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Demolierer statt Diplomaten

Der Abgang von Aussenminister Rex Tillerson steht bevor. Sein Nachfolger ist brandgefährlich.

Mike Pompeo (links) soll Aussenminister Rex Tillerson (rechts) ablösen.
Mike Pompeo (links) soll Aussenminister Rex Tillerson (rechts) ablösen.
Eric Thayer, Reuters

Die «New York Times» und andere Medien berichten aufgrund eines offensichtlich gezielten Lecks im Weissen Haus, dass Aussenminister Rex Tillerson in den kommenden Wochen durch CIA-Direktor Mike Pompeo ersetzt werden soll. Vermutlich ist dem ehemaligen Ölmanager das egal. Er hat den Job, bei dem er für einen Präsidenten namens Donald Trump arbeiten musste, ohnehin nie gemocht. Tillerson ist steinreich, und er besitzt eine schöne Ranch in Texas. Seinen Boss hat er einmal selbst einen «verdammten Deppen» genannt. Was sollte ihn in Washington halten?

Die Angestellten des Aussenministeriums werden nicht trauriger sein als Tillerson, wenn er geht. Sie waren im vergangenen Jahr Teil eines Experiments: Kann man Aussenpolitik machen, ohne ein Aussenministerium zu haben? Tillerson war offenbar der Ansicht, dass das möglich sei. Jedenfalls hat er das einst stolze State Department in ein paar Monaten so heruntergewirtschaftet, entkernt, kleingespart und demoralisiert, dass heute nur noch Trümmer übrig sind. Die meisten guten, erfahrenen Leute wurden gefeuert oder haben gekündigt; oder sie liessen sich, weil sie ihre Pension retten wollten, zumindest wegversetzen. Amerikas Diplomaten wollen derzeit lieber irgendwo weit weg im Busch Dienst tun als in Washington. (Wenn der Busch dann eine liebenswürdige, kleine Hauptstadt in Europa ist – umso besser.)

«Immerhin wusste Tillerson, dass es eine Welt gibt.»

Aber immerhin wusste der ehemalige Ölmanager Tillerson, dass es da draussen eine Welt gibt. Und dass so etwas wie Diplomatie existiert – ein Werkzeug, mit dem Amerika in dieser Welt Kontakte knüpfen und halten, Beziehungen eingehen, Einfluss ausüben, Freunde unterstützen und Feinden widerstehen kann. Ein Werkzeug, mit dem die USA die Welt formen können, letztlich zu ihrem eigenen Vorteil.

Politik als Krämerladen

Das widerspricht Trumps Vorstellung, internationale Politik sei eine Art Krämerladen, Amerika sei der Krämer, und für jedes Pfund Mehl, das er über die Theke schiebt, müsse ein anderes Land bezahlen, und zwar gefälligst sofort und in bar. Wenn die USA sich so benehmen, gehen die anderen Länder halt zum Krämer China, der zwei Pfund Mehl rüberschiebt – auf Pump. Sollte nun, wie es in Washington heisst, der jetzige CIA-­Direktor Mike Pompeo neuer Aussenminister werden, dann wird das von Tillerson begonnene Experiment mit einer neuen Frage fortgesetzt werden: Kann man Aussenpolitik machen, ohne sich um Diplomatie zu scheren?

Mässigende Stimme

Denn das wird dann passieren. Tillerson mag ein schwacher Aussenminister gewesen sein, mit wenig Einfluss im Oval Office. Doch er war eine mässigende, eine diplomatische Stimme unter den Trump-Beratern. Pompeo wäre das Gegenteil – ein rabaukiger, nationalistischer Aussenminister, ein «America First»-Mann, ein Hardliner. Das aber ist brandgefährlich: Amerika befindet sich derzeit auf dem Weg in eine militärische Auseinandersetzung mit Nordkorea, möglicherweise bald auch mit dem Iran. Dazu muss es nicht zwangsläufig kommen, doch das Kriegsrisiko ist deutlich gestiegen. Ein kleiner Zwischenfall genügt, und es knallt.

Es kann gut sein, dass Trump eigentlich keinen Krieg will; dass er nur etwas herumpoltert, weil er das für Verhandeln hält. Aber wenn man von Amerikas Aussenpolitik das Aussenministerium und die Diplomatie abzieht, bleibt eben nicht mehr als das kraftmeiernde Getwittere eines Mannes, den der eigene Minister für einen – Zitat – verdammten Deppen hält.

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