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Der Populist muss jetzt liefern

Donald Trump bleibt als Präsident ein Jahr Zeit, um Teilerfolge vorzuweisen. Sonst kommt er unter die Räder des verhassten Establishments.

«Wir geben die Macht dem Volk zurück»: Donald Trump, 45. Präsident der USA, spricht zur Menge in Washington DC. (20. Januar 2017)
«Wir geben die Macht dem Volk zurück»: Donald Trump, 45. Präsident der USA, spricht zur Menge in Washington DC. (20. Januar 2017)
Patrick Semansky/AP, Keystone
Daumen hoch: Trump tritt für seine Antrittsrede ans Pult auf dem Capitol Hill. (20. Januar 2017)
Daumen hoch: Trump tritt für seine Antrittsrede ans Pult auf dem Capitol Hill. (20. Januar 2017)
Saul Loeb, AFP
Mit Kappen und Hüten: Anhänger von Donald Trump stehen am frühen Morgen Schlange zur Inauguration.
Mit Kappen und Hüten: Anhänger von Donald Trump stehen am frühen Morgen Schlange zur Inauguration.
John Minchillo, Keystone
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Unter einem verhangenen Himmel in Washington vollendete sich das grösste politische Mirakel der modernen amerikanischen Geschichte: Donald Trump wurde heute als neuer amerikanischer Präsident eingeschworen und versprach seinen Landsleuten in seiner Antrittsrede, die USA wieder zu einer «grossen Nation» zu machen, ja grösser als jemals zuvor. Trump präsidiert über eine zutiefst gespaltenes Land, kaum aber klang seine Antrittsrede wie die Versöhnungsbotschaft, die Abraham Lincoln bei seiner zweiten Amtseinführung nach dem Ende des Bürgerkriegs zwischen Nord und Süd übermittelte. «Lasst uns die Wunden verbinden», hatte der Präsident den Amerikanern damals zugerufen.

Populistische Kritik Trump hingegen wandte sich in seiner Antrittsrede einmal mehr den Themen zu, die ihn an die Spitze des republikanischen Felds von Präsidentschaftskandidaten und danach ins Weisse Haus katapultierten: Eine populistische Kritik der Washingtoner Eliten, ein Appell an Recht und Ordnung sowie ein ökonomischer Nationalismus, dessen Intensität nach der heutigen Rede neuerlich Sorge bei den Handelspartnern der USA auslösen dürfte.

«America first»: Wahlkampf-Rhetorik des neuen Präsidenten Trump bei Amtsantritt. Video: Tamedia/AFP/Reuters

Besonders klar war die Absage an das Establishment in der Haupstadt, dem Trump vorwarf, sich auf Kosten der Bürger bereichert zu haben. «Washington gedieh, das Volk aber hatte keinen Anteil an diesem Reichtum», so Trump. Jetzt werde die Macht von diesem Establishment zurück an das Volk gehen.

Trump bei Antritt am unbeliebtesten

Was Trump bereits am Vorabend seiner Amtseinführung in einer Rede behauptet hatte, fand sich in der Antrittsrede neuerlich: Dass er nämlich an der Spitze einer Bewegung stehe, «welche die Welt so noch nie gesehen hat». Bezweifelt werden darf dieser Anspruch schon deshalb, weil kein amerikanischer Präsident seit 1945 beim Amtsantritt so unbeliebt war wie Donald Trump.

Donald Trump legt den Amtseid ab. Video: Reuters

Das aber wird den neuen Präsidenten gewiss nicht davon abhalten, einen ökonomischen Nationalismus zu praktizieren, der die Vereinigten Staaten früher oder später auf einen Kollisionskurs mit Handelspartnern in aller Welt sowie den Auflagen und Vorschriften der Welthandelsorganisation WTO bringen wird. «Wir haben andere Länder reich gemacht», behauptete Trump. Und damit sei es nun vorbei, denn in der Wirtschafts- wie der Handelspolitik gelte künftig: «Amerika zuerst».

Fabriken, Gangs, Grenzen, Kriminalität

Zu seinen vielen Versprechen, die Donald Trump im Verlauf des langen Präsidentschaftswahlkampfs gemacht hat, gesellten sich in seiner Antrittsrede neue: Nichts weniger als eine Renaissance des Landes versprach Trump und zeichnete das Bild einer Nation rostender Fabriken, gewalttätiger Gangs, offener Grenzen und horrender Kriminalität.

Der Präsident muss nun abliefern. Und die Erfahrung vergangener Präsidentschaften lehrt, dass ihm dazu höchstens ein Jahr bleibt. In diesem Zeitraum muss zumindest in Anrissen erkennbar sein, ob und wie die Präsidentschaft Donald Trumps die Leben der Amerikaner verbessert hat. Gelingt Trump diese Einlösung nicht, wird sich in Washington wahrscheinlich eine traditionelle Dynamik entfalten: Der Kongress wird dreister werden, die Öffentlichkeit sich weiter abwenden.

«Ich werde euch niemals enttäuschen»

Trump hat vielleicht Glück, dass die Erwartungen an ihn so niedrig sind: Verzeichnet er zumindest Teilerfolge , könnte er auch jene Wähler auf seine Seite ziehen, die ihn bislang resolut ablehnen. Gerät der neue Präsident jedoch unter die Räder, wird sich das Establishment, dem er heute so vehement die Leviten las, genüsslich an ihm rächen.

Trumps Präsidentschaft, das verdeutlichte seine Antrittsrede, ist wie keine andere in der neueren US-Geschichte: Der Mann im Weissen Haus schuldet weder seiner Partei noch den Washingtoner und New Yorker Eliten viele Rücksichten. Er ist ein politischer Selfmade-Mann und Senkrechtstarter, der das System aus den Angeln heben will. «Ich werde euch niemals enttäuschen», versprach er heute seinen Anhängern.

Man wird sehen. Aber darauf zu hoffen, dass Trump scheitert, bedeutet das Risiko eines zutiefst polarisierten und sogar destabilisierten Landes einzugehen. Für die amerikanischen Allierten und Handelspartner in Lateinamerika, Europa und Asien ziehen mit der Präsidentschaft Donald Trumps unruhige Zeiten herauf.

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