Der politische Zombie Tillerson geht, weitere Abgänge stehen bevor

Weshalb die Entlassung von US-Aussenminister Rex Tillerson überfällig war – und was von seinem Nachfolger zu erwarten ist.

«Waren uns nicht einig»: US-Präsident Donald Trump begründet die Entlassung seines Aussenministers.AFP

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Er war ein politischer Zombie, ein Aussenminister ohne Hausmacht und ohne Vertraute im Weissen Haus. Seit Oktober schon wurde in Washington gemunkelt, dass Rex Tillersons Entlassung bevorstehe. Donald Trumps Top-Diplomat aber schleppte sich über die Runden, eine traurige Gestalt, die der Präsident je nach Lust und Laune demütigte.

Heute aber war Schluss mit der Farce: Trump feuerte seinen Aussenminister, nicht ohne ihm zuvor eine letzte Demütigung zugefügt zu haben: Tillerson befand sich auf einer Dienstreise in Afrika, als Trump den ehemaligen ExxonMobil-Boss am vergangenen Freitag von seiner Entlassung unterrichtete.

Was Präsident und Aussenminister vebunden hatte, nämlich eine Zuneigung zu Wladimir Putin, war längst überschattet worden von Dissonanzen. Trump hatte Tillerson ruiniert, der wiederum hatte sein Ministerium ruiniert, indem er es unter dem Vorwand einer Neuorganisation austrocknete. Reihenweise flüchteten Top-Diplomaten aus dem Ministerium, andere wurden entlassen, bis es an allen Ecken und Enden an Expertise und Experten fehlte.

Pompeo – der Iran-Hardliner

Nun also darf CIA-Direktor Mike Pompeo das kaum noch funktionierende Ministerium übernehmen, im Gegensatz zu Tillerson aber versteht sich Pompeo ausgezeichnet mit Trump. Da der Präsident es ablehnt, das von den US-Geheimdiensten täglich zusammengetragene Geheimdossier über die Weltlage zu lesen, durfte ihm Pompeo nahezu jeden Morgen im Weissen Haus vortragen.

Trump vertraut ihm und fragte den CIA-Chef nicht nur bei aussenpolitischen Problemen um Rat. Als Abgeordneter hatte Pompeo einen konservativen Bezirk in Kansas im Repräsentantenhaus vertreten und war Trump unter anderem durch seine extrem harte Linie gegenüber dem Iran aufgefallen. Bei den morgendlichen Begegnungen im Weissen Haus befragte Trump den CIA-Direktor auch über die Stimmung im Kongress und über dies und das.

Der Präsident will den Vertrauten nun rechtzeitig vor den schwierigen Verhandlungen mit Nordkorea wie auch vor den entscheidenden Gesprächen über die Zukunft des nordamerikanischen Freihandelsvertrags NAFTA im Aussenministerium haben, wo Pompeo einen dezimierten und demoralisierten Stab vorfinden wird.

Foltervorwürfe gegen designierte CIA-Direktorin

Zu Pompeos Nachfolgerin bei der CIA hat Trump die bisherige stellvertretende CIA-Direktorin Gina Haspel ernannt, eine umstrittene Wahl schon deshalb, weil Haspel 2002 eine «Black Site» des Geheimdienstes in Thailand leitete, wo die Al Qaida-Mitglieder Abd al-Rahim al-Nasiri und Abu Zubaydah schwersten Folterungen unterzogen wurden. Es half nicht, dass Haspel danach Videos über die Folterungen zerstörte, die als Beweismittel für Untersuchungen im Kongress hätten dienen können.

Als Trump die Karriereagentin 2017 zur stellvertretenden Direktorin nominierte, gab es prompt Widerstand im Senat: Mehrere demokratische Senatoren waren der Ansicht, Haspel sei wegen der Folterungen und anschliessenden Vernichtung der Videos nicht qualifiziert für den Posten. Jetzt wird sie als erste Frau die CIA leiten, derweil Trump mit der Entlassung Tillersons womöglich eine Reihe von Personalentscheidungen eingeleitet hat.

Sowohl sein Sicherheitsberater H.R. McMaster als auch Stabschef John Kelly sind in Ungnade befallen, niemand in Washington wäre überrascht, wenn Trump einen oder beide entliesse. Denn der Präsident fliegt zusehends solo, ein Mann, der überzeugt ist, er wisse es allemal besser als seine Mitarbeiter. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 13.03.2018, 16:37 Uhr

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