einer, der weiss, wie man den öffentlichen Auftritt inszeniert. In seinem Wahlkampfvideo (siehe Box) präsentiert er sich sportlich und traditionsbewusst: Unterstützt von friedlicher Coutrymusik, kurvt der Diplomat durch die Wüste. Darunter erscheint der Schriftzug: «Der Präsidentschaftskandidat, der Motocross fährt, um sich zu erholen.»

Huntsman hat aber mehr zu bieten, als bizarr anmutende Auftritte in der Abendsonne. «Er dürfte der erste republikanische Kandidat sein, der das Format hat, Barack Obama herauszufordern», sagt Tilman Lingner, US-Korrespondent beim Schweizer Fernsehen. Doch soweit werde es wahrscheinlich nicht kommen, denn Huntsman werde kaum die Nominierung durch seine Partei bekommen.

Mit Romney mit besseren Umfragewerten

Kommt dazu, dass Huntsman bei Wählern landesweit relativ unbekannt ist. Er liegt in parteiinternen Umfragen klar hinter dem favorisierten Ex-Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney. In Utah war er 2008 aber mit 78 Prozent der Stimmen als Gouverneur wiedergewählt worden, ehe ihn Obama zum Botschafter machte. Huntsman spricht fliessend Mandarin, eines seiner sieben Kinder ist eine Adoptivtochter aus China. Unter den republikanischen Aspiranten gilt der Mormone als der Kandidat mit der grössten aussenpolitischen Erfahrung.

Weitere Bewerber der Republikaner für 2012 sind unter anderen der frühere Chef des Repräsentantenhauses Newt Gingrich und der Ex-Gouverneur von Minnesota, Tim Pawlenty. Zuletzt stiegen auch der aus Pennsylvania stammende Ex-Senator Rick Santorum sowie die Kongressabgeordnete Michele Bachman aus Minnesota ins Rennen ein. Ein Fragzeichen steht noch hinter der Bewerbung der erzkonservativen Ex-Gouverneurin von Alaska, Sarah Palin, die 2008 an der Seite von John McCain als Vizekandidatin angetreten war. Bei den Demokraten ist Obama unangefochten; Anfang April erklärte er, eine Wiederwahl anzustreben.

AFP/mrs

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