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Der Irrweg des Rick Perry

In den öffentlichen Fernseh-Debatten gibt sich der republikanische Präsidentschaftsanwärter Rick Perry gerne als Garant für Jobs. Unter seinesgleichen zeigt er aber, was ihn tatsächlich umtreibt.

Sprach viel über Gott, kaum über Politik: Rick Perry bei seiner Rede an der Jerry Falwells Liberty University.
Sprach viel über Gott, kaum über Politik: Rick Perry bei seiner Rede an der Jerry Falwells Liberty University.

Rick Perry gibt sich gerne als Schaffer. Bei der Fernsehdebatte auf CNN präsentierte er sich als starker Mann, der im Land für mehr Arbeitsplätze sorgen will. Doch in einem Auftritt gestern Abend zeigte der religiöse Texaner, der bei den US-Wahlen als republikanischer Herausforderer von Präsident Barack Obama gilt, sein anderes Gesicht. Offensichtlich tat er dies so deutlich, dass sich die «Washington Post» fragt, ob er seine Präsidentschaft mehr als Job-Schaffer oder doch eher als Evangelist angehen würde.

Perry trat gestern Mittwoch an der Jerry Falwells Liberty University auf, einer Institution, die der gleichnamige evangelische Fundamentalist (1933–2007) vor 40 Jahren gründete. Dort hat Perry gemäss der amerikanischen Zeitung seine vielleicht «persönlichste Rede» gehalten. Das Wort «Jobs», das er sonst überall und dauernd in den Mund nehme, sei in seiner 20-minütigen Ansprache kein einziges Mal gefallen. Dafür habe Perry «mit Leichtigkeit die Sprache der Evangelisten gesprochen». Er sprach davon, wie er in jungen Jahren darüber gegrübelt habe, «was er mit diesem einen Leben unter den Milliarden anderen auf diesem Planeten» anfangen solle. Natürlich habe er gewusst, dass ihm Gott die Antwort auf diese Frage irgendwann enthüllen würde, erklärte er vor rund 13'000 Zuhörern in der Basketball-Arena in Lynchburg, Virginia.

Perrys spirituelle Wanderung

Der konservative Perry sprach zudem von seinen persönlichen Fehlern und seinem Versagen in der Vergangenheit, als müsste er vor den jungen US-Bürgern ein Geständnis ablegen. In den Worten des Präsidentschaftsanwärters wirkte dies jedoch alles harmlos: etwa der Traum, Tierarzt zu werden, der deshalb platzte, weil Perry durch die Prüfung in organischer Chemie fiel. Oder die Liegestützen, die er als College-Kadett machen musste, weil er seine Schuhe nicht richtig geputzt hatte. Oder seine Zeit als junger Air-Force-Pilot, in der er herumgeirrt sei, bis er zu Gott gefunden habe. Als Trost berief sich Perry auf die Worte von Moses und David: «Die Fehler von gestern sagen nichts über die Möglichkeiten von morgen aus.»

Sein Leben präsentierte Rick Perry vor den gläubigen Studenten als spirituelle Wanderung, seine politischen Ambitionen wurden so zu einer schicksalhaften Berufung. Über sein politisches Programm verlor der Gouverneur aus Texas kaum ein Wort, auch auf seinen Gegner Obama kam er nicht zu sprechen. Bei den rund 13'000 Studenten in der Halle versuchte er mit einer anderen Strategie zu punkten: mit Gott.

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