Das waren die Gefangenen des Iran

Beim Gefangenentausch zwischen den USA und dem Iran kamen rund ein Dutzend Personen frei. Wer sind die Menschen, die hinter Gittern waren?

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«Lobpreiset den Herrn», jubelte der republikanische Präsidentschaftskandidat Ted Cruz, als die Freilassung von Pastor Saeed bekannt wurde. Letzterer heisst mit vollem Namen Saeed Abedini und verbrachte die letzten drei Jahre in einem iranischen Gefängnis. Dank eines Gefangenentauschs zwischen dem Iran und den USA kann der 35-Jährige nun in seinen Heimatstaat Idaho zurückkehren. Der strenggläubige Cruz wertet dies als himmlische Fügung, seinen Dank richtet er lieber an Gott statt an die demokratische US-Regierung, die den Deal eingefädelt hatte.

In diesem Sinne sei aufgezeigt, was das göttliche Geschenk – sprich der Gefangenentausch – sonst noch für Cruz bereithält. Insgesamt vier Amerikaner entlässt der Iran in die Freiheit. Demgegenüber stehen sieben Iraner, die ihre Zellen in US-Gefängnissen verlassen können. Gerade die Inhaftierung von Abedini zog in den USA einige Aufmerksamkeit auf sich. 2012 wurde der US-iranische Doppelbürger wegen Übertritts vom Islam zum christlichen Glauben und «evangelischer Aktivitäten» verurteilt. Acht Jahre Haft lautete das Verdikt.

Bereits im vergangenen September schlug der iranische Staatspräsident Hassan Rohani seine Freilassung vor. Allerdings nur im Tausch gegen iranische Gefangene in den USA. Ein Vorschlag, der damals abgelehnt wurde – selbst von der Ehefrau des Pastors: Nahmeb Abedini wehrte sich gegen den Tausch, weil ihr Ehemann kein Krimineller sei, sondern sich ausschliesslich wegen seines kritischen Glaubens im Gefängnis befinde. Dass es nun doch zu einer Einigung kam, nehmen Abedinis Unterstützer dennoch dankbar auf. Die Twitter-Gemeinde reagierte schnell: Aus dem Hashtag #SaveSaeed wurde nun #GodSaveSaeed:

Viel Aufmerksamkeit erhielt auch die Gefangenschaft von Jason Rezaian. Der Journalist der «Washington Post» berichtete als Iran-Korrespondent aus Teheran. Im Juli 2014 wurde er zusammen mit Yeganeh Salehi, einer Journalistin, die er im Iran geheiratet hatte, in seiner Wohnung in Teheran festgenommen. Während Salehi nach drei Monaten freikam, blieb Rezaian hinter Gittern. Der Anklagegrund: Spionage. Der Prozess im vergangenen Jahr geriet zur Farce. Als er im Mai vor einen Richter gestellt wurde, geschah dies unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Nicht einmal seiner Mutter gestatteten die Behörden, während der Verhandlungen im Saal zu sitzen. Im Oktober wurde er für schuldig befunden, ohne dass man jemals erfahren hätte, was ihm konkret zur Last gelegt wurde. Insgesamt verbrachte er 544 Tage in Haft. Nach einem Zwischenstopp in Genf befindet er sich zurzeit in Deutschland – für einen medizinischen Check.

Die weiteren Freigelassenen sind der Öffentlichkeit weniger bekannt. Amir Mirzei Hekmati befand sich seit 2011 in iranischer Gefangenschaft. Der 32-Jährige stammt aus Arizona und war Mitglied der amerikanischen Streitkräfte. Dort war er in erster Linie als arabischer Übersetzer tätig. Auch sein offizieller Verhaftungsgrund ist unklar: Von Spionage und Gotteslästerung ist die Rede. Gemäss seiner Familie wurde er verhaftet, als er seine iranische Grossmutter besuchen wollte.

Der Geistergefangene

Über den vierten Freigelassenen – Nosratollah Kosravi – ist so wenig bekannt, dass spekuliert wird, dass es sich um einen Scheingefangenen handeln könnte. Über seine Identität hält die US-Regierung sämtliche Angaben zurück. Auf gewissen Portalen kursieren nun wilde Theorien. Etwa diejenige, dass es sich bei Kosravi um den FBI-Agenten Robert Levinson handeln könnte, der seit 2007 als vermisst gilt. Der Iran bestritt stets, ihn in Gefangenschaft zu haben.

Ein fünfter Gefangener namens Matt Trevithick wurde ebenfalls freigelassen. Allerdings soll dies unabhängig vom offiziellen Gefangenentausch passiert sein. Trevithick war als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig gewesen – etwa für die American University of Afghanistan oder die American University of Iraq. Seine Arbeiten wurden in US-Medien wie dem «Wall Street Journal» oder im «The Atlantic» publiziert.

Verstösse gegen US-Sanktionen

Auf der Gegenseite kommt es zu sieben Freilassungen iranischer Gefangener. Was auffällt: Sechs davon waren iranisch-amerikanische Doppelbürger, und alle sieben sollen gegen die Sanktionen verstossen haben, welche die USA gegen den Iran verhängt haben. Mit deren Aufhebung werden nun auch ihre Strafen hinfällig. Auffällig viele waren als Ingenieure tätig.

Gegen Handelsembargo verstossen: Nader Modanlo.

Etwa Nader Modanlo, der seine Ausbildung an der George Washington University absolvierte. Er wurde zu acht Jahren Haft verurteilt, weil er gegen das Handelsembargo verstossen haben soll. Durch seine Mithilfe soll es dem Iran geglückt sein, den ersten Satelliten in die Umlaufbahn gebracht zu haben. Modanlo war unter anderem auch für das amerikanische Verteidigungsministerium oder die Nasa tätig.

Der 69-jährige Doppelbürger Bahram Mechanic war Geschäftsmann in Houston, bevor es im letzten Jahr zu einer Anklage kam. Er soll Elektrotechnik im Wert von mindestens 24 Millionen Dollar in den Iran exportiert haben. Die Technik kommt üblicherweise vor allem im militärischen Bereich zur Anwendung – etwa für Boden-Luft-Raketen. Mechanics 72-jähriger Geschäftspartner Khosrow Afghahi soll ebenfalls an den Exporten beteiligt gewesen sein. Auch er wurde freigelassen. Ebenso der 46-jährige Tooraj Faridi, Vizepräsident einer Firma namens Smart Power Systems.

Der auf Staten Island, New York, lebende Arash Ghahraman wurde für sechs Jahre verurteilt. Ihm wurden illegale Exporte von technischem Zubehör vorgeworfen, mit dessen Hilfe unter anderem Kriegsschiffe navigiert werden können. Die Geschäfte sollen über seine Briefkastenfirma in Dubai abgewickelt worden sein.

Hacker wieder auf freiem Fuss: Nima Golestaneh.

Beim 30-jährigen Nima Golestaneh handelt es sich um einen iranischen Hacker. Er soll sich Zugang zum IT-System der Firma Arrow Tech in Vermont verschafft haben, die auf Aerodynamik spezialisiert ist. Golestaneh wurde 2013 in der Türkei festgenommen und danach an die USA ausgeliefert. Er ist der einzige Iraner im Gefangenentausch ohne Doppelbürgerschaft.

Bei Ali Saboonchi handelt es sich um den jüngsten Freigelassenen auf US-Seite. Der 35-Jährige soll das Handelsembargo umgangen haben, indem er industrielle Produkte via Firmen in China und den Arabischen Emiraten in den Iran geschmuggelt hatte.

mrs

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