Der Mann, der zu viel weiss

Falls Paul Manafort etwas zu erzählen hat und dies auch tut, könnte er Donald Trump gefährlich werden.

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Paul Manafort hat sicher viel zu erzählen. Nicht ganz überraschend ist Donald Trumps ehemaliger Wahlkampfleiter angeklagt worden. Mit ihm auch sein Geschäftspartner Rick Gates, der regelmässig im Weissen Haus zu Gast ist. Den beiden Herren, die angeblich einen ausschweifenden Lebensstil pflegen mit Dollars, die sie nicht versteuern, werden Geldwäscherei und Verschwörung gegen die USA vorgeworfen.

Der Name Trump taucht hingegen nicht auf in der 31-seitigen Anklageschrift, der ersten, die der ehemalige FBI-Chef Robert Mueller vorgelegt hat. Der Sonderermittler in der Russland-Affäre geht dem Verdacht nach, ob es illegale Absprachen zwischen Trumps Team und der russischen Regierung gegeben hat. Alle Anklagepunkte betreffen jedoch Manaforts Geschäftsgebaren, der Wahlkampf wird nicht erwähnt. So weit, so gut für den US-Präsidenten.

Falls Manafort etwas zu sagen hat und auspackt, dann wäre er wohl nur der erste Dominostein, der fällt. Deshalb hat Trump keinen Grund aufzuatmen.

Das Problem ist nur, dass Manafort von 2006 bis 2015 für prorussische Politiker in der Ukraine gearbeitet hat, allen voran für den 2014 gestürzten Präsidenten Wiktor Janukowitsch, der wiederum Putin nahesteht. Indem er im Frühling 2016 Manafort als Wahlkampfmanager einstellte, öffnete Trump seinem Team einen indirekten Draht in den Kreml. Tatsächlich kam es zu Kontakten zwischen russischen Regierungs­vertretern und Trump-Leuten. Unklar ist, ob auch der Präsidentschaftskandidat diesen Kanal nutzte.

Paul Manafort, der sich dem FBI gestellt hat, dürfte das wissen – für Trump ist er ab sofort der Mann, der zu viel weiss. Der Anwalt des Präsidenten betonte bereits präventiv, man befürchte keineswegs, dass Manafort schädigende Informationen preisgeben werde. Gibt es denn solche Informationen? Falls ja, könnte Manafort aussagen, um eine Strafmilderung zu erhalten. Oder, weil der öffentliche Druck steigt, mit der Wahrheit herauszurücken. Vielleicht aber auch, um es Trump heimzuzahlen, da er ihn bereits im Sommer 2016 wieder gefeuert hat.

Falls Manafort etwas zu sagen hat und auspackt, dann wäre er wohl nur der erste Dominostein, der fällt. Deshalb hat Trump keinen Grund aufzuatmen. Ausser natürlich, er hat ein reines Gewissen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.10.2017, 22:05 Uhr

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