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Demonstranten sollen auf Polizei geschossen haben

Bei erneuten Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten sind in Ferguson zwei Personen verletzt worden. Barack Obama schickt derweil seinen Justizminister in den Vorort der Millionenstadt St. Louis.

Das US-Justizministerium schaltet sich ein: Polizei von Ferguson. (30. August 2014)
Das US-Justizministerium schaltet sich ein: Polizei von Ferguson. (30. August 2014)
AFP
Nichts soll den Namen Michael Brown beschmutzen: Der Bürgerrechtler Al Sharpton (Mitte) neben dem Vater des getöteten schwarzen Jugendlichen.
Nichts soll den Namen Michael Brown beschmutzen: Der Bürgerrechtler Al Sharpton (Mitte) neben dem Vater des getöteten schwarzen Jugendlichen.
Keystone
Nach dem tödlichen Ereignis zogen Tausende durch den Vorort von St. Louis.
Nach dem tödlichen Ereignis zogen Tausende durch den Vorort von St. Louis.
Keystone
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Bei den neuerlichen Ausschreitungen in der US-Stadt Ferguson sind zwei Menschen durch Schüsse von Demonstranten verletzt worden. Wie die Polizei mitteilte, setzten ihre Beamten bei den nächtlichen Zusammenstössen selbst Tränengas, aber keine Schusswaffen ein. Demnach wurden bei den Unruhen in dem Vorort der Millionenstadt St. Louis 31 Menschen festgenommen. Einige der etwa 200 Demonstranten stammten aus weit entfernten Regionen wie New York oder Kalifornien. Vier Polizisten seien durch Wurfgeschosse verletzt worden. Der Zustand der beiden durch Schüsse Verletzten war unklar.

Zuvor gingen die Unruhen in Ferguson weiter. Demonstranten und Polizei prallten auch am späten Abend aufeinander. Die Polizei setzte gepanzerte Fahrzeuge, Tränengas und Blendgranaten ein, um die Menge aufzulösen. Auch die Journalisten wurden aufgefordert, die Strassen zu verlassen. Es gab keine Verletzten. Nach einer neuerlichen Eskalation in der Nacht zum Montag hatte Gouverneur Jay Nixon die Nationalgarde nach Ferguson beordert.

Zuvor hatte er eine nächtliche Ausgangssperre verhängt, die er aber gestern wieder aufhob. Seit ein weisser Polizist am 9. August den dunkelhäutigen Teenager Michael Brown in der Kleinstadt erschoss, kommt der überwiegend von Afroamerikanern bewohnte Vorort von St. Louis nicht zur Ruhe. Fast jeden Abend gingen wütende Anwohner auf die Strasse, die Proteste schlugen in Gewalt um.

Deutsche Journalisten festgenommen

Gestern Nachmittag hatte die Polizei vorübergehend auch Journalisten festgenommen, unter ihnen zwei deutsche Reporter. Die Polizei warf ihnen vor, sich Anweisungen widersetzt zu haben.

Einer der Festgenommenen schreibt für die «Welt»-Gruppe, wie «Die Welt» mitteilt. Ein weiterer Journalist arbeitet für deutsche Regionalzeitungen. Die beiden seien in Handschellen abgeführt und ins Gefängnis gebracht worden. Drei Stunden später wurden sie freigelassen.

Nach Darstellung der Reporter nahm die Polizei sie fest, weil sie auf der Strasse stehengeblieben sein sollen, obwohl sie von Polizisten zum Weitergehen aufgefordert worden waren. Die beiden bestreiten den Vorwurf und werfen der Polizei ihrerseits vor, sie eingeschüchtert und bei ihren Recherchen behindert zu haben.

Sie sprachen von einer «eklatanten Verletzung der Pressefreiheit». Die Polizei in Ferguson war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Obama schickt Justizminister

Ein Fotograf der Agentur Getty sei ebenfalls festgenommen und später wieder freigelassen worden. Die Behörden hatten eine ausgewiesene Zone für die nächtlichen Proteste eingerichtet. Es war unklar, was mit denjenigen passieren würde, die sich weigern, in dieser Zone zu bleiben.

Gestern hatte ein von Browns Familie engagierter Pathologe festgestellt, der Teenager habe am rechten Arm eine Schusswunde erlitten, die darauf hindeute, dass er seine Hände erhoben gehabt habe oder aber mit dem Rücken zum Schützen gestanden habe. Allerdings könne man erst sicher sein, wenn es mehr Informationen gebe. Bei einer unabhängigen Obduktion war heraus gekommen, dass mindestens sechs Mal auf Brown geschossen worden war, davon zwei Mal in seinen Kopf, wie die Anwälte der Familie sagten. Zeugen hatten ausgesagt, Brown habe seine Hände erhoben gehabt, als er erschossen wurde.

US-Präsident Barack Obama kündigte an, angesichts der explosiven Lage seinen Justizminister Eric Holder in die Kleinstadt zu schicken. Dort werde dieser sich in dieser Woche mit FBI-Agenten treffen, die unabhängig im Fall Michael Brown ermittelten. Die Bevölkerung von Ferguson rief er erneut zur Ruhe auf.

Unterschied zwischen Militär und Polizei

Obama sagte, er werde die Aktionen der Nationalgarde in den kommenden Tagen daraufhin prüfen, ob sie der Sache helfen oder eher schaden würden. Zudem habe er Nixon klargemacht, dass die Operation einen begrenzten Umfang haben müsse.

Im Übrigen gebe es einen grossen Unterschied zwischen Militär und Polizei. «Wir wollen nicht, dass diese Grenzen verschwimmen. Das würde unseren Traditionen zuwiderlaufen», erklärte Obama. Es wäre nützlich, zu überprüfen, wie örtliche Strafverfolgungsbehörden Zuschüsse genutzt hätten, um schwerere Waffenausrüstung zu bekommen, sagte er.

Anlass sind kritische Stimmen infolge jüngster Videoaufnahmen, die Polizisten mit schweren Waffen und Militärgerät zeigen, die auf den Strassen Fergusons gegen Demonstranten vorgingen.

Der Präsident sprach erstmals seit Bekanntwerden des Falls Michael Brown auch die ethnischen Spannungen an. Es sei klar, dass die Unterschiede im Umgang mit Schwarzen und Weissen thematisiert werden und Schutzmassnahmen ergriffen werden müssten.

sda/AP/AFP/chk

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